Strategien
3. Januar 2018

Aktien-Exposure auf dem direkten Weg

Dax-Werte liegen überwiegend in ausländischen Händen. Noch mehr gilt dies für Nebenwerte. Nur wenige deutsche Investoren profitieren von Direktinvestments in den deutschen Mittelstand. Interessant sind insbesondere Immobilien- und Beteiligungsaktien aber auch Anteilsscheine von Asset Managern.

Kennen Sie den im Schärenmeer zwischen Schweden und Finnland gelegenen Archipel Åland? Wahrscheinlich nicht. Falls doch, arbeiten Sie wahrscheinlich in Herzogenaurach in der Investor-Relations-Abteilung der Schaeffler AG. Die Bank of Åland hält nämlich exakt ­eine Million Aktien oder 0,6 Prozent des Automobil- und Industriezulieferers und gehört damit zu dessen größten Aktionären. Dies zeigt einmal, dass der Ruf des deutschen Mittelstands auch an fernen Gestaden noch einen guten Klang hat. Dies zeigt aber auch, dass für viele ausländische Investoren der direkte Weg in Aktien, also ohne Asset Manager, der effizienteste ist.
Die Bank aus Åland ist nicht der einzige ausländische Investor, der in den Nebenwerten-Indizes im Kreis der größten 20 Aktionäre auftaucht. Laut Daten von Bloomberg sind es Ende November insgesamt im M-Dax 164, im Tec-Dax 80 und im S-Dax 122 ausländische Banken, Lebensversicherungen und Pensionsfonds/Staatsfonds, die namentlich unter den größten 20 Aktionären aufgeführt sind. Die drei ­Indizes enthalten zusammen 130 Werte. Insgesamt summieren sich die Banken und die großen angelsächsischen Lebensversicherungen, von denen nur Institute ohne größere, für Dritte tätige Asset-Management-Einheiten gezählt wurden, auf 50 beziehungsweise auf 98. Bei den Pensions- und Staatsfonds sind es 218, die direkt in den gelisteten deutschen Mittelstand investiert sind. Der norwegische Ölfonds ist, wie der Asset Manager Blackrock, bei fast jedem M-Dax-Unternehmen und bei den meisten Tec- und S-Dax-Unternehmen im Aktionariat vertreten und hält meist ein bis drei Prozent der Anteilsscheine.
Bei Brenntag sind die Norweger mit sechs Prozent sogar der größte Aktionär. Short-Positionen sind in dieser Aufstellung nicht enthalten. Leerverkäufe werden aber nicht nur von Hedgefonds getätigt, sondern auch von amerikanischen Pensionsfonds. Ende 2015 haben sich in den drei Indizes 28 Hedgefonds 52-mal short positioniert. Unter den Finanzinvestoren shortete beispielsweise der Canadian Pension Plan eine größere Portion der Anteilsscheine des Tec-Dax-Unternehmens Wirecard und des M-Dax-Werts Südzucker. Bei diesem Pen­sionsfonds sticht auch ins Auge, dass er seine Aktienquote seit dem Jahr 2000 von fünf auf nun 55 Prozent erhöhte. 
Ausländische Direktinvestitionen
Weitere im Aktionariat vertretene europäische Pensionsfonds stammen ebenfalls aus Skandinavien: Alecta Pensionsförsäkring aus Schweden hält im M-Dax je drei Prozent an Dürr und Gea, was ­zusammen ein Investment von etwa 350 Millionen Euro ergibt. Die Assets under Management von Alecta belaufen sich auf umgerechnet 78 Milliarden Euro. Die Anlagestrategie des Pensionsfonds beinhaltet, alle Assets aktiv und direkt zu managen. Research wird intern vorgehalten. Alecta betont aber auch generell, dass man „kostenbewusst wie nur wenige andere sei“. Auch AMF hat das Ziel Pensionslösungen anzubieten, die hohe Returns bei niedrigen Kosten bieten. Darum hat auch dieser kostenbewusste schwedische Pensionsfonds ein direktes Exposure zu Metro und Ceconomy im M-Dax sowie zu SAF Holland im S-Dax im Wert von insgesamt etwa 80 Millionen Euro aufgebaut. AMFs Assets under Management: umgerechnet 60 Milliarden Euro. 
