Alternative Anlagen
3. Juni 2019

Coller Capital: Drei Viertel der Limited Partner haben von Co-Investments profitiert

Zwei Drittel der Investoren unterstützen Verkäufe von Beteiligungen durch die General Partner an Managementgesellschaften. Fehlbewertungen und Informationsmangel sind die größten Bedenken der Investoren bei durch den General Partner (GP) geführten Secondaries.

Wie dem neuen Global Private Equity Barometer (30. Ausgabe) von Coller Capital zu entnehmen ist, messen Limited Partner (LPs) Co-Investment-Angeboten ihrer General Partner (GPs) einen hohen Wert zu: Die Vorteile, die sie aus ihren Beziehungen zu GPs ziehen, gingen weit über die rechtlichen Anlagekonditionen hinaus, so die Studie. Drei Viertel der LPs geben demzufolge an, dass sie von solchen Co-Investitionen profitiert haben. Im Hinblick auf weitere „außervertragliche“ Vorteile geben zwei Drittel der LPs an, dass auch Markteinblicke und der Wissenstransfer von ihren GPs wertvoll für sie sind. „Der Gleichklang der Interessen von LPs und GPs ist wichtiger denn je, da Investoren ihre Private-Equity-Allokationen aufstocken, zunehmend Anlagen bei ihren bestehenden GPs machen und sich an Fonds-Restrukturierungen beteiligen.“ sagt Michael Schad, Partner bei Coller Capital. Für die Studie wurden 112 Private-Equity-Investoren aus Europa, Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum befragt. 79 Prozent davon sind mindestens seit dem Jahr 2004 in Private Equity investiert. Zu 42 Prozent sind es Manager von Pensionskassen und –fonds, zu 14 Prozent Versicherungen und zu sieben Prozent Stiftungen.

Arbeitsbelastung für Investoren steigt

Das Barometer zeigt außerdem, dass Investitionen in die Anlageklasse Private Equity immer höhere Ansprüche an die Investoren stellen. Zwei Drittel der Limited Partner weisen auf eine höhere Arbeitsbelastung als noch vor fünf Jahren hin und viele Aspekte des Private-Equity-Portfoliomanagements erweisen sich als herausfordernder. Drei Viertel der LPs verbringen mehr Zeit mit Management und Verwaltung ihrer Portfolios, 59 Prozent verbringen mehr Zeit als noch vor fünf Jahren mit der Prüfung möglicher Gelegenheiten für Co-Investitionen. „Die Starrheit, die die Anfänge der LP-GP-Beziehungen kennzeichnete, ist verschwunden“, kommentiert Jeremy Coller, Chief Investment Officer von Coller Capital. „Investoren vertiefen ihre Partnerschaften mit einzelnen Managern und werden bei der Verwaltung ihrer Portfolios deutlich proaktiver. Der Nachteil für die LPs selbst ist, dass auch ihre Arbeitsbelastung in fast allen Bereichen immer größer wird.“

Außerdem sind zwei Drittel der Investoren bereit, Entscheidungen von GPs zum Verkauf von Beteiligungen an Managementgesellschaften unterstützen. Voraussetzung für diese Bereitschaft ist allerdings, dass damit der Generationswechsel im Unternehmen erleichtert oder die Ressourcen gestärkt werden sollen, die der Manager auf seinen Markt konzentriert, so die Ergebnisse von Coller Capital in seinem Barometer. Im Umkehrschluss halte es nur ein Drittel der LPs für richtig, wenn ein Manager Anteile an seiner Managementgesellschaft verkauft, um Eigenanlagen zu finanzieren oder neue Produkte auf den Markt zu bringen.

Aber: Über die Hälfte der LPs in Europa und Nordamerika sei inzwischen eher bereit, neue Private-Equity-Produkte ihrer Portfolio-GPs zu unterstützen, als dies noch vor fünf Jahren der Fall war. Der Grund dafür ist Coller Capital zufolge: 92 Prozent der Investoren bejahen, dass die Anlageerträge im Allgemeinen ihren Erwartungen entsprachen oder diese übertrafen, wenn sie Portfolio-GPs bei neuen Produktangeboten unterstützt haben.

Nur wenige erreichen mehr als 16 Prozent Rendite

Während es seit der globalen Finanzkrise verhältnismäßig wenigen LPs gelungen ist, langfristige Nettojahresrenditen von mindestens 16 Prozent zu erzielen (20 Prozent), hat sich die Beständigkeit der Renditen für die LP-Community in ihrer Gesamtheit seit der Krise verbessert. Der Anteil der LPs, die über die Laufzeit ihrer Portfolios eine jährliche Nettorendite von elf Prozent und mehr aufweisen, schwankt seit 2015 in jedem Coller Barometer zwischen 80 und 87 Prozent. In der diesjährigen Studie liegt sie bei 84 Prozent.

Auch die Umstrukturierung bestehender Private-Equity-Fonds habe sich als noch relativ neue Entwicklung zum Mainstream der Private-Equity-Welt erhoben, so Coller Capital. Zwei Drittel der nordamerikanischen LPs und fast drei Viertel der europäischen LPs haben inzwischen mit einem oder mehreren GP-geführten Secondaries in ihren Private Equity-Portfolios zu tun gehabt. LPs akzeptierten, dass diese Transaktionen ein fester Bestandteil der Private-Equity-Sparte geworden sind. Dabei seien sie sich sowohl der Risiken als auch der Chancen solcher Transaktionen bewusst. Investoren sagen der Studie zufolge, dass ihre größten Bedenken bei zukünftigen von GPs geführten Transaktionen die Möglichkeit von Fehlbewertungen oder unzureichende Informationen sind, die eine wirklich fundierte Entscheidung unmöglich machten.

In Zukunft ein Zehntel in Private-Equity

Mehr als die Hälfte der LPs erwartet, dass sie in zehn Jahren mehr als ein Fünftel ihres Gesamtvermögens in Alternative Anlagen investieren werden. Außerdem erwarten die LPs, dass der Anteil von Private Equity an der gesamten Vermögensallokation zunehmen wird: 43 Prozent der Limited Partner gehen davon aus, dass sie in den nächsten zehn Jahren mehr als ein Zehntel ihres Gesamtvermögens in Private Equity investieren werden. Nur zwölf Prozent gehen noch davon aus, dass die Exits aus Private Equity in der Zukunft verstärkt in Richtung Börse gehen. 46 Prozent glauben an einen verstärkten Trend in Richtung privater Märkte.

Mehr Regulierung bei Private Debt erwartet

Auch zu Private Debt wurden die Private-Equity-Investoren befragt. In den nächsten Jahren könnte hier die Bürokratie zunehmen, fürchten diese. Zwei Drittel der Investoren gehen von einer wachsenden Regulierung auch im Private-Debt-Sektor aus. Zudem erwarten zwei Drittel der Investoren eine wachsende Konsolidierung unter Debt-Anbietern für Private-Equity-Transaktionen in Nordamerika und Europa.

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