Schwarzer Schwan
7. Juni 2019

Das Gesellenstück

Azubi Backed Securities, ABS

Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre – aber auch das ausbildende Unternehmen kommt nicht auf seine Kosten, wenn der frischgebackene Geselle gleich von der Konkurrenz abgeworben wird. Zur Eindämmung der Azubi-Abwerbungen plädiert Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), darum – eventuell nach dem Konsum von zu viel Fußball – dafür, dass als Entschädigungen Ablösesummen an den Ausbildungsbetrieb bezahlt werden.

Zwar könnte der Ausbilder ja auch einmal erwägen, dem Ausgebildeten ein konkurrenzfähiges Angebot zu machen. Löblich ist an dem Vorschlag aber, dass sich für (Spieler-)Berater und die Finanzbranche Opportunitäten ergeben.

Handwerk hat goldenen Boden

Beispielsweise könnte der berühmte Fußballspieler-Händler Mino Raiola dem deutschen Ausbildungssystem und dem deutschen Handwerk ganz neue Impulse geben. Raiola verdiente einst beim Arbeitgeberwechsel des Mittelfeld-Azubis Paul Pogba vom Ausbildungs-Club Juventus Turin zu Manchester United als Kompensation für seine Bemühungen 49 Millionen Euro. Wie aus Football Leaks durchsickerte schnappte sich Raiola 2016 von Juventus 27 der 105 Millionen Euro Ablösesumme, 19,4 Millionen Euro strich er als Honorar von Manchester United ein und 2,6 Millionen Euro berappte der Spieler dem Berater. Mit solchen Transfers würde das deutsche Handwerk in ganz neue Dimensionen vorstoßen. Zum Beispiel wenn der Lehrling Werner von Sanitäre Anlagen, Heizungsbau, Klima- und Schwimmbadtechnik Röhrich zur Bauunternehmung Günzelsen wechselt.

Hilfreich einbringen könnten sich aber auch die Lösungsanbieter aus der Asset-Management-Branche, in dem sie die Transferrechte an Azubis und Azubinen verbriefen, tranchieren und dann so strukturieren, dass sich aus Klempnern, Friseusen oder Fleischfachverkäufer Spitzen-Ratings ergeben, die Physik-Professoren, Mathematik-Olympiasiegern und Kybernetik-Koryphäen angemessen wären. Dann wäre der Institutional Sales an der Reihe, der diese Pakete in den USA verhökert. Aber nicht unter etwas belasteten Namen wie Rheingold, Arabella Funding oder Ormond Quay Funding, sondern unter beispielsweise „Probezeit“, „Stift“, „Abschlussprüfung“, „Gesellenstück“ oder „Mahlzeit“.

Vor nun etwa zwölf Jahren spöttelten die amerikanischen Vertriebs-Asse über die Käufer in Dusseldorf. Nun werden sie aber voller Hochachtung über Hurth bei Koln, dem Geburtsort von Hans Peter Wollseifer sprechen.

Mahlzeit sagt Ihre Redaktion von portfolio institutionell.

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