Strategien
28. August 2017

Anleihen werden grüner

Dynamisches Wachstum bei Green Bonds. KfW hat 800 Millionen Euro investiert. „Greenwashing“ in Polen.

Das Klima wandelt sich und der Kapitalmarkt wandelt sich mit. Green Bonds kommen laut Bloomberg mittlerweile auf ein Gesamtvolumen von 178 Milliarden Euro, was einem Anteil von 0,2 Prozent des gesamten Anleihemarktes entspricht. „Die Volumina sind derzeit noch überschaubar“, erklärt Wolfgang Köhler, Kapitalmarktvorstand der DZ Bank, auf einer hauseigenen Green-Bonds-Veranstaltung. „Dafür ist jedoch die Dynamik sehr hoch.“ Die Neuemissionen weisen hohe Wachstumsraten auf. Betrug das Emissionsvolumen im Jahr 2013 noch zehn Milliarden Euro, waren es 2015 bereits 32 und 2016 schon 68 Milliarden Euro.
Bei Green Bonds handelt es sich um Anleihen, die mit dem Zweck aufgelegt werden, Projekte mit Bezug zu Umwelt und Klima zu finanzieren. Subranationals, Sub-Sovereigns und Agencies gelten laut der DZ Bank zu den Pionieren des Green-Bonds-Marktes. Größter Emittent von Green Bonds ist die Europäische Investitionsbank, EIB. Aber auch die KfW zählt zu den großen Emittenten und auch Investoren von Green Bonds.
Als ein Hinderniss für die weitere Entwicklung des Green-Bonds-Marktes nennt Wolfgang Köhler den Aspekt, dass „für die Emittenten gerade beim ersten Mal der Aufwand für Strukturierung und Dokumentation sehr hoch ist. Zudem ist der Finanzierungsvorteil überschaubar.“ Wenig förderlich sind an dieser Stelle auch die Aufkaufprogramme der EZB, die den Unternehmen wenig Anreize geben, sich mit der Emission von Corporate Green Bonds zu befassen.
Das Interesse auf der Käuferseite ist trotz des Finanzierungsvorteils des Emittenten gegeben. „In unserem Verbund, zum Beispiel bei den Kirchenbanken, ist das Interesse an Green Bonds groß“, so Köhler. Begründen lässt sich dieses Interesse mit Imagefragen aber auch mit Risikoüberlegungen. Darauf weist Dr. Frank Czichowski, Leiter Treasury der KfW hin: „Das Verhalten von Investoren ändert sich. Beispielsweise werden Kohlefinanzierungen kritischer gesehen. Bedenken bestehen bezüglich der eigenen Reputation aber auch, dass, im Falle möglicher Änderungen der politischen Rahmenbedingungen, die Rückzahlung in Gefahr gerät.“
Das Green-Bonds-Portfolio der KfW summierte sich Ende Juni 2017 auf knapp 800  Millionen Euro. Czichowski: „Wir kaufen nicht jeden Bond, sondern prüfen vor jeder Investition, ob die Green Bond Principles umgesetzt wurden. Zudem berücksichtigen wir, ob der Emittent selbst nachhaltig aufgestellt ist .“ Regional betrachtet stammen die „grünen“ Wertpapiere vor allem aus den Niederlanden und Skandinavien. In Deutschland mangele es an „Material“.  
Wenn nicht die absolute Rendite für dieses Anleihensegment spricht, so tut es doch für viele Investoren die risikoadjustierte Rendite – oder die Performanceerwartung. „Unter den Investoren sind auch Lebensversicherungen und Pensionskassen, die am langen Kurvenende einen Vorteil erwarten“, sagt Frank Scheidig, Global Head of Senior Executive Banking der DZ Bank. „Nur wenige wollen diesen Vorteil aber auch realisieren. Trading-orientierte Käufer wollen wir auch nicht bedienen.“
Polens „Greenwashing“
Dies hat zur Folge, dass der Sekundärmarkt sehr illiquide ist. Dies kann sich für bereits bestehende Investoren insbesondere dann als Nachteil erweisen, wenn ein Emittent in den Ruch des „Greenwashing“ gerät. Möglicher Kandidat: Polen. Als erster Staat begab Polen, Europas größter Produzent von Steinkohle und derzeit vor allem wegen der Abholzung von Europas letztem Urwald stark in der Kritik, im Dezember 2016 einen Green Bonds. Finanziert werden sollen mit den erlösten 750 Millionen Euro beispielsweise neben Erneuerbaren Energien auch Aufforstungen von Nationalparks und die Bewahrung und Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen, Aufklärung und Ermutigungen für Umweltschutz.
portfolio institutionell newsflash 28.08.2017/Patrick Eisele 
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