Recht, Steuer & IT
29. März 2019

Brexit: Finanzdienstleister ziehen nach Luxemburg um

58 Unternehmen haben bisher die Verlagerung von Aktivitäten nach Luxemburg aufgrund des möglichen britischen EU-Austritts öffentlich gemacht. Finanzplatz trifft Vorkehrungen für das Szenario eines EU-Austritts des Vereinigten Königreichs ohne Abkommen.

Die Zahl der Finanzdienstleister, die im Zuge des geplanten EU-Austritts des Vereinigten Königreichs Aktivitäten von London nach Luxemburg verlagern, ist in den ersten Monaten des Jahres 2019 weiter gestiegen. Aktuell haben 58 Unternehmen entsprechende Verlagerungen öffentlich angekündigt beziehungsweise bereits umgesetzt. Das berichtet die Lobbyorganisation Luxembourg for Finance (LFF) in einer Pressemitteilung. Seit Januar 2019 habe sich die Zahl der öffentlich bekannten Brexit-bedingten Neuansiedlungen und Verlagerungen in Luxemburg damit um elf erhöht. Die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher sein, da nicht alle Unternehmen ihre Pläne öffentlich machen, schreibt LFF.

Analog zur Position Luxemburgs als führender EU-Standort im Bereich Investmentfonds handele es sich bei mehr als der Hälfte der Umzügler (31) um Asset Manager, so LFF. Doch auch Unternehmen aus den Bereichen Versicherungen (13), Banken (8) und Zahlungsdienstleister (6) werden aufgrund des Brexit Aktivitäten von London nach Luxemburg verlagern oder haben dies bereits getan. Denn der Vertrieb von Finanzprodukten in der gesamten EU im Rahmen des so genannten EU-Passporting sei daran geknüpft, dass das jeweilige Unternehmen über eine Niederlassung in einem EU-Staat verfügt.

Sonderbefugnisse für den Fall eines „No-Deal“-Szenarios

„Aus Sicht der Unternehmen sprechen für Luxemburg insbesondere das sehr international aufgestellte und weit entwickelte Ökosystem für Finanzdienstleistungen, die Möglichkeit, auf bereits vorhandene Strukturen aufzubauen sowie die hohe Lebensqualität und die Stabilität“, erläutert Nicolas Mackel, CEO von Luxembourg for Finance. Das Bonitätsrating des Landes ist seit Jahren auf dem höchsten Niveau (Dreifach-A), zudem ist auch das politische Kima sehr stabil. „In Zeiten gestiegener politischer Unsicherheit wissen das Unternehmen aus Europa und global sehr zu schätzen“, so Mackel. Mit verschiedenen vom Parlament beschlossenen Gesetzesanpassungen habe Luxemburg den Finanzplatz zudem auf ein mögliches „No-Deal“-Szenario beim Brexit vorbereitet. Unter anderem erhielten die Finanzaufsichten für einen begrenzten Zeitraum Sonderbefugnisse, falls das Vereinigte Königreich tatsächlich ohne Abschluss eines Abkommens aus der Europäischen Union austreten sollte. Ferner werde im Fall eines solchen harten Brexit für britische Finanzunternehmen mit Standorten in Luxemburg eine 21-monatige Übergangsfrist gelten.

Public Private Partnership für Luxemburg

Luxembourg for Finance (LFF) ist für die Entwicklung des Finanzzentrums Luxemburg zuständig. LFF wurde 2008 gegründet und agiert als öffentlich-private Partnerschaft zwischen der luxemburgischen Regierung und dem luxemburgischen Verband der Finanzindustrie. Ziel der Vereinigung ist es, die luxemburgische Finanzdienstleistungsbranche weiterzuentwickeln und neue Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren. LFF verbindet internationale Investoren mit den in Luxemburg angebotenen Finanzdienstleistungen, wie zum Beispiel Investmentfonds, Vermögensverwaltung, Kapitalmarktoperationen oder Beratungsdienstleistungen.

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