Pension Management
2. Juni 2014

ALM für Profifußballer

Millionengehälter und trotzdem Altersarmut? Das ist die Realität im Profifußball. An einem abgesicherten Leben im Alter zehren nicht nur persönliche Verfehlungen, sondern auch die persönliche ALM-Struktur von Profifußballern sowie der Mangel an spezifischen Vorsorge­angeboten.

Der englische Torwart Peter Shilton blickt auf eine lange und ruhmvolle Sportkarriere zurück – und auf einen Lebensabend in ­Altersarmut voraus. Dass er mit 125 Länderspielen, darunter auch das berühmte gegen die „Hand Gottes“ bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, den englischen Rekord hält, verdankt er seinem großen ­Können. Dass er es aber auch auf 1.005 Meisterschaftsspiele brachte, lag unter anderem an seiner notorischen Spielsucht, die ein wichtiger Grund ­gewesen ist, dass er noch mit 47 Jahren für einen Drittligisten im Tor stehen musste. Zuletzt sorgte er vergangenes Jahr für Schlagzeilen, weil er eine Geldstrafe über 1.020 Pfund wegen einer Alkoholfahrt nicht begleichen konnte. Als Prototyp für den Fußballer, der außerhalb des Platzes mit sich und seinen Finanzen nicht zurechtkommt, gilt aber mit George Best immer noch ein Superstar der 60er Jahre. Er fasste sein Finanzgebaren folgendermaßen zusammen: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ Solche Lebensgeschichten sind natürlich auch anderswo zu beobachten. In Deutschland sah man ehemalige Bundesligastars, nur an Lebenserfahrung reicher, im RTL-Dschungelcamp wieder. Anfang der 80er Jahre erlitten viele Bundesligakicker, insbesondere von Eintracht Frankfurt, mit Bauherren­modellen finanziell Schiffbruch. Vergangenes Jahr führte das ­Badische Staatstheater Karlsruhe das Stück „Aus – Das Leben nach dem Spiel“, auf, für das 57 ehemalige KSC-Profis befragt worden waren. ­Anlässlich der Uraufführung beschrieb Ex-KSC-Kicker Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt – von dem keine Finanz- und sonstigen Probleme bekannt sind –, das Dilemma der Post-Karriere-Planung recht anschaulich: „Du bist ein Hero, lebst in einer Welt, die mit dem normalen Leben nichts zu tun hat – und dann denkst du, du bist gut aufgestellt. Wenn du nachher wieder rauskommst, dann siehst du mal, wie’s wirkliche Leben geht. Dann sagen die Leute: Na, biste jetzt kein Fußballprofi mehr? Konntest nur Fußball kicken – hier kannste nichts.“

Damit spricht Edgar Schmitt die Parallelwelt von Fußballprofis an. Mit Blick auf die Altersvorsorge wird allerdings auch klar, dass diese ­Spezies – finanzielle Dummheiten außen vor – auch andere Grund­lagen für das Asset Liability Management aufweist und nur bedingt ­finanziell „gut aufgestellt“ ist: In kurzer Zeit wird zwar relativ viel Geld verdient. Von Anfang/Mitte 30 bis zum Pensionsalter mit Mitte 60 müssen aber 30 Jahre überbrückt werden, in denen Einnahmen oft nur relativ spärlich fließen, weil man in der üblichen Berufswelt mangels Ausbildung und Erfahrung nur schwer vermittelbar ist. Hinzukommen können Verletzungen, die dafür sorgen, dass einen das Karriereende ereilt, bevor man „ausgesorgt“ hat. Solche existenziellen Probleme mögen die Spitzenverdiener der Branche nur peripher ­tangieren. Die Sportfreunde Ribéry, Götze, Lahm und Schweinsteiger haben beim deutschen Branchenführer Bayern München ­mehrjährige Verträge unterzeichnet, die ihnen laut der Fußball-Fachpresse jährlich zehn bis zwölf Millionen Euro sichern – und zwar ohne Prämien und Werbegelder. Im Kader der vergangenen Saison standen aber auch Nachwuchskicker, die im Jahr auf „nur“ 200.000 bis 500.000 Euro kommen. In der dritten deutschen Profiliga kommt eine gut bezahlte Fachkraft auf etwa 100.000 Euro. Ein nicht ungefährlicher Betrag, weil man davon zunächst gut leben kann, damit aber keinesfalls ausgesorgt hat oder für das Alter abgesichert ist.

