Investoren
20. Dezember 2018

Agenda 2019

Da das Jahr 2018 fast abgelaufen ist, bricht die Zeit der Rück- und ­Aus­blicke an. Auch wir schließen uns mit einem strategischen Ausblick für 2019 an.

Für die Zukunft empfiehlt sich also, für die Umsetzung von ­alternativen Assets zu berücksichtigen, dass Illiquiditätsprämien auch ­Risiken ­haben. Doch wo geht die Zukunft von alternativen Assets ­generell hin? Manifestiert sich diese vor allem in immer höheren Quoten oder in immer spezielleren Segmenten? Beides ist ­wahrscheinlich. Wenn sich das eine oder andere Family Office zur ­Weiterentwicklung von ­Compliance und Risikomanagement am ­institutionellen, regulierten Lager orientiert, so interessiert sich aber auch der eine oder andere ­institutionelle Investor für Assets, die ­typischerweise eher für Family Offices Relevanz haben. Ein Beispiel: Die Do Investment AG, hinter der die Familie Silvius Dornier steht, investiert für Family Offices, ­Privatpersonen und Stiftungen unter anderem über Fonds in ­Agrarland in Rumänien und Uruguay. Ziel ist neben Werterhalt eine durchschnittliche Rendite im Bereich von sieben bis neun Prozent aus Pachteinnahmen und Bodenwertsteigerungen. „Für diese Themen sind wir nun auch in Gesprächen mit Versicherungen und Pensionskassen. Dafür arbeiten wir an deckungsstockfähigen Vehikeln“, erklärt Dr. Dirk Rüttgers. Nicht ausgeschlossen ist für die Zukunft von ­alternativen Anlagen aber auch ein Quotenrückgang. „Was alles ändern könnte ­wären steigende Zinsen“, so Peter Hartmann vom ABV. Von einem Abbau wären aber zunächst nur liquide Alternatives betroffen.

Management Expense Ratio: 0,06 Prozent

Das Kostenthema war im Vergleich zu vergangenen Jahren ­abgeschwächt, aber immer noch gut vernehmbar auf der diesjährigen Veranstaltungssaison. Ein besonders großer Fürsprecher referierte mit dem schwedischen Pensionsfonds Alecta bei Lupus alpha. Alecta hat etwa 40 Prozent seiner 85 Milliarden Euro in Aktien von circa 100 Unternehmen investiert. Manche Titel halte die Pensionseinrichtung laut CEO Magnus Billing seit 42 (!) Jahren. Ein Hauptziel von Billing lautet Kosteneffizienz. Den langen Anlagehorizont konsequent durch ein kostengünstiges Buy and Maintain im Direktbestand nutzend, ernten die Polarkreis-Schwaben die Aktienrisikoprämie also sehr ­effizient. Alecta rechnet auf seiner Homepage vor, dass eine Gebühr von einem Prozent, über ein Arbeitsleben verteilt, das Kapital des Rentners um 25 Prozent reduziere. Bei drei Prozent schmälere es sich um die Hälfte. Die Management Expense Ratio lag in 2017 und 2016 bei lediglich 0,06 Prozent. Trotz dieses niedrigen Werts kann sich ­allerdings nicht jeder Consultant für den Sparansatz von Alecta ­begeistern. „Nur um die niedrigste TER zu wetteifern und darum nur noch passiv zu investieren und Alternatives außen vor zu lassen ist nicht zielführend. Die sinnvollere Kennzahl ist der Ertrag nach ­Kosten“, so ein Berater, der nicht namentlich zitiert werden möchte.