Belgische Investoren hat mit einem staatlichen Pensionsfonds und der Federale Assurance im S-Dax der Gewerbeimmobilienspezialist Hamborner Reit, deren Aktionäre eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent genießen. Niederländische Rentner halten über das Engagement des Pensionsfondsdienstleisters APG je etwa drei Prozent an Symrise und Dt. Wohnen sowie fünf Prozent an Gerresheimer. Insgesamt beträgt dieses Exposure knapp 800 Millionen Euro. APG ­managt insgesamt 440 Milliarden Euro. Eine finnische Sparkasse zählt mit Säästöpankki RIB Software zu ihren Eignern. Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich Finanzinvestoren im Tec-Dax eher rar ­machen.
In diesem Segment liegen oft immer noch große Portionen bei den Unternehmensgründern. Weiterer Exot ist der Alaska ­Permanent Fund. Neben SAP und Bayer ist der Fonds, der wie der norwegische Staatsfonds die Erträge aus der Ölförderung für die ­Bürger anlegt, direkt in Delivery Hero und Südzucker investiert. Nach eigenen Angaben ist der Fonds sogar noch in viele weitere deutsche Unternehmen investiert, die zu klein für den S-Dax sind. Der Performance tat dies keinen Abbruch – im Gegenteil. Die weniger als 50 Mitarbeiter erwirtschafteten über die vergangenen fünf Jahre im Schnitt neun Prozent. Die Hälfte der 62 Milliarden Dollar des Fonds sind in Aktien investiert. 50 Angestellte in Juneau/Alaska kommen eben günstiger, als 31 Milliarden Dollar in den mit einer Total Expense Ratio von 20 Basispunkten pro Jahr nicht besonders teuren I-Shares Core MSCI World Ucits ETF zu investieren. Hinzu kommen beim Permanent Fund fast acht Milliarden Dollar in Private Equity.
Sein Risiko reduziert hat dagegen der Ontario Teachers´ Pension Plan. Ende 2015 tauchten die Kanadier mehr als 15-mal in den drei ­Indizes, davon siebenmal im S-Dax, auf – nun kein einziges Mal. Dies zeigt zumindest, dass es auch in Nebenwerten für große Investoren ausreichend Liquidität gibt. Im S-Dax liegen die ­Marktkapitalisierungen zwischen 6,7 Milliarden Euro bei Delivery Hero und 400 Millionen Euro bei Gerry Weber.
Die Lehrer fahren drei Aktienprogramme. Einmal per renditestarke Asset Manager mit lokaler Expertise. Zweitens direkt mittels einer Bottom-up-Analyse ermittelten Aktien. Drittens mit einem Ansatz, bei dem der Lehrerpensionsfonds zwischen einem Aktionär und einem Limited Partner zu verorten ist: Beim Relationship Investing beteiligt sich der Pensionsfonds strategisch mit zwischen zwei und 30 Prozent an Unternehmen weltweit und arbeitet mit diesen gemeinsam daran, Werte aufzubauen. Allein für das Relationship Investing beschäftigt der Fonds 15 Mitarbeiter. 
Sun Life dominiert Symrise, Deutsche Wohnen, Gea und TAG 
Des Weiteren finden sich im Aktionariat der deutschen Nebenwerte noch einige Lebensversicherungen, insbesondere aus Skandinavien und aus Amerika. Besonders häufig vertreten sind die kanadische Sun Life und Massachusetts Mutual aus den USA. Sun Life ist bei Symrise und Deutsche Wohnen mit 10,6 beziehungsweise 8,4 ­Prozent der Anteilsscheine der größte Aktionär, bei Gea und TAG mit acht Prozent beziehungsweise zwölf Prozent der zweitgrößte. Von seinem bislang großen Engagement bei Brenntag hat sich Sun Life dagegen getrennt. Die vier erstgenannten Investments kommen aber immer noch auf einen Börsenwert von knapp drei Milliarden Euro!
Die ­Massachusetts Mutual legt dagegen mehr Wert auf Diversifikation. Im Top-20-Aktionärskreis der Nebenwerte taucht man zwölfmal im M-Dax, gleich 15-mal im Tec-Dax und zehnmal im S-Dax auf. Bei den Banken fällt das große Interesse der Bank of Montreal am deutschen Mittelstand auf. Das altehrwürdige Institut kann für sich damit werben, seit 1829 ununterbrochen eine Dividende an seine Aktionäre auszuzahlen und damit die längste Dividendenhistorie in Kanada aufzuweisen. Damit dies so bleibt, ist die Bank of Montreal fünfmal im M-Dax und sechsmal im S-Dax in größerem Rahmen investiert. 