Was zum einen fehlt, ist das Problembewusstsein mancher ­Berufsspieler, wie das Beispiel eines Bundesligisten erkennen lässt, der für seine großzügigen Gagen bekannt ist. Dessen Lizenzspielern machte eine renommierte Altersvorsorgeeinrichtung ein Angebot, das unter anderem Kapitalwahlrechte nach Ende der Karriere beinhaltete. Die Spieler hätten also nicht bis zum Eintritt ins Pensionsalter auf Auszahlungen warten müssen. Wegen der nur geringen Teil­nahme von Spielern und Trainer wurde das Angebot aber wieder ­eingestellt.

Ein großer Markt
Woran es aber auch hapert, sind mehr solcher passenden Vorsorge­angebote, die auf die speziellen Bedürfnisse dieser Berufsgruppe eingehen. Dabei bietet allein Europa schon einen großen Markt. In Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich spielen ­insgesamt 346 Profivereine. Zählt man die Clubs der ersten Ligen – wo zwar mitunter gut verdient wird, aber Millionengehälter keinesfalls die Regel sind – von Österreich, der Schweiz, ­Portugal, Russland, Griechenland, der Türkei, Belgien, Holland und Schottland hinzu, sind es insgesamt 480 Profivereine. Fügt man die Erstligisten Skandinaviens hinzu, ergibt sich die Zahl von 536 Profi­clubs. Geht man weiter davon aus, dass den Profikadern dieser Vereine mindestens 25 Spieler angehören, beträgt die Zahl der Profikicker immerhin 13.400. In vielen Clubs liegt die Kaderstärke aber auch deutlich über der Zahl von 25 Spielern.
Auf die Zielgruppe „Profifußballer in Deutschland“ am ehesten ­zugeschnitten ist das DFB-VDV-Versorgungswerk (VDV=Vereinigung der Vertragsfußballspieler). Dieses bietet sich seit 1999 als Lösung für die Vereine an, um ihrer Pflicht als Arbeitgeber nachzukommen, auch Angestellten in kurzen Hosen eine betriebliche Altersvorsorge ­zukommen zu lassen. Das Versorgungswerk, das von MLP unterstützt wird, wirbt unter anderem damit, dass die individuellen ­Beiträge aus dem Bruttoentgelt erfolgen, für die Spieler keine Gesundheits­prüfung nötig ist und Sicherheit vor einer Hartz-IV-Pfändung besteht. Zudem gibt es seit 2008 Sonderkonditionen für die Direktver­sicherung und die Riester-Rente. Bei einem Vereinswechsel kann der Spieler seinen Vertrag mit dem Versorgungswerk dann fortführen, wenn es sich um einen deutschen Club handelt, der das DFB-VDV-Angebot wegen ­Verpflichtungen gegenüber Sponsoren aus der Ver­sicherungsbranche nicht ausklammert. Wie seitens MLP weiter ­mitgeteilt wird, werden als Durchführungswege Produkte mit ­klassischen Garantie­verzin­s­ungen oder klassischen Komponenten als kongruent ­rückgedeckte Unterstützungskasse und als Direktversicherung im Rahmen der Entgeltumwandlung angeboten. Die Durchführungswege basieren auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Unter Vertragsspielern werde die ­Direktversicherung am stärksten genutzt.
 
Für eine Direktversicherung das Fußballer-Versorgungswerk zu nutzen, dürfte für diese Berufsgruppe auch darum Sinn machen, weil diese Risiken für sonstige Versicherungseinrichtungen möglicherweise nicht attraktiv sind. Dopingüberlegungen außen vor, müsste die Lebenserwartung von Sportlern hoch sein – und somit die ­Chance für die Versicherung, dass die eingezahlten Gelder durch den Tod des Versicherungsnehmers dem Kollektiv verfällt, gering. Der Aktuar ­eines großen deutschen Pensionsfonds gibt zu bedenken, dass ­Rentenversicherer Einmalzahlungen nicht unbedingt gern sehen dürften, weil dafür nach Karriereende eine relativ hohe Summe zur Verfügung steht, die durch das Kollektiv nicht aufgefangen ­werden kann. Ins Bild passt, dass Einmalbeiträge von den Versicherungen zum Beispiel auf 250.000 Euro begrenzt werden.