Besonders stark ist die Kostensituation bei Versicherungen ­ausgeprägt. Diese betrifft jedoch nicht nur die Kapitalanlage. Christian Subbe von der Frankfurter Lebensversicherung beschreibt bei Faros den zu ­Fosun gehörenden Konsolidierungsspezialisten als „Plattform für schlanke Verwaltung“, mit der man auf der Anlageseite, bei ­Verwaltung und bei der IT, Effizienzvorteile generieren wolle. „Als neu ­aufgebaute Plattform nutzen wir alle verfügbaren neuen Technologien und ­mussten nichts umstellen.“ Dies kann bei Versicherungen anders aussehen. Für Dr. Thomas Mann von der Talanx hat das ­Geschäftsmodell von Konsolidierungs- oder Run-off-Plattformen an dieser Stelle ­Vorteile: „Veränderungsfähigkeit bezüglich IT, ­Strukturen und ­Prozesse ist ­Lebensversicherungen weniger gegeben als den ­neuen ­Plattformen.“ Typischerweise seien bei Versicherungen neue ­Tarifgenerationen aufgebaut worden, ohne die IT mitgenommen zu haben. Mit über 100 Milliarden Euro an Assets under Management bieten sich aber zumindest für die Talanx größenbedingt Effizienz­vorteile. Einen größeren Teil dieser Gelder würde Thomas Mann gern in Immobilien und Infrastruktur investieren. „Das Angebot ist aber sehr knapp. Es ist sehr schwer, an rentierliche Ware zu kommen.“

Intensiv diskutierte die Investorenrunde bei Faros neben Allokations- und Effizienzthemen aber auch, dem Zeitgeist Tribut zollend, das ­große Feld der nachhaltigen Anlagen. Von diesen geben sich die ­Referenten überzeugt, sehen in deren Umsetzung aber eine ­Herausforderung. „Ich persönlich bin ein extremer Nachhaltigkeits-Befürworter“, sagt Eberhard Vetter. Allein über die Private-Equity-Fonds sei man jedoch in tausende von Unternehmen investiert. ­ESG-Kontrollen fallen also schwer. Carsten Velten, Vorstandsmitglied aller deutschen Vorsorgeeinrichtungen der Deutschen Telekom, teilt mit, dass die hauseigene ESG-Strategie Ausschlüsse und Best-in-Class-­Ansätze enthalte. Das Thema sei aber gerade bei passiven Fonds und Treasuries schwierig. Velten: „Ganz weiß geht nicht. Wir arbeiten aber an einem hellen Grau.“ Dr. Thomas Mann verweist darauf, dass man auch das versicherungstechnische Geschäft der Talanx ­berücksichtigen muss. „Jemand Versicherungsschutz zu offerieren, aber nicht dessen Assets zu kaufen, ist schwierig.“

Entwicklungsaufgabe: die 17 Sustainable Development Goals

Auf einer Nachhaltigkeitskonferenz von Imug Rating drehte sich alles um die 17 Sustainable Development Goals. Diese machen Nachhaltigkeit konkreter. Anna Cavazzini von Brot für die Welt sieht in den SDGs „einen riesigen Fortschritt. Die 17 Entwicklungsziele sind stark und einzigartig, weil sie interdependent sind.“ In der Anwendung ­bestehe jedoch die Gefahr, dass im Falle einer Rosinenpickerei ­Zielkonflikte entstehen. Seit dem Beschluss des 2-Grad-Ziels in Paris kann eine Gefahr darin liegen, dass sich Unternehmen zu stark auf den Klimawandel – Goal 13: Climate Action – fokussieren und damit anderen Zielen schaden. Betroffen können beispielsweise die Menschenrechte beim Bau von Staudämmen oder bei der Gewinnung von Kobalt für Batterien sein. Cavazzini: „Es ist schwierig, alle Ziele zu erfüllen. Aber zumindest sollte man die anderen Ziele nicht verletzen.“

Ebenfalls schwierig, so Dr. Saskia Juretzek von der Allianz, ist die ­Impact-Messung, insbesondere im Falle negativer Wirkungen und bei ungelisteten Assets. „Wir sind noch in einer völligen Testphase.“ Auch die Nachhaltigkeitsexpertin betont, dass die 17 Goals ­gesamtheitlich betrachtet werden müssen. „Für den ersten Schritt empfiehlt es sich aber dort anzufangen, wo die Wirkung am stärksten ist.“ Alle 17 ­Sustainable Development Goals auf einmal umzusetzen dürfte für Praktiker auch kaum realistisch sein. Nichts zu machen wird aber ­keine Alternative sein. Das Jahr 2019 wird aber auch auf anderen ­Gebieten große ­Anstrengungen ­erfordern.

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