Interessant ist auch die umgekehrte Perspektive: Welches Unter­nehmen zählt in seinem Top-20-Aktionärskreis die meisten institu­tionellen Anleger? Auf je sieben kommen Gea und Symrise. Beim Spezialisten für Abfüllungs- und Verpackungssysteme sind es der Staatsfonds aus Kuwait – der mit neun Prozent der Anteile auch der größte Investor ist – Sun Life, Alecta, der norwegische Ölfonds, das britische Finanz- und Versicherungsunternehmen Prudential sowie zwei Pensionsfonds aus Kalifornien und Japan. Beim Spezialisten für Duftstoffe sind es die bereits erwähnte Sun Life sowie APG, der norwegische Ölfonds, Massachusetts Mutual, die Royal Bank of ­Canada, die Prudential und der Pensionsfonds Kaliforniens.
Ein Blick auf die Asset Manager 
Und noch ein Blick auf die Asset Manager: Neben den selbstredend häufig vertretenen Häusern Blackrock, Union Investment, Deka, ­Allianz GI und den Asset Managern der Deutschen Bank finden sich aus dem Lager der kleineren Asset Manager häufig Flossbach von Storch, Lupus Alpha, DJE und Monega sowie die britische Montanaro und die belgische Degroof Petercam. Immerhin sechsmal, nach völliger Absenz vor zwei Jahren, taucht La Financière de l’Echiquier, LFDE, in den Aktionärskreisen auf. „Wir haben im deutschen Mittelstand mit unserem Bottom-up-Ansatz sehr interessante Investitionsmöglichkeiten gefunden, haben Positionen verstärkt oder sind neue Positionen eingegangen“, so Markus Alefelder von LFDE. „In unseren dezidierten Small-, Mid- und Micro-Cap-Fonds ist der Deutschland-Anteil seit Jahresanfang um etwa vier Prozentpunkte ­gestiegen.“ Fast so oft wie Blackrock ist Dimensional aufgeführt. Das US-Haus, hinter dem der Finanzforscher Kenneth French steht, konzentriert sich auf die Faktorprämien Size und Value und hat darum zwangsläufig ein großes Exposure zu den deutschen Nebenwerten.
Deutsche Investoren in deutschen Aktien 
Allerspätestens jetzt stellt sich die Frage, warum französische Small-Cap-Fonds, Pensionsfonds aus Alaska sowie Kreditinstitute aus Finnland und vom Archipel Åland mit größeren Geldern den deutschen Mittelstand direkt finanzieren, deutsche institutionelle Investoren aber fast nicht und lieber in italienische Staatsanleihen investieren? Mögliche Hemmnisse: deutsche Kapitalsammelstellen sind im ­internationalen Vergleich nicht die größten, die Bilanzorientierung mitsamt Stichtags-Fokussierung ist stark ausgeprägt, die Aktienquoten sind historisch und notorisch niedrig und das Peer-Group-Risiko dürfte auch eine Rolle spielen. Außerdem stecken die meisten Investoren immer noch in einem Internationalisierungsprozess, auch wenn Herwig Kinzler von Mercer bereits vor fünf Jahren feststellte, dass die Asset-Klasse „Deutsche Aktien“ ausgestorben ist.
Möglichkeiten, den Aktienstress zu lindern, bestehen bei Direktinvestments in stillen Reserven, gemischten Spezialfonds und fallweise in Absicherungen. Beispiele für – auch sehr erfolgreich – gemanagte Direktbestände gibt es auch bei deutschen Anlegern. Der schnelle und effiziente Zugang zu Immobilien- und Private-Equity-Portfolios über entsprechende Holdings, die Mitspracherechte als Aktionär, Fee-­Einsparungen, vergleichsweise einfache Bewertungen und relativ planbare Dividendenerträge sprechen für Directs. 
„Wir können weltweit und direkt anlegen und haben die Expertise für alternative Anlagen“, kommentiert Allianz-Vorstand Volker Priebe in der FAZ die hauseigene Bekanntgabe, die Verzinsung stabil halten zu können. Aber nicht nur Versicherungskonzerne investieren direkt. Ein größeres Aktienportfolio hält beispielsweise die Baden-Württembergische Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte. Ende 2016 hatte das Versorgungswerk seine Aktienquote auf 28,4 Prozent erhöht. Eine größere Quote entfällt dabei auf Direktinvestments. Einen größeren Anteil des Software-Unternehmens GFT entfiel zumindest früher auf die Ärzte in Baden-Württemberg. Dass GFT – einst auch im Neuen Markt notiert – im laufenden Jahr über 40 Prozent an Wert verlor, wird das Versorgungswerk nicht allzu sehr grämen. Als die Tübinger im Juni 2008 erstmals im GFT-Aktionärskreis kostete die Aktie 2,53 Euro. Im Top, als das Versorgungswerk ­seine Anteile reduzierte, waren es Ende 2015 30 Euro.
