Investoren
20. Dezember 2018

Agenda 2019

Da das Jahr 2018 fast abgelaufen ist, bricht die Zeit der Rück- und ­Aus­blicke an. Auch wir schließen uns mit einem strategischen Ausblick für 2019 an.

Gerade im aktuellen Marktumfeld müssen diese Assets aber auch ­gemanagt werden. „Buy-and-Hold ist nicht mehr wertsteigernd. Es braucht Value-add-Strategien und Opportunismus“, empfiehlt Frank Dornseifer den Besuchern der Feri-Tagung. Eine regionale ­Empfehlung des Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments: „Opportunitäten bieten sich beispielsweise in Asien.“ Der ­Prüfungsaufwand wird bei einer Opportunitätensuche in Asien ­allerdings nicht unbedingt geringer. Ein kritischer Punkt ist für ­Dornseifer der stetig wachsende Berg an Dry Powder, also die ­zunehmenden ­finanziellen Mittel der Fonds, die ihres Verwendungszwecks harren. Als Indikation, um abschätzen zu können, ob der ­jeweilige General Partner das Geld auch zum Arbeiten bringen kann, empfiehlt der BAI-Geschäftsführer einen Blick auf den ­Ausfinanzierungsgrad der Vorgängerfonds zu werfen. „Es ist ein ­Qualitätszeichen, wenn es ­gelingt, Geld lukrativ innerhalb des ­versprochenen Zeitrahmens zu investieren“, assistiert Boris Schran von Peakside Capital, einem ­Spezialisten für Immobilien-­Developments. Auch für Schran bieten sich Opportunitäten. „Wenn man spezialisiert ist, finden sich Investitionsmöglichkeiten.“ Für ­spezialisierte Anlagestrategien sind aber die Aufnahmekapazitäten beschränkt. Boris Schran nennt als Limit für einen Peakside-Fonds 250 Millionen Euro. Schließlich muss das ­Volumen zur Strategie ­passen. Damit sollen sich dann per annum 15 bis 20 Prozent ­erwirtschaften lassen. Definitiv sehen Investoren als Gefahr, dass – siehe Dry Powder – Anbieter geschlossener Fonds die Gunst der ­Stunde nutzen und sich nun mit erhöhten Volumina über Jahre ­hinweg hohe Management Fees sichern. Aus Sicht der General ­Manager ist es jedoch rational, sich vorsichtshalber jetzt möglichst lange hohe Einnahmen zu sichern. Erfahrungen mit einer Krise ­haben die meisten Anbieter nämlich noch nicht gemacht. Für Limited Partner muss dies ein Grund mehr sein, vorsichtig zu sein.

Doch je mehr Dry Powder im Markt, desto mehr Sourcing- und ­Prüfungsaufwand. Dies ist ein ­Argument für externe Partner. Denn Kostenquoten durch Internalisierungen zu senken ist das Eine. Zielführender ist für den Anlagezweck allerdings, auf die Rendite nach Kosten zu achten. Aber für jede Externalisierung muss für das Risikomanagement und die Aufsicht auch internes Know-how aufgebaut werden. Für die Bafin gilt der Grundsatz der ­unternehmerischen Vorsicht. Versicherungen schreibt die Bafin ins Pflichtenheft, dass dem Prudent Person Principle zufolge Versicherer „lediglich in Vermögenswerte und Instrumente investieren dürfen, deren Risiken das ­betreffende Unternehmen angemessen erkennen, messen, überwachen, managen, steuern und berichten sowie bei der Beurteilung seines Gesamtsolvabilitätsbedarfs angemessen ­berücksichtigen kann“. Frank Dornseifer warnt darum: „Man kann sich als Investor nicht hinstellen und sagen, dass man für ein Thema einen Asset Manager mandatiert hat.“ Externe Kosten ziehen also – selbst bei Dachfonds – interne Kosten nach sich. Am Ende muss die ­Relation stimmen. Realistischerweise können Investoren auch nicht für jedes Spezialthema ­Expertise aufbauen. Wie schon Philipp ­Kellersmann ­anmerkte: „Die Frage ist, in welche Themen man sich wie tief ein­arbeiten kann.“

Einen sehr hohen Anteil illiquider Assets hält die gewerbliche – und damit nicht steuerbefreite – RAG-Stiftung. Von dem nicht in die ­Evonik AG investierten sieben Milliarden Euro sind 26 Prozent in ­Private Equity und 16 Prozent in Immobilien angelegt. Dabei ­investiert die Stiftung nicht nur über Beteiligungsfonds, sondern auch direkt in ­Mittelständler. Insbesondere mit Blick auf diese anspruchsvolle ­Allokation und Strategie ist die Stiftung mit drei Mitarbeitern sehr schlank aufgestellt. „Wir haben für uns im Jahr 2013 analysiert, stärker in ­illiquide Assets zu gehen“, erklärte Eberhard Vetter, ­Geschäftsführer der RAG-Stiftung, auf dem Faros Institutional Investors Forum. ­„Davon haben wir extrem profitiert.“ Auch künftig will man in Essen weiter in illiquide Assets investieren – aber nicht blauäugig. Vetter ­betonte auf der Faros-Consulting-Veranstaltung die Bedeutung von ­Diversifikation und erwähnte Tail-Risk-Maßnahmen. Ans Herz der anderen Investoren legte Eberhard Vetter aber eine besondere ­Krisenprävention: „Wir haben in allen Asset-Klassen liquide Schichten aufgebaut. Wenn es rumst, braucht es Handlungsfähigkeit. ­Hierauf zu achten, kann ich auch anderen Anlegern empfehlen.“ Die ­Finanzkrise von 2008, als nur noch Bundesanleihen, Treasurys und Blue Chips fungibel waren, ist also zumindest in Essen noch nicht in Vergessenheit geraten. Für Illiquiditätsrisiken sensibilisierte übrigens auch Jens Wilhelm, der bei Union Investment für ­Portfoliomanagement, Immobilien und Infrastruktur verantwortlich zeichnet, die ­Teilnehmer der Risikomanagementkonferenz in Mainz: „In Stresssituationen wird ­Liquidität ein Thema“, so Wilhelm, der darin ein „großes Thema für 2019“ sieht. Speziell bei Anleihen werde Liquidität eine immer ­größere Rolle spielen, was Wilhelm mit dem auslaufenden ­Aufkauf-Programm der EZB begründet. In diesen Tagen waren aber auch Stimmen zu vernehmen, dass die baldige Aufnahme von ­chinesischen Staatsanleihen in globale Rentenindizes für ­Verspannungen auf dem Staatsanleihenmarkt sorgen könnte. Denn passive und ­aktive Fonds müssen nun mit Blick auf ihre Benchmarks Geld in chinesische Staatsanleihen von ­Anleihen umschichten, die durch die Aufnahme des neuen Schwer­gewichts an Bedeutung ­verlieren. Dies sind speziell für Italien keine guten Aussichten.

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