Versorgungswerke
28. Juni 2017

Aufbau West

Der Geschäftsführer der Sächsischen Ärzteversorgung, Nico Appelt, meldet sich im Investoreninterview zu Wort. Das Kapitalanlagevolumen des Versorgungswerks beträgt rund 3,6 Milliarden Euro. In Dresden hat man insbesondere bei Immobilieninvestments innovative Ideen. Auszüge aus dem Interview.

Herr Appelt, Sie sind seit knapp 20 Jahren bei der Sächsischen Ärzteversorgung (SÄV). Welche großen Entwicklungen gab es in der Kapitalanlage?
Begonnen habe ich als Hausjurist. Die Kapitalanlage bestand zu dieser Zeit aus einer Person. Denn obwohl wir damals noch einen Rechnungszins von vier Prozent hatten, war Kapitalanlage relativ einfach. Von den Banken kamen Listen mit Anlageangeboten, aus denen wir passende Papiere für den Rentendirektbestand auswählten. Zudem haben wir damals den Banken noch gerne Geld geliehen. Weiterhin hatten wir eine überschaubare Anzahl von Mandaten an verschiedene Asset Manager für Aktien und Anleihen vergeben. Die damalige Diversifikation war bei weitem nicht so breit wie heute. 
Ein erster Schritt zur weiteren Professionalisierung war die Einführung eines Wertpapier-Masterfonds. Drei Jahre später, 2009, habe ich die Verantwortung für den Bereich Kapitalanlagen übernommen. In enger Abstimmung mit dem Verwaltungsausschuss wurde die Richtungsentscheidung getroffen, künftig verstärkt auf hauseigenes Know-how zu setzen. Dieser Strategie entsprechend konnten wir über die Jahre die personellen Ressourcen deutlich ausbauen. So sind mittlerweile sieben Kollegen in der Kapitalanlage tätig: je drei Mitarbeiter für Investments in Wertpapiere und Immobilien sowie eine Juristin für Kapitalmarktrecht und internationales Steuerrecht. 
Finden Sie denn noch Anlagen für den Rentendirektbestand?
Im klassischen Anlagespektrum ist es natürlich schwierig geworden. Dem Trend, den Rentendirektbestand abschmelzen zu lassen, wollen wir dennoch nicht folgen. Wir sehen den Direktbestand nach wie vor als stabilen Ertragsbringer. Bislang haben wir immer noch Möglichkeiten gefunden, dem Rentendirektbestand Assets mit auskömmlichen Renditen zuzuführen: in der Finanzkrise waren es Covered Bonds aus der Peripherie, später der ganze Bereich der Unternehmensanleihen und aktuell verstärkt grundpfandrechtlich besicherte Darlehen. Die Stellschraube Laufzeitenverlängerungen oder Abstriche bei den Bonitäten haben wir natürlich auch genutzt. Auch wenn nicht mit jeder Anlage der Rechnungszins erreicht werden kann, ziehen wir es vor, die Verantwortung nicht einfach an einen externen Manager zu delegieren, der vor derselben Problematik steht.
Warum ist die SÄV stark in Immobilien investiert und nicht wie andere Versorgungswerke stark in Aktien oder Renewables?
Wir haben schon vor langer Zeit angefangen, in Immobilien zu investieren. Mittlerweile bewegen wir uns in Richtung von 25 Prozent der Gesamtkapitalanlagen. Erklärtes Ziel war die verstärkte Investition in Substanzwerte, wozu für uns in erster Linie Immobilien gehören. Dabei konnten wir auf internes Know-how zurückgreifen. 
Wir sind aber dennoch vergleichsweise stark in Aktien investiert. Diese haben natürlich eine deutlich höhere Volatilität, die man entsprechend steuern oder aushalten muss. So genannte alternative Investments wie Private Equity und Infrastruktur standen bei der SÄV bisher nicht im Fokus. Wir sind gerade dabei, uns vertieft mit diesen Themen zu beschäftigen: Welche regulatorischen Risiken gibt es? Ab welchen Ticketgrößen ist eine vernünftige Diversifikation möglich? Wie viel internes Know-how muss aufgebaut werden? Gibt es den richtigen Einstiegszeitpunkt? Wenn wir die Antworten gefunden haben, werden wir Investitionschancen in diesem Bereich nutzen.
Das vollständige Interview mit Nico Appelt von der Sächsischen Ärzteversorgungfinden Sie hier und in der Juni-Ausgabe von portfolio institutionell. 
portfolio institutionell newsflash 28.06.2017/Patrick Eisele
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