Versicherungen
4. März 2019

Aufbruch zu höheren Aktienquoten

Die Debeka fokussierte sich über Jahre auf Anleihen mit zweifelloser Bonität und blieb gegenüber Aktien abstinent – mit großem Erfolg. Dem Marktumfeld geschuldet braucht es nun aber eine neue Anlagestrategie, in der Aktien eine wichtigere Rolle zukommt. CFO Ralf Degenhart erklärt den Portfolioumbau.

Neustart mit Aktien: Von Finanzvorstand Ralf Degenharts Büro im obersten Stock des Debeka-Hochhauses hat man einen schönen Blick auf die Mosel. Für den Blick Richtung Rhein muss allerdings eine große Wandfotografie herhalten.
Für neue Perspektiven für den größten privaten Krankenversicherer und nach verdienten Bruttoverträgen viertgrößten Lebensversicherer Deutschlands sollen unter anderem höhere Aktienquoten sorgen. Deren Management wird in einer eigens gegründeten Gesellschaft, der DebekAM, gebündelt. Aktien und eine insgesamt breitere Asset-Allokation sollen der bislang besonders stark Fixed-Income-orientierten Versicherung, die etwa 100 Milliarden Euro an Assets under Management zählt, helfen, sich aus dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld und der Manndeckung durch die Bafin frei zu laufen. Etwas Humor schadet dabei auch nicht: Beim Fußball werden ja nur die Besten in Manndeckung genommen, meint Degenhart augenzwinkernd.

Herr Degenhart, wie lief 2018, Ihr erstes Jahr als Finanzvorstand der Debeka?

Spannend, ereignisreich und schön! 2018 war ein gutes Geschäftsjahr. Dass Gemeinschaft die Stärke der Debeka ist, gilt auch für das Vorstandsteam, auch wenn wir natürlich durchaus kontroverse Diskussionen führen. Ende des vergangenen Jahres startete auch der Geschäftsbetrieb der DebekAM, unsere neue Asset-Management-Gesellschaft.
Für den Start dieser Gesellschaft haben wir im November 2017 einen Erlaubnisantrag für die Finanzportfolioverwaltung bei der Bafin gestellt und im Mai 2018 die Erlaubnis erhalten. Um mit dem Geschäftsbetrieb live zu gehen, mussten wir dann einiges bezüglich Regulatorik, Dokumentationspflichten, Prozessen oder technischer Infrastruktur an Hausaufgaben erledigen.

Was managt die DebekAM für wen?

Die DebekAM ist für die Finanzportfolioverwaltung der gesamten Debeka-Versicherungsunternehmen zuständig. Primär konzentrieren wir uns im Moment auf die Anlage von Aktien. Die Assets under Management belaufen sich auf 400 Millionen Euro, die in zwei Zielfonds liegen. Einer fokussiert sich auf Europa, der andere auf Nordamerika.

Warum? Eine Auslagerung wäre die schlankere Lösung.

Der Aufwand, eine eigene Asset-Management-Gesellschaft aufzusetzen, ist hoch. Wir gehen aber davon aus, dass wir es selbst kostengünstiger und besser können. Dass die Debeka eine schlanke Kostenstruktur hat, gilt auch für das Asset Management, und wir haben Mitarbeiter mit hohem Aktien-Know-how gewinnen können.
Außerdem: Ein betriebswirtschaftlicher Vorteil von Aktien ist deren Skalierungsfähigkeit. In der Vergangenheit waren unsere Aktienquoten sehr gering. Ein internes Aktienmanagement hilft uns bei unserem Vorhaben, unsere Aktienquote peu à peu über die nächsten Jahre behutsam auszubauen. Weiter wollen wir Aktienexpertise im Haus bündeln, da wir unseren Mitgliedern in unserer chancenorientierten Rentenversicherung ein Aktienprodukt anbieten. Außerdem bietet die DebekAM für das neu gegründete Rentenwerk – ein genossenschaftlich geprägtes Konsortium aus fünf Versicherungsunternehmen mit neuem Betriebsrentenangebot – künftig einen nachhaltig gemanagten Aktienfonds an. Für diese Vorhaben uns auf Externe zu verlassen, würde uns als Debeka widerstreben.Wir wollen das selbst machen.

War Mifid für das DebekAM-Projekt ein  Hindernis?

Die Finanzmarktrichtlinie Mifid ist Regulatorik und stellt bei der Umsetzung damit natürlich auch einen Aufwand dar. Wir mussten für den Erhalt von Researchdienstleistungen Verträge mit verschiedenen Brokern abschließen. Auch besteht ein gewisser Dokumentationsaufwand. Anders als für Banken war der Mifid-Aufwand für uns aber überschaubar. Insgesamt sehe ich Mifid auch eher positiv. Denn die Richtlinie führt nach unserer Wahrnehmung zu mehr Kostentransparenz.

Hat man bei den früheren Mandatslösungen beim Partner die Versicherungsexpertise vermisst? Gab es Reibungsverluste?

Nein. Eine Grundvoraussetzung bei der Selektion eines Asset Managers war immer, dass dieser auf die Bedürfnisse einer Versicherung eingehen kann. Es gibt in Deutschland sehr viele Asset Manager, die mit uns auf Augenhöhe Spezifika von Versicherungen wie Solvency II diskutieren und -entsprechend im Portfolio umsetzen können.

Wie eng ist die DebekAM mit den anderen Versicherungsgesellschaften verknüpft?

Um Synergien zu nutzen, nutzt die Gesellschaft für Querschnittsthemen wie IT oder Personalwesen die Ressourcen des Konzerns. Das schont nicht nur die Kosten, sondern hat auch den großen Vorteil, dass der Asset Manager nicht isoliert ist, sondern sich immer in der Versicherungswelt bewegt.

Vor zehn Jahren hat Ihr Vorgänger Rolf Florian mit nur einem Mitarbeiter die gesamte Kapitalanlage versehen.

Früher hat Herr Florian für die Debeka große Tickets per Telefonhandel am Rentenmarkt zu sehr attraktiven Konditionen unterbringen können. Aber auch früher bestand der Kapitalanlageprozess aus mehr als dem Handel. Es gab auch damals zusätzlich Mitarbeiter im Middle und Back Office für Risikomanagement und Abwicklung. Trotzdem braucht es heute definitiv mehr Mitarbeiter. Dem Marktumfeld und Solvency II ist es geschuldet, dass bei den ALM-Sitzungen Kapitalanleger, Juristen, Aktuare, Risikomanager und Volkswirte dabei sind. Es ist zu einer Mathematisierung und Bürokratisierung der Kapitalanlage gekommen.

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