Der Haken für die Kunden: Auch für Fußballgötter gelten die normalen Regelungen und Tarifkalkulationen für staatlich geförderte Vorsorgeprodukte. Darum beginnt die Auszahlungsphase bei Neuverträgen frühestens ab dem 62. Lebensjahr. Der Vertragsspieler muss also schauen, wie er die etwa 30 Jahre zwischen Karriereende und dem Eintritt ins Rentenalter finanziell überbrückt. Vor Einführung der Riester-Rente hatten die Kunden mehr Flexibilität und konnten sich einem Medienbericht zufolge ihr eingezahltes Geld samt Rendite ­innerhalb von zehn Jahren nach Ende der Karriere wieder aus­bezahlen lassen. Laut einem älteren Interview mit dem damaligen VDV-­Geschäftsführer und Ex-Schalke-Torwart Jörg Albracht schreckt die späte Auszahlung viele Spieler vor einem Vertragsabschluss mit der Vorsorgeeinrichtung ab. Stand heute wären bei einer Auszahlung vor dem Pensionsalter – Stichwort „nachgelagerte Besteuerung“ – steuerliche Nachteile gegeben. Schließlich besteht für die private kapital­gedeckte Altersvorsorge eine staatliche Förderung.

Ob aber bei einem Ex-Profi das Einkommen tatsächlich erst nach dem Überschreiten des Pensionsalters sinkt? Andererseits verhindert die späte Auszahlung natürlich, dass das Geld schon vorher auf den Kopf gehauen wird. Außerdem fallen innerhalb einer Versicherungslösung für den Produktwechsel keine Transaktionskosten an. Die ­hiesige Steuergesetzgebung bietet Profis aber auch Vorteile. Stichwort: Ehegattensplitting. Schließlich ist die typische Spielerfrau dafür ­bekannt, dass sie weniger zum Haushaltseinkommen als zu den Haushaltsausgaben beiträgt.

Taylor-made in Holland und England
Als maßgeschneidert präsentiert sich dagegen das bereits 1972 aufgesetzte Dutch Professional Football Bridging Scheme, das von CFK (Stichting Contractspelersfonds KNVB) administriert wird. Ziel der Einrichtung ist es, in Holland tätige Fußballer beim Übergang vom Fußballplatz in ein anderes Arbeitsumfeld mit einem Basis­einkommen finanziell zu unterstützen. Dafür überweisen die Vertragsspieler der holländischen Clubs obligatorisch (!) einen Teil ihrer Gagen an CFK, um einen „personal Fund“ zu bilden. Nach ­Karriereende erhalten die Anspruchsberechtigten dann monatliche Auszahlungen, ­deren Höhe und Duration von dem „Fund“ abhängt. Außerdem ­unterstützt CFK ein Old Age Pension Scheme für die Auszahlung von Ruhestandsgeldern und Hinterbliebenenversorgung sowie ein ­Pension Scheme für Fußballtrainer. Insgesamt belaufen sich die ­Assets under Management auf etwa 650 Millionen Euro, die von ING Investment Management und Lombard Odier Darier Hentsch investiert werden. Investiert wird zu mindestens 60 Prozent risikofrei, der Rest wird in Aktien, Unternehmensanleihen, Residential Mortgages und ­Immobilien angelegt.

Im Mutterland des Fußballs wird die Kicker-Altersvorsorge durch das Professional Footballers Pension Scheme (PFPS) organisiert. Dieses erfuhr in den vergangenen Jahren verschiedene Änderungen. Das „Pensionsalter“ wurde von 35 auf 55 Jahre heraufgesetzt. Die ­Spieler werden automatisch in das System integriert, haben aber eine Opting-out-Option. 25 Prozent der Benefits sind steuerfrei. Mögliche ­Optionen sind eine Hinterbliebenenversorgung und die Auszahlung von ­steigenden Beträgen. Werden diese Optionen gezogen, reduziert sich das Startniveau entsprechend. Unterstützt wird PFPS durch Aon ­Hewitt und im Asset Management von Standard Life. Die Netto-­Performance von 2011 bis Ende 2013 wird mit 4,6 Prozent per annum ­angegeben. CFK nennt als Nettorendite für die vergangene Jahres­periode 3,7 Prozent. Das DFB-VDV-Versorgungswerk verweist auf die Gesamtverzinsung ihrer Produktanbieter aus der Versicherungs­branche wie Allianz, Europa, Standard Life und HDI Gerling.

