Investoren
20. Dezember 2018

Agenda 2019

Da das Jahr 2018 fast abgelaufen ist, bricht die Zeit der Rück- und ­Aus­blicke an. Auch wir schließen uns mit einem strategischen Ausblick für 2019 an.

Einszweidrei, im Sauseschritt, läuft die Zeit – wir laufen mit. Für institutionelle Kapitalanleger waren und sind ­Alternatives, Kosten und Nachhaltigkeit drei bedeutende Themen. Bei deren Umsetzung sind die Investoren oft schon sehr weit, viele ­Stellschrauben müssen aber auch noch im kommenden Jahr gedreht werden. 2019 könnte das Jahr der Feinjustierung werden.

Das Jahr 2018 ist noch nicht ganz vorbei. Schon jetzt ist aber absehbar, dass es als ein außerordentlich politisches und als ein ­außerordentlich schlechtes Anlagejahr in die Annalen eingehen wird. Zwar sind auf den Aktienmärkten keine Einbrüche wie 2008 oder 2002 zu ­beklagen und auch auf dem Anleihenmarkt gibt es nicht wie 1994 ganz lange Gesichter bei langen Laufzeiten. Aber: Es zeichnet sich ab, dass beide Anlageklassen auf Jahressicht negativ abschneiden.

Damit wurde nun eine Entwicklung schlagend, vor der ­Anlage­experten schon länger gewarnt haben: Aktien und Anleihen, die ­beiden ­wichtigsten Anlageklassen, sind nicht mehr negativ korreliert. Dies macht sich insbesondere bei Anlageklassen oder Produkten wie Mischfonds, Wandelanleihen, Liquid Alternatives oder Best-of-Two-Konzepten bemerkbar, deren Attraktivität darin besteht, in die jeweils bessere Asset-Klasse umschichten zu können. US-Aktien und ­Staatsanleihen wären zwar dieses Jahr Renditebringer beziehungsweise vor allem ein guter Diversifikator gewesen. Aber für die ­Kursgewinne der amerikanischen Aktien sorgten nur die ­sogenannten Fang-Titel. Gleichgewichtet wäre auch der S&P 500 im Minus. Staatsanleihen mit tadelloser Bonität wiederum finden sich aus ­Renditegründen kaum noch in den Portfolios.

Investoren, die fleißig Illiquiditätsrisiken aufgebaut haben, dürften sich mit Blick auf 2018 bestätigt fühlen. Besonders bezahlt machte sich angesichts niedriger Renditen auch eine Kostenfokussierung. ­Alternative Anlagen und Kostenfokussierung müssen auch kein ­Widerspruch sein. In der vergangenen Ausgabe von portfolio ­institutionell sagte Andreas Lindner, ­Chefanleger der Allianz Leben: „Bei nicht handelbaren ­Kapitalanlagen kommen wir auf nochmal deutlich höhere Vorteile, da wir hierfür ­Allianzintern eigene Asset Manager mit großem Know-how und ­globaler ­Reichweite aufgebaut haben.“

Bezüglich der politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen dürften sich alle institutionelle Investoren bestätigt fühlen, die ihre ­Kapital­anlage nachhaltig ausgerichtet haben. Schließlich kam es im ersten Halbjahr 2018 zu einer Gesetzesinitiative der EU-Kommissare für eine Verordnung über ein nachhaltiges Finanzwesen. Darin ­enthalten sind Vorstellungen zu ­einem einheitlichen ­Klassifikationssystem ­(„Taxonomie“), Investorenpflichten zur ­Berücksichtigung der ­Faktoren Umwelt, Soziales und Governance ­sowie Referenzwerte für geringe CO2-Emissionen. ­Zudem tritt ­Anfang 2019 die Richtlinie EbAV II auch national in Kraft, die ­betriebliche Versorgungseinrichtungen ­darauf verpflichtet, Leistungsempfänger darüber zu informieren, ­inwieweit sie ökologische und ­soziale Aspekte bei der Anlage ihres Kapitals berücksichtigen.