Ein ähnliches Portfolio, wenn auch an ein paar Stellen etwas konzentrierter, fährt die Kreissparkasse Biberach, deren Bilanzsumme etwa fünf Milliarden Euro aufweist. Im Geschäftsbericht 2016 ist notiert: „In den bilanzierten Aktivwerten, insbesondere im Wertpapiervermögen, waren stille Reserven in erheblichem Umfang enthalten.“ Jeweils 15 Prozent hielten die Oberschwaben Ende 2016 an der im S-Dax gelisteten Biotest sowie an der Simona AG, tätig auf dem Gebiet der thermoplastischen Kunststoff-Halbzeuge. Knapp neun Prozent betrug der Anteil an der VIB Vermögen, deren Aktienkurs seit 2009 stetig zulegt. Die VIB ist eine mittelständische Immobilienholding, die gewerbliche Immobilien entwickelt, erwirbt und verwaltet. 4,1 Prozent der VIB entfallen auf die VR Bank Neuburg-Rain.
Aktien mit Immobilienfokus 
Eine Immobilienfokussierung bei direkt gehaltenen Aktien lässt sich bei einigen Investoren erkennen – insbesondere bei der ebenfalls in Baden-Württemberg ansässigen Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder, VBL. Die VBL hält 6,5 Prozent an der auf Immobilien­finanzierung spezialisierten Aareal Bank, in der der VBL-Präsident Richard Peters im Aufsichtsrat sitzt. Deutlich höher geschraubt wurde das Engagement bei TAG Immobilien. Hielt man Ende 2015 noch 13 Millionen Aktien beziehungsweise zehn Prozent an der TAG, sind es nun 23 Millionen Anteilsscheine beziehungsweise 15,7 Prozent. Ebenfalls aufgestockt hat in diesem Zeitraum Sun Life, und zwar von 9,6 auf 11,9 Prozent. Auf der Verkäuferseite war dagegen der Asset ­Manager Flossbach von Storch, der seinen Anteil von knapp 13 auf knapp fünf Prozent reduzierte. Zu dieser Immobilienorientierung der VBL passt, dass die nach eigenen Angaben größte deutsche Zusatzversorgungskasse des öffentlichen Dienstes seit über 50 Jahren deutschlandweit Wohnungen und Gewerbeflächen vermietet. 
Einen deutlichen Immobilienfokus hat auch die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe. Das Münsteraner Versorgungswerk hat 1999 seine ersten Positionen in Deutsche-Wohnen-Aktien aufgebaut und kann heute auf eine interne Verzinsung von knapp 18 Prozent pro Jahr ­zurückblicken. „Dieses Investment hat sich also sehr bewährt“, so Hauptgeschäftsführer Christian Mosel im Interview mit portfolio institutionell. „Die Logik hinter diesem Engagement war, dass Wohnungsbau in Deutschland attraktiv ist. Aber statt selbst zu bauen oder Wohnblocks zu kaufen und zu verwalten, ist natürlich die administrativ effektivste Abbildung, sich an einem der führenden deutschen Wohnungskonzerne zu beteiligen“, so Mosel. Als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des Konzerns amtiert Mosels Vorgänger Dr. Andreas Kretschmer.
Einen vergleichbaren Weg wie die VBL und das Ärzte-Versorgungswerk ging jüngst das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein. Dieses zeichnete ­eine Kapitalerhöhung an der Fortis Real Estate Investment GmbH, einem auf Berliner und Potsdamer Wohnimmobilien spezialisierten Projektentwickler. Fortis-Geschäftsführer Mark Heydenreich teilte mit: „Uns ermöglicht diese Partnerschaft aufgrund der Kapitalstärke einen besseren Zugang zum Portfoliomarkt.“ Dies dürfte nicht zuletzt auch das Kalkül des Zahnärzte-Versorgungswerks sein, dessen Assets sich Ende 2016 auf 771 Millionen Euro beliefen. 