Wenn relativ viel Geld zur Verfügung steht, können Berater im DFB-VDV-Versorgungswerk auch individuellere Lösungen offerieren. „Die Höhe der einbezahlten Beiträge ist idealerweise auf die optimale Nutzung des staatlichen Förderrahmens des Vorsorgeportfolios ausgerichtet. Darüber hinaus verfügbares Kapital fließt ins individuelle Vermögensmanagement, auf das die Spieler dann zum Beispiel schon im Anschluss an ihre Spielerkarriere zurückgreifen können”, sagt ­Christian Schmeckmann, MLP-Berater und Betreuer des DFB-VDV-Versorgungswerks. Er verweist auf Direktmandate über die MLP-Tochter Feri, die auch Raum für die Berücksichtigung des indi­viduellen Risikoappetits und Anlagehorizonts sowie auf der Asset-­Seite für alternative Anlagen lassen.

Millionengehälter und Sozialfälle
Im Allgemeinen dürften Direktmandate aber ein Luxusproblem sein. Das Gehaltsgefüge von Fußballern ist nämlich nicht nur wie oben erwähnt innerhalb des Kaders von Bayern München sehr unterschiedlich, sondern auch innerhalb der Bundesliga und insbesondere zwischen den drei deutschen Profiligen. Gemäß dem Portal „fußball-geld.de“ kamen in der Saison 2012/2013 nur 70 Bundesligaspieler auf ein Fixum von mindestens eine Million Euro. Ein großer Teil der ­Bundesligastars dürfte also auch mit Prämien nicht in den sieben­stelligen Bereich kommen. In der zweiten Bundesliga kassiert der Durchschnittskicker ein Festgehalt von etwa 100.000 bis 200.000 Euro und eine gut bezahlte Fachkraft etwa 500.000 Euro. In der ­dritten Liga gilt ein Fixum von 100.000 Euro als überdurchschnitt­liches Salär. Damit lassen sich natürlich keine großen Sprünge ­machen. „Die dritte Liga produziert regelmäßig Sozialfälle“, war ­einmal im Fachblatt „11 Freunde“ zu lesen. „Nur jeder zehnte ­professionelle Fußballer hat nach der Karriere ausgesorgt“, sagte Ulf Baranowsky im Interview mit T-Online. Laut dem VDV-Geschäfts­führer können lediglich die Top-Spieler absolut sorgenfrei leben. „Nur dieser kleine Kreis ist so abgesichert, dass die Spieler nicht mehr ­gezwungen sind, nach der Laufbahn für ein weiteres Einkommen zu sorgen.“ ­Baranowsky berichtet weiter, dass mancher Spieler in der dritten Liga ein Monatsgehalt von lediglich 1.000 Euro brutto ange­boten ­bekommt. Was verschärfend hinzukommt: Auch wenn die meisten Gehälter über dem Durchschnittsniveau der Bevölkerung ­liegen, so können auch Fußballgötter allenfalls 15 Jahre aktiv sein. Die Duration der Assets in den Beinen ist im Vergleich zur Duration der vom Karriereende bis zum Lebensabend reichenden Verbindlich­keiten also sehr kurz. ­Außerdem fordern natürlich Finanzamt und ­Inflation ihren Tribut.

From Hero to Zero
Auch Gerd Lückel, früher bei Feri mit Asset-Allocation-Fragen für die Altersvorsorge beschäftigt und heute Geschäftsführer beim ­Consultant Tajdo, sieht die finanziellen Perspektiven nach ­Karriereende kritisch. „In der Regel sind Fußballprofis – abgesehen vom oberen Quantil der Spitzenverdiener in der ersten Liga – nicht in der Lage, nach der Karriere ohne Zusatzverdienst ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften.“ Aber auch schon ein relativ gut dotierter ­Lizenzspieler steht vor einer „Vorsorge-Herausforderung“. Lückel macht dazu verschiedene Rechnungen auf. Wer zum Beispiel zehn Jahre lang eine Million Euro brutto per annum verdient hat und nach ­Steuern und Lebenshaltungskosten zehnmal 420.000 Euro ansparen kann, dem stehen bei einer jährlichen Verzinsung von vier Prozent ­etwa fünf Millionen Euro Kapitalvermögen beim Karriereende mit 33 Jahren zur Verfügung. Ab dem Alter von 77 Jahren ist das Geld jedoch mangels weiterer Einnahmen und angenommenen Lebenshaltungskosten von bis zu 100.000 Euro – man hat sich ja an einen gewissen Standard gewöhnt – weg. Bei einer Verzinsung von jährlich 4,5 ­Prozent wäre ab 48 Jahren eine abnehmende Deckungsrückstellung gegeben. Erst ab einer Verzinsung von 4,9 Prozent würde das Kapitalvermögen bis zum Alter von 93 Jahren steigen. Berücksichtigt ist ­dabei in den Lebenshaltungskosten eine Inflation von 1,5 Prozent. Wer in seiner Karriere weniger verdient hat, braucht aber eine ent­spre­ch­end höhere Verzinsung, was jedoch auf Dauer –Uli Hoeneß lässt grüßen – eher unrealistisch ist. Die zu erwirtschaftende Benchmark sind für Lückel die abgezinsten Lebenshaltungskosten in der Phase nach dem Karriereende. Aus diesen leitet sich dann folgende Frage ab: „Mit welcher Wahrscheinlichkeit sind jährliche Entnahmen von X Euro möglich, so dass es bis zum Lebensende reicht?“ ­Übrigens: Peter ­Rebler, ein auf Profisportler spezialisierter Versicherungs­kaufmann, schätzt die Lebenshaltungskosten bei vielen Spielern ­deutlich höher ein als die hier angenommenen 100.000 Euro. Dementsprechend ist auch ein höherer Kapitalstock nötig.

