Versorgungswerke
14. Juni 2019

Apo-Bank plädiert für mehr Cashflow-Orientierung

„Leitplanken nicht zu eng ziehen“. Stelldichein der „Berufsständler“ in Düsseldorf.

Welche Determinanten bestimmen eigentlich die Anlagepolitik? Auf dem Apo-Investment-Forum der Deutschen Apotheker- und Ärztebank zählte Dr. Hanno Kühn, Chief Investment Officer der Apo-Bank, verschiedene Faktoren auf: den Kapitalmarktzins, das Niveau der Risikoprämien, die Reservesituation, Rechnungslegung und Regulatorik sowie – natürlich – das Ertragsversprechen. Letztere beeinflussen insbesondere über das Asset-Liability Management die Asset-Allokation – aber auch das Renditeniveau von langlaufenden Anleihen. Um die Laufzeiten der Verbindlichkeiten in Einklang mit den Laufzeiten der Assets zu bringen, wurden, so Kühn, verstärkt Anleihen mit Laufzeiten von 15 Jahren und mehr eingekauft – mit der Folge, dass sich die Zinskurve immer weiter verflachte.

Je mehr Anleger, regulatorisch beziehungsweise bilanziell bedingt, Assets an die Verpflichtungen angleichen, desto flacher die Zinskurve. Im Extremfall wird die Zinskurve wie in Großbritannien – Heimat von besonders großvolumigen Pensionsfonds und Versicherungen – sogar invers. Kurzlaufende Gilts bringen darum oft höhere Renditen als langfristige.

Verpflichtungsorientierte Anlagestrategien haben für die Risikosteuerung eine hohe Bedeutung. Dies unterstrich auf der Apo-Bank-Veranstaltung in Düsseldorf, auf der viele berufsständische Versorgungswerke vertreten waren, auch Dr. Ulrich Krüger, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen. Ebenfalls bestätigte Volker Mauß, Bereichsleiter Institutionelle Anleger der Apo-Bank, den Stellenwert einer aktiven Risikosteuerung. „Entscheidend ist die sachgerechte Identifikation und Bewertung der Risiken sowie deren Steuerung“. Die Überwachung durch ein regulatorisch abgestimmtes Reporting helfe dann auch bei Gesprächen mit internen und externen Gremien.

Risikobegrenzung = Chancenbegrenzung

Weniger hilfreich dürfte es auf Dauer jedoch sein, wenn die Risiken zu stark begrenzt werden. CIO Hanno Kühn appellierte an die Konferenzteilnehmer, die Leitplanken bei ihrer Kapitalanlage nicht zu eng zu ziehen: „Risikobegrenzung bedeutet stets auch Chancenbegrenzung“. Vielmehr sollten die Leitplanken aktiv gesteuert werden, damit sie nicht prozyklisch wirken. Ansonsten steigen und fallen die Risikobudgets immer mit dem Markt, sind also ausgerechnet am Topp am höchsten. Auch darum warb Kühn für ein Cashflow-basiertes Anlagemanagement anstatt einem, das sich an Beständen orientiert. „Letztlich geht es darum, zu jeder Zeit den eigenen Verpflichtungen nachkommen zu können – das gilt für institutionelle und private Anleger gleichermaßen.“

Kapitalanlage und der 31.12.

Hilfreich, sich von der „Bestands-Denke“ etwas zu befreien, sind realistische Garantieversprechen, sich wie erwähnt mehr an Kupons, Dividenden und Ausschüttungen – also an Cashflows – zu orientieren, von Defined Benefits zu Defined Contributions zu kommen und das „Marktpreisrisiko stichtagsunabhängig zu verpacken“. Bei letzterem helfen Immobilien- und Private-Equity-Fonds. Eine Ted-Umfrage im Rahmen des Apo-Investment-Forums ergab, dass 35 Prozent der Teilnehmer Private Equity für die aussichtsreichste in den kommenden zwei Jahren halten.

Wie stark die Stichtags-Orientierung zu zu kurzfristigem Denken führen kann, zeigte sich übrigens im Rückblick auf die vergangene Apo-Veranstaltung im Sommer 2018. Damals prognostizierte die Mehrheit der Teilnehmer einen Dax-Stand zum Jahresende von zwischen 12.000 bis 13.000. Damit hatte man Anfang Oktober 2018 und Anfang April 2019 recht – aber nicht zum Stichtag 31.12.

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