Pensionskassen
5. Februar 2016

Das große Investoreninterview: Diversifikation ist Trumpf

Norbert Schulte-Mattler, Vorstandsvorsitzender der Philips Pensionskasse, im Gespräch mit Patrick Eisele

Die Pensionskasse von Philips sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Neben Aktien, High Yields und Immobilien findet sich in der Asset Allocation auch eine ansehnliche Portion­ an Erneuerbare-Energien-Investments. Die breite Diversifikation der Anlagen wird als einfachste Form des Risikomanagements angesehen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist für Norbert Schulte-Mattler zudem die Qualität der eigenen Mitarbeiter.

Herr Schulte-Mattler, wie lief das Jahr 2015 für die Philips Pensionskasse?
Dank unserer hohen Anlagequoten für Erneuerbare Energien und Immobilien haben wir erneut eine befriedigende Verzinsung im letzten Jahr erzielt. Da wir nicht unmittelbar im Wettbewerb stehen und die Reserven erhalten wollen, um auch weiter ambitionierter, das heißt, nennenswert in Aktien, investieren zu können, wird unsere Nettoverzinsung 2015 wohl knapp oberhalb von drei Prozent liegen.­
­Um die langfristige Erfüllbarkeit der Verbindlichkeiten sicherzustellen, hat die Pensionskasse über den Rechnungszins hinaus in den vergangenen Jahren kaum Überschüsse gewährt, sondern stattdessen die Deckungsrückstellung deutlich verstärkt. Ende 2014 wurde der Rechnungszins der älteren Tarife auf 3,25 Prozent gesenkt. Eine weitere Absenkung auf 3,0 Prozent, für die wir bereits wieder­ ansparen, ist geplant. Viele andere Pensions­kassen haben diese wohl unvermeidlichen Schritte noch vor sich. Wir sind froh, dieses Thema bereits konsequent angegangen zu sein, da es uns für die Zukunft wichtige­ Freiräume verschaffen sollte.

Welche biometrischen Besonderheiten weisen Philips-Mitarbeiter auf?
Die Philips-Mitarbeiter leben erfreulicher­weise deutlich länger als der Bundesdurchschnitt und werden seltener zu Invaliden. Beides ist für die Kollegen/innen schön, aber für die Pensionskasse teuer. Versicherungstechnische Anpassungen an die Längerlebigkeit haben wir daher in der Vergangenheit bereits immer wieder vorgenommen/finanziert und werden dies auch zukünftig tun müssen.­

Steht mit Solvency II die nächste Belastung vor der Tür?

Zumindest kurzfristig noch nicht. Ich glaube persönlich aber, dass in ein paar Jahren und in irgendeiner Form Solvency II auch für Pensionskassen kommt. Brüssel fordert von den großen Pensionskassen bereits heute entsprechende Stresstestszenarien ein. Das große Damoklesschwert ist dabei für viele Pensionskassen, dass für die sich unter Solvency II ergebenden­ höheren Eigenmittelunterlegungen nicht genug Eigenkapital vorhanden ist. Die Trägerunternehmen sind aber alles andere als begeistert davon, dieses Eigenkapital zur Verfügung stellen zu müssen. Die Unternehmen wollen gute und soziale Arbeitgeber sein – aber nicht auf Kosten der eigenen Bonität. Hintergrund ist, dass die Trägerunternehmen für die Höhe des nicht vorhandenen Eigen­kapitals ihrer Pensionskassen in den eigenen­ Abschlüssen vermutlich entsprechende Angaben im Sinne von Eventualverbindlichkeiten machen müssen, was wiederum das eigene Rating belasten könnte. Vielen Pensionskassen droht darum die eventuelle Schließung. Ich könnte mir vorstellen, dass nach einer Einführung von Solvency II – ohne ausreichend lange Übergangsfristen – zahlreiche der heutigen Pensionskassen geschlossen oder verkauft werden. Eine zentrale und offene Frage ist somit, wie die Absicherung beziehungsweise die Solvenz des Trägerunter­nehmens in einem Solvency-II-System für Pensionskassen adäquat berücksichtigt wird.

Bestehen die Vorbehalte mancher Kassen nur wegen der Eigenkapitalregeln oder auch wegen­ der Fit-and-Proper-Anforderungen?
Die ausreichende Anzahl und die notwendige Qualifikation der handelnden Personen in allen­ Funktionen ist ein wichtiges Thema bei Pensionskassen. Vor allem die aufsichtsrechtliche Genehmigung geeigneter Kandidaten für die verschiedenen Gremien kann gelegentlich ein Problem darstellen. Zum Beispiel besteht der Aufsichtsrat bei regulierten Kassen zur Hälfte aus von den Mitgliedervertretern gewählten Personen, meist ohne tiefgehende Vorkenntnisse zur betrieblichen Alters­versorgung. Alle Aufsichtsräte müssen von der Bafin aber seit einigen Jahren bestätigt werden. Die Anforderungen hierfür machen es jetzt schon schwer, ausgeschiedene Aufsichtsräte wieder zu ersetzen. Noch weiter­gehende Qualifikationsanforderungen könnten dies praktisch unmöglich machen.
Meine Vorstandkollegin und ich haben beide einen Versicherungshintergrund. Bei der Bestellung neuer Vorstände hören wir vermehrt, dass die Aufsicht regelmäßig höhere Anforderungen an die einschlägigen Vorkenntnisse und den beruflichen Werdegang mindestens in verwandten Branchen stellt. Positiv ist aber sicherlich, dass letztendlich die Qualifikation aller Gremien von Pensionskassen so klar steigt, was wiederum im Sinne der Ver­sicherten ist.

Als es noch Zinsen gab, konnte die Qualifikation auch der Mitarbeiter noch niedriger sein.
Wir beschäftigen in unserer Kasse Portfoliomanager und Risikomanager, die alle ihr Handwerk bei Versicherungen gelernt haben. Das Controlling kommt von einem Wirtschaftsprüfer. Für mich ist die Qualität der Mitarbeiter ein wichtiger Erfolgsfaktor. Investments­ in High Yields, Erneuerbare Energien und direkt in Immobilien sind ohne geeignete Mitarbeiter nicht möglich. Die relativ­ hohen Aufwendungen für das Personal fallen natürlich schwerer, wenn die laufenden risikolosen (Zins-)Erträge sinken. Am Ende sind wir aber davon überzeugt, dass sich diese­ Investitionen in ein gut ausgebildetes Personal immer auszahlen.

Diese anspruchsvollere Situation war ein Argument­ für Fiduciary Management, also die weitgehende Auslagerung der Kapitalan­lage auf einen treuhänderischen Asset Manager. In den Niederlanden hat Philips ­vor zehn Jahren ein fiduziarisches Mandat vergeben.
In Deutschland war das nie ein Thema und in den Niederlanden gibt es dieses Modell in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Mit der Qualität bestimmter einzelner Dienstleistungen aus dem Gesamtpaket war man dort nicht zufrieden. Heute werden von den Kollegen in Eindhoven auch wieder fallweise Spezialisten für einzelne Anlageformen eingesetzt. Wir in Deutschland nutzen für die ausfinanzierten Pensionspläne der Philips GmbH einen­ LDI-Ansatz (Liability-driven Investment) bestehend aus Matching- und Growth-Töpfen. Zudem werden Zins- und Inflations­swaps eingesetzt. Die Benchmark sind jeweils­ die konkreten Verbindlichkeiten beziehungsweise die zukünftigen Cashflows der einