Investoren
20. Dezember 2018

Agenda 2019

Da das Jahr 2018 fast abgelaufen ist, bricht die Zeit der Rück- und ­Aus­blicke an. Auch wir schließen uns mit einem strategischen Ausblick für 2019 an.

Anderen Anlegergruppen steht jedoch der Bilanzierungsdruck höheren Aktienquoten im Weg. Versicherungen und Pensionskassen haben darum den großen Marsch hin zu Alternatives ­angetreten. Schon länger und weiter auf dem Alternatives-Trip sind dänische Altersvorsorge­einrichtungen, um dem Niedrigzinsumfeld zu entkommen. „Mit Government Bonds habe ich eine Asset-Klasse und damit Stabilität ver­loren“, erläuterte Allan Polack, Chief Executive Officer PFA ­Pension und Referent auf der ­Risikomanagementkonferenz von Union Investment. „Low Risk Alternatives mit stabilen Cashflows können helfen, das Portfolio zu stabilisieren.“ Wichtiger Aspekt ist für Polack bei Alternatives, deren Kosten durch den Aufbau von internen Kapazitäten zu senken. „Infrastruktur – für uns Wind- und Solar-Parks – und Credits direkt zu investieren senkt die Kosten. Hierfür braucht es aber internes Fachwissen.“ Nach und nach habe der ­Pensionsfonds für solche Directs ein internes Team aus 20 Mitarbeitern aufgebaut. Die Assets under Management von PFA belaufen sich auf ­umge­rechnet 85 Milliarden Euro. Wie PFA nicht nur in Mainz ­berichtet, ­erfuhren ungelistete Investments seit  2016 einen starken Ausbau. Heute sind neun Milliarden Euro in Immobilien und knapp fünf ­Milliarden Euro in alternativen Anlagen investiert. Mit letzterem verbindet PFA ­mittlerweile auch stark das Thema Offshore-Windparks und damit auch das Thema ökologische Nachhaltigkeit. Im ­dritten Quartal 2018 stand für PFA die Einweihung der Walney ­Extension Offshore Wind Farm auf der Agenda, an der sich PFA beteiligt hat. Im gleichen ­Quartal begab PFA auch ein Mezzanine-­Darlehen über mehr als 270 Millionen Euro für den Offshore-Park Hornsea 1. In Deutschland machte PFA im August auf dem Immobilienmarkt auf sich aufmerksam: Für über eine Milliarde Euro kaufte man Industria ­Wohnen einen kompletten Immobilienspezialfonds ab, den der ­Immobilienmanager 2010 für institutionelle ­Anleger mit einer Ziellaufzeit von zehn Jahren aufgelegt hat und nun ­weitergibt. Die Dänen erwerben durch die Transaktion verteilt auf 15 Standorte 33 Wohnobjekte mit mehr als 3.700 Wohneinheiten sowie ein Gewerbeobjekt.

Auf- und Ausbau interner Expertise

Mit der Pensionskasse für die ­Angestellten der Barmer Ersatzkasse und der Österreichischen Nationalbank bereicherten bei Union zwei weitere Institutionen das Podium, deren Vertreter ebenfalls über den Aufbau interner ­Expertise referierten. Primäre Aufgabe der Österreichischen ­Nationalbank ist zwar Geld­politik. In Form von elf verschiedenen Portfolios verfolgt man in Wien aber auch Risiko- und ­Ertragsziele. Harald Müller, Leitung Strategie und Risiko der Österreichischen Nationalbank, betonte, dass die Strukturen komplex sind und es nicht einfacher werde. „Darum möchte ich mich mit einem Team rüsten. Beispielsweise haben wir einen Atomphysiker und einen Ingenieur von BMW recruitet“, so Müller. Trotz der Heraus­forderungen blickt Müller mit ­einer ­gewissen Vorfreude – oder mit Wiener Schmäh – in die Zukunft: „Ich freue mich auf die kommenden spannenden Jahre.“ Andreas ­Poestges, Vorstandsvorsitzender der Barmer, beschrieb die Evolution der Pensionskasse von einer Allokation mit noch nahezu 100 Prozent Fixed Income in den Jahren bis 2010/2011 hin zu neuen ­Ertragsquellen. Internes Knowhow musste aufgebaut werden, Anlagegrundsätze, ­Ertrags- und Volatilitätsziele festgelegt und mit den Gremien ­abgestimmt werden. Eine wichtige Komponente sei auch der Neue-­Produkte-Prozess gewesen: „Bestehende Kontrollverfahren mussten mit dem Auftreten neuer Anlageinstrumente weiter entwickelt ­werden“, so Poestges. Dies waren die Grundlagen, um in Wuppertal neben Fixed Income weitere Asset-Klassen aufzubauen.

Auch bei der 31. Feri-Tagung lag ein Schwerpunkt auf alternativen ­Anlagen und deren Wandel im Lauf der Zeit beziehungsweise im Lauf der Zinsentwicklung. Rückblickend auf die alte Zinswelt hatten alternative Anlagen zwar schon immer einen vergleichsweise hohen ­Unterhaltungswert, sagt Philipp Kellersmann von der Zusatzversorgungskasse für die Gemeinden und Gemeindeverbände in ­Wiesbaden. „Durch die Zinsentwicklung wurden Real Assets und Alternatives aber in den letzten Jahren zu einer schlichten Notwendigkeit“, so ­Kellersmann, der zur Umsetzung zwei Wege sieht: Entweder man baut auf der bereits bestehenden Immobilienerfahrung auf und arbeitet sich dann zu neuen Immobilienrisiken vor. Oder man beginnt mit Alternatives wie Private Debt oder Infrastruktur, die sich bislang in der Regel kaum in den Portfolios befanden. Welcher Weg sich ­empfiehlt, hänge nicht zuletzt von den zur Verfügung stehenden ­Ressourcen ab. „Die Frage ist, in welche Themen man sich wie tief einarbeiten kann“, konstatiert Philipp Kellersmann.

Apropos Expertise für Private Debt: Hier sind Investoren auf der Lernkurve deutlich weiter ­gekommen. Nachteilig ist für ­Investoren, dass General Partner gern statt Calls lieber Kredite ­abrufen. Dies hebt den IRR, ­wovon Investoren aber nicht ­profitieren, da ihr Geld länger an der Seitenlinie bleibt. ­„Mittlerweile nehmen Investoren in die ­Dokumentierung auf, dass nicht gleich gehebelt wird“, sagt ­Kirsten Bode, Co-Head Pan European ­Private Debt bei Muzinich. „In den Ver­einigten Staaten ist ein ständiger Leverage aber üblich.“

Volle Quoten, leerer Markt

Was für Zusatzversorgungskassen relevant ist, gilt auch für das Lager der berufsständischen Versorgungswerke. Auf der Feri-Veranstaltung erläuterte Peter Hartmann, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV), wie der Verband durch die Einrichtung entsprechender Gremien den Aufbau alternativer Assets bei seinen Schützlingen unterstützt. „In diesen versucht man, Kenntnisse zu vermitteln“, so Hartmann. Nicht zuletzt hänge der Knowhow-Aufbau von der Größe eines Versorgungswerks ab. Je mehr Assets, desto mehr könne Inhouse-Expertise aufgebaut werden. Neue Mitarbeiter müssen aber auch bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Hartmann: „Die Versorgungswerke können Experten einstellen. Die müssen dann aber auch mit der Marktentwicklung Schritt halten. Wer sich mit Immobilien auskennt, muss sich auch mit Immobilienentwicklungen beschäftigen.“ Am Ende laufe es auf einen Mix aus internem und externem Knowhow hinaus. Alternative Anlagen sind aber nicht nur eine Frage des Arbeitsmarkts, sondern auch der Regulierung und natürlich des Kapitalmarkts. ABV-­Hauptgeschäftsführer Peter Hartmann sieht zwei zentrale Probleme: „Die Quoten sind voll und der Markt ist leer. Der Aufwand, attraktive ­Assets zu finden, ist gestiegen.“

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