Allgemein haben Investoren aber Alternatives, Kosten und ­Nachhaltigkeit nicht nur auf dem Radar. Vielmehr zählen diese ­Themen schon länger zum Tagesgeschäft – und befinden sich nun im fine tuning. Dies zeigte sich in den vergangenen Wochen auf ­verschiedenen ­Investorentreffen, also in der Hochzeit aller ­Konferenzen, Foren und Tagungen. Besuchern dieser Veranstaltungen wurde aber auch ­gewahr, dass bei diesen Themen jede Kapitalsammelstelle versucht, ihren eigenen, passenden Weg zu finden.

Wenn Volatilität kein Risiko ist

Je tiefer die Zinsen und je länger diese beharrlich tief bleiben, desto mehr haben Immobilien, Infrastruktur und Private Debt bei ­Investoren an Beliebtheit gewonnen. Den Trend zu alternativen ­Anlagen macht auch vor Stiftungen nicht Halt. Bei der ­Oberfrankenstiftung sind ein Zehntel der nun über beachtlichen 500 Millionen Euro an Assets under Management vor allem zur Risiko­diversifikation und zur Ausschüttungsoptimierung strategisch in Infrastruktur, ­Managed Futures, Rohstoffe und derivative ­Strategien allokiert. ­Zudem sind je 15 Prozent strategisch in Immobilien und Anleihen angelegt. Der große Rest: Dividendentitel. Wohl dem, der Aktienrisiken eingehen kann – und vor ­allem diese Chance auch nutzt. Zu den mit dieser 60-­prozentigen Aktienallokation einhergehenden Überlegungen äußerte sich Stefan Seewald, ­Geschäftsführer der Oberfrankenstiftung, auf der ­Risikomanagement-Konferenz von ­Union Investment in Mainz. ­„Unser Anlagehorizont ist komfortabel“, so ein Argument pro Aktien. Das zweite Argument, das sich aber auch vom ersten ­ableitet: „Volatilität mag persönlich unangenehm sein, ist für uns aber kein Risiko.“ Ein Risiko sind dagegen Ausfälle bei Anleihen, da qua Gesetz das Stiftungskapital ­zu erhalten ist. Gemanagt werden die Aktien, von denen sich die Stiftung ­einen langfristigen Vermögenszuwachs und Inflationsschutz erwartet, hauptsächlich aktiv in ­einem in einer Master-KVG ­gebündelten Spezialfonds, wobei Schwerpunkte bezüglich der ­Anlageregion ­Europa und Dividenden gesetzt werden. Innerhalb von Europa ­variieren die Schwerpunkte je nach Dividenden­saison in den ein­zelnen Staaten.

Derzeit dürfte die Aktienquote sogar noch etwas höher sein. Mit Blick auf die Wertentwicklung werden Immobilien nämlich zugunsten von Dividendentitel abgebaut. „Strategisch bleibt die Immobilienquote bei 15 Prozent. Derzeit bauen wir diese aber ab, weil die Preise sehr ­attraktiv sind. In der nächsten Krise kaufen wir dann wieder zu“, so Seewald sehr gelassen. Dies provozierte die Frage im mehrheitlich ­genossenschaftlich geprägten Unions-Publikum, warum Immobilien verkauft werden, wenn doch Volatilität keine Rolle spielt. Laut ­Seewald entsprang die Entscheidung zum Immobilienabbau zumindest nicht originär aus der Oberfrankenstiftung. Wie Seewald berichtet, haben Investitionspartner bei Hotel-Investments zum Ausgang ­gedrängt, nachdem sich die Einstiegsbewertung vom zwölffachen Mietertrag zum 21-fachem entwickelt hat. Seewald kann damit jedoch gut leben. „Die Dividendenrenditen von Aktien sind höher als die Mietrenditen. Zum 22-fachen wieder einkaufen möchte ich auf jeden Fall nicht.“ ­Eine weitere Aufstockung von Aktien zu Lasten von Renten und ­Alternatives ist für die Oberfrankenstiftung ebenfalls denkbar. Lieber erhöhe man die Aktienquote, als zu derzeitigen Renditen Schuldscheindarlehen oder Alternatives aufzustocken. „Aktien haben eine mindestens so gute Ausschüttung wie Alternatives. ­Außerdem ist es einfacher, den Gremien Aktien als Rohstoffwetten zu ver­mitteln“, so Seewald.

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