Aktien mit Beteiligungsfokus
Besonders zügig hat die 17 Milliarden Euro schwere RAG-Stiftung ihr Portfolio an Aktien mit Immobilienfokus aufgebaut. Betrug der Anteil an Hamborner Reit vor zwei Jahren knapp zehn sind es heute knapp 12,5 Prozent, bei DIC Asset stieg der Anteil sogar von knapp fünf auf zehn Prozent. Mitte des Jahres überstieg die RAG-Stiftung bei der dividendenstarken TLG Immobilien die Meldeschwelle von drei Prozent. Die RAG-Stiftung hat sich aber neben diesen Werten, die durch den Anteil an der Vivawest GmbH komplettiert werden, und dem Mehrheitsanteil an Evonik noch an einigen Mittelständlern beteiligt. Über 13 Prozent sind es an der im S-Dax gelisteten Zooplus AG, die mittlerweile von der Beteiligungsgesellschaft Maxburg Capital Partners gehalten werden.
Mitte 2017 teilte die Stiftung mit, dass Maxburg für die Stiftung nun ein Fondsvermögen von insgesamt 600 Millionen Euro verwalte. „Nachdem Maxburg seit Gründung Anfang 2014 fünf Investitionen mit überaus erfreulicher Wertentwicklung ­tätigen konnte, wird die exklusive Partnerschaft zwischen der RAG-Stiftung und Maxburg ausgebaut. Es stehen somit auch für die ­kommenden Jahre ausreichend Mittel zur Verfügung, um den deutschsprachigen Mittelstand mit flexiblem und langfristigem Kapital erfolgreich zu begleiten“, teilte die Stiftung mit. Zudem besteht die hauseigene RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH. Die Beteiligungsgesellschaft war im April 2014 mit dem Ziel gegründet worden, qualifizierte Minder- oder Mehrheitsbeteiligungen an spezialisierten, mittelständischen Maschinenbau-, Automatisierungs- sowie Industrie­dienstleistungsunternehmen im Auftrag der Stiftung zu erwerben und damit auch deren Kapitalanlageportfolio zu erweitern.  
Ebenfalls einen starken mittelständisch geprägten Private-Equity-Fokus hat die Versicherungskammer Bayern (VKB), die ein Fünftel oder einen Marktwert von 300 Millionen Euro an der gelisteten Indus Holding in ihrem Anlagevermögen hält. Von Vorteil ist, dass für ­diesen Private-Equity-Zugang für einen Solvency-II-Anleger „nur“ eine Eigenmittelunterlegung von 39 und nicht von 49 Prozent fällig wird. Außerdem ist der Einfluss der Versicherungskammer sehr hoch: VKB-Finanzvorstand Helmut Späth ist Aufsichtsratsvorsitzender von Indus. Indus konzentriert sich nach eigenen Angaben als Beteiligungsunternehmen auf den Erwerb von leistungsstarken, mittelständischen Unternehmen. Für mittelständische Buyouts sprechen allgemein, dass diese immer noch als attraktives Private-Equity-­Segment gilt. Small Buyouts und Growth wurden im aktuellen Coller-Private-Equity-Barometer von Investoren fast einhellig als (sehr) attraktiv bezeichnet.
Interessanterweise sind es laut dem Stimmungsbarometer mittlerweile 31 Prozent der 110 weltweit befragten LPs, die direkt, also ohne GP, in private Unternehmen investieren. Allerdings stagniert die Zahl der direkt investierenden Limited Partner, was auch an den kontinuierlich steigenden Co-Investments liegen dürfte. 55 Prozent der LPs haben entsprechende Programme. 2006 waren es 26 Prozent. Diese kombinieren die Vorteile von Direktinvestments wie Kosten, Investitionsgeschwindigkeit oder Knowledge-Aufbau mit der Expertise von Managern. Repräsentativ für den hiesigen Markt sind diese Statistiken aber eher nicht. „In Deutschland machen ­meiner Ansicht nach deutlich weniger als zehn Prozent der institutionellen Investoren Direkt-Investments“, sagt Berater Detlef Mackewicz. „Wir befinden uns aktuell immer noch in einer Phase, in der viele ­Investoren sich langsam von Dachfonds abwenden und langsam ein Portfolio bestehend aus Einzelfonds aufbauen.“ 
Aber auch mit Einzelfonds bleiben die Kosten für Private Equity immer noch hoch. Eine mögliche Alternative zu teuren Fonds und komplexen Directs in Mittelständler: der Kauf von Aktien von gelisteten GPs. US-Branchengrößen wie Blackstone, Carlyle, KKR, Apollo oder die Schweizer Partners Group sind längst keine reinen Private-Equity-Gesellschaften mehr, sondern offerieren auch Infrastruktur, Immobilien sowie Private Debt und damit ein vertriebsorientiertes – wie es Apollo ausdrückt – One-Stop-Shopping. „Als angenehmer ­Nebeneffekt ergeben sich auch Skaleneffekte, was die durch die Regulierungsbehörden auferlegten Pflichten erforderlich gewordenen steigenden Mitarbeiterzahlen für Administration/Finanzen und Compliance betrifft“, so Detlef Mackewicz in einer aktuellen Studie zur Zukunft von Private Equity. Der Vorteil dieser Aktien liegt nicht nur im unkomplizierten Zugang zu alternativen Portfolios, sondern insbesondere zu der hohe Dividendenausschüttungen sichernde ­milliardenschwere Masse an „Fee Generating Assets under Management“.