Wie hoch dieser sein muss, hängt von vielen Faktoren ab. Die wichtigsten sind Kapitalmarktrenditen, Inflation, Lebensalter, Ehe­planung und die Zahl und Schwere der finanziellen „Dummheiten“, die ein Fußballgott, aber auch jeder Normalsterbliche in seinem ­Leben begeht. Aber: „Ein realistisches Ziel ist für einen Bundesligaprofi, mit 34 Jahren so viel Geld auf der Seite zu haben, dass aus der Vermögensbewirtschaftung Erträge von monatlich 3.000 bis 5.000 Euro möglich sind. Diese sollten einen normalen Lebensstandard ermöglichen“, ­erklärt Rainer Schütterle. Schütterle steuerte 1993 an der Seite von ­Edgar Schmitt zum legendären 7:0-Sieg des Karlsruher SC gegen den FC Valencia im Uefa-Cup das 3:0 bei und war im gleichen Wettbewerb auch am Finaleinzug des VfB Stuttgart 1989 beteiligt. Heute berät er als Finanzberater bei der Apofinanz Ärzte und Apotheker. Zwischen diesen Berufsgruppen und Fußballprofis sieht Schütterle bei der ­Altersvorsorge übrigens keine großen Unterschiede. Ob Arzt, Apotheker oder Fußballer: „Die meisten sind bei der Geldanlage recht ­konservativ, wollen sich mit dieser nicht intensiv beschäftigen, ­sondern sich lieber auf den Beruf konzentrieren.“ Somit gibt es auch bei der ­Aktienquote zwischen diesen Berufsgruppen keine generellen Unterschiede. Ein Unterschied ist die Planbarkeit. „Ein Arzt hat ­stetigere Einnahmen und mehr Planungssicherheit. ­Andererseits ­haben Ärzte auch Investitionen für ihre Praxis zu stemmen.“

Ob das Geld bis zum Lebensende reicht, ist nicht zuletzt von der Asset Allocation abhängig. Mit Blick auf Inflation und ­Duration sowie nicht vorhandene Bilanzierungsanforderungen bieten sich Aktien an. Laut Daten des deutschen Aktieninstituts lassen sich kaum Zeit­räume finden, in denen ein Investment in den Dax länger als zehn Jahre ­beziehungsweise länger als eine Spielerkarriere unter Wasser lag. Somit bietet sich wegen des langen Anlagezeitraums eine relativ hohe Aktienquote an. Rainer Schütterle: „Wer relativ jung ist, kann mehr in Aktien gehen. Es gibt gute Aktienfonds, ab einem ­gewissen Anlage­volumen sind Investments in Einzeltitel sinnvoller. Leider sind sich die Leute oft nicht des Unterschieds zwischen Investition und ­Spekulation bewusst.“ Nutzen kann der Spieler für Aktienrisiken ­ergänzend – bei einem entsprechenden Einkommen – auch die ­Illiquiditätsprämien von Private Equity. Dabei sollte der Zeitraum für die Capital Calls ­innerhalb der Laufzeit seines Spielervertrags liegen. „Mit Blick auf das gegebene Risikobudget und die gegebenen Zeit­räume für Wertaufholungen macht es zumindest am Anfang des ­Investitionszeitraums Sinn, Aktien, Private Equity oder High Yields als ­wichtigen Teil der Asset Allocation zu sehen“, so Gerd Lückel.