Diese können interessanter als die teuren Fonds dieser Gesellschaften sein. Für 2018 liegen die KGVs der Aktien der US-Häuser nur zwischen acht und zehn und die Dividendenrenditen zwischen vier und acht Prozent. Zwar bevorzugen die von Coller befragten LPs Spezialisten gegenüber Multi-Product-Plattformen. Solange aber der Alternatives-Trend anhält, wird auch der Trend zu bekannten Marken anhalten. Abzuwägen sind diese Aspekte mit den bilanziellen Nachteilen von Aktien zu geschlossenen Fonds sowie mit FX-Risiken.
Fondsmanager-Aktien statt Aktien-Fondsmanagement
Die gleiche Überlegung bei liquiden Wertpapieren wäre, die Aktien von Asset Managern mit deren Aktienfonds zu vergleichen. Trotz ­passiven Investments und Disruptions durch Robo Advisors spricht für gelistete Asset Manager, dass Vermögen schneller steigen als ­Bruttosozialprodukt und Löhne; dass sich für Banken Beratung nur lohnt, wenn man Kunden in möglichst teure Produkte jagt; dass ­Lebensversicherungen für mehr Fonds für fondsgebundene Versicherungen und weniger Anleihen für klassische Lebensversicherungen einkaufen. Eine Berenberg-Studie zu Asset-Manager-Aktien nennt auch die M&A-Aktivitäten, die helfen, Kosten zu sparen.
Laut der Studie peilen Henderson und Janus mit ihrem Merger eine Kosten­reduktion von acht Prozent an, Amundi mit der Übernahme von ­Pioneer zehn und Aberdeen und Standard Life von elf Prozent. ­Bezüglich des Gebührendrucks ist der Studie zu entnehmen, dass bei Blackrock zwischen 2012 und 2016 „Repricings“ zu einem Rückgang von lediglich 0,4 Basispunkten bei den Fees geführt haben. Relevanter für die Fee-Erträge sind Marktbewegungen und der Produktmix. 
Ausgerechnet ein Ex-Berenberger beweist nun die Attraktivität von ­Investorenbeteiligungen an Asset Managern. An der Neugründung 7-Orca Asset Management AG von Tindaro Siragusano und sechs Mitstreitern beteiligt sich auch das Versorgungswerk der ­Zahnärztekammer Berlin und der Asset Manager Assenagon. „Wir waren über zehn ­Jahre Kunde des Overlay Teams“, so Ralf Wohltmann, Direktor des Ver­sorgungswerks und Aufsichtsratsvorsitzender von 7-Orca. „Wir freuen uns, die Mannschaft beim Schritt in die Selbstständigkeit zu begleiten und werden das Unternehmen mit circa 300 Millionen Euro mandatieren.“ „Orca“ steht für Overlay, Risk, Currency und Alpha.
Zur Bewertung von 7-Orca schweigt sich der frischgebackene Asset Manager jedoch aus. In der Studie sieht Berenberg die KGVs von ­europäischen Asset Managern auf dem Niveau von europäischen ­Aktien. Bezüglich der Dividenden erwarten die Analysten für 2018 aber eine Rendite von 4,8 für die Asset-Manager-Aktien versus 3,3 Prozent für den Gesamtmarkt. Warum sollte man 25 bis 30 Basispunkte für Aktien-Fondsmanagement bezahlen, wenn man von Fondsmanager-Aktien 4,8 Prozent bekommt? 
portfolio institutionell, Ausgabe 12/2017 
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