Damit der Spieler vom Einkommen aus dem Fußballsport auch später noch ­leben kann, lautet für die Aktienquote eine weitere Denksportaufgabe, wie sich Dividendentitel mit steigenden Aus­schüttungen in das ALM-­Modell eines Fußballspielers integrieren lassen. Eine Dividenden­rendite von zwei Prozent zu Karrierebeginn mag noch von geringer Bedeutung sein. Ist sie aber im Vergleich zum Einstiegskurs von vor zehn Jahren dank steigender Ausschüttungen auf fünf Prozent gewachsen, wird die Dividendenrendite wegen des fehlenden Gehaltseinkommens sehr relevant. Diese Relevanz wird mit weiter steigenden Ausschüttungen weiter zunehmen, die ­Relevanz von Kursschwankungen dagegen immer weiter abnehmen. Interessant sind weiter, wegen ihrer langen Duration und vor allem der stetigen Ausschüttungen, Immobilien. Kredittilgungen sollten aber, um für alle Unwägbarkeiten des Profitums gerüstet zu sein, zu einem möglichst großen Teil innerhalb der Laufzeit des aktuellen Vertrags erfolgen. „Alle Asset-Klassen sollten eine Rolle spielen, und je früher man ­anfängt und je mehr man sich selbst über das Thema ­informiert, ­desto besser“, fasst es Rainer Schütterle zusammen. Diese ­Überlegungen hängen neben dem (Real-)Zins, Steuersatz oder ­Lebenshaltungskosten zudem noch von einem weiteren ­wesentlichen Faktor ab: dass der Spieler verletzungsbedingt nicht schon in frühen Jahren seine Karriere beenden muss. Dieser Fall macht einen Strich durch alle Berechnungen. Der auf Versicherungslösungen für Profisportler spezialisierte ­Peter Rebler schätzt, dass 60 Prozent der ­Spieler in der ersten Bundesliga, 50 Prozent in der zweiten Liga und 40 ­Prozent in der dritten Liga eine Sportinvaliditätsversicherung abgeschlossen haben. Bei Letzteren macht sich in diesen Zahlen das vergleichsweise geringe Einkommen bemerkbar, das weniger Spielraum für Prämienzahlungen lässt. Den geringsten Versicherungsschutz ­haben laut Rebler über ­alle Ligen hinweg die ausländischen Arbeitnehmer. Versicherungswillige Spieler haben allerdings keine großen Auswahlmöglichkeiten, da nur sehr wenige Versicherungen in diesem Markt aktiv sind. 

Invaliditätsrisiko nicht voll gehedgt

Rebler nennt als Beispiel, dass ein- 20 bis 25-jähriger Ein­kommensmillionär für seine Sportinvaliditätsversicherung von in der Regel ­einer bis 1,5 Millionen Euro jährlich eine Prämie von einem ­Prozent der Versicherungssumme und für die – in den vergangenen Jahren stark gestiegene – Krankenversicherung etwa 12.000 bis 36.000 Euro einzahlt. Die Sportinvaliditätsversicherung und die separate Kranken­-Tagegeldversicherung müssen in der Regel jedes Jahr neu abgeschlossen werden. Dabei gilt: Je älter der Spieler, desto höher die Prämien. Ausgezahlt wird von den Versicherungen im ­Invaliditätsfall maximal das dreifache Nettojahresgehalt. Der da­malige Hannover-96-Stürmer Thomas Brdaric bekam zum Beispiel laut dem Versicherungsportal „pfefferminzia.de“ sein wegen eines kaputten Meniskus vorzeitiges Karriereende von seiner Invaliditätsver­sicherung mit immerhin 1,5 Millionen Euro versüßt. Peter Rebler rät aber auch schlechter ­verdienenden Profisportlern zum Versicherungsschutz. „Eine Ver­sicherungssumme von 100.000 Euro ist eine gute ­finanzielle Starthilfe für ein Studium oder eine Berufsausbildung.“

From Hero to Zero: Diese Entwicklung ist angesichts der Verdienstmöglichkeiten gerade bei kleineren Vereinen äußerst realistisch. Bei einer seriösen und stetigen Anlage­strategie stehen die Chancen aber gut, dass man auch nach der Karriere vom einstigen Ruhm zehren kann. Bei den meisten Spielern führt aber kein Weg daran vorbei, sich noch zusätzlich weitere Einnahmequellen zu erschließen.

Von Patrick Eisele

portfolio institutionell, Ausgabe 5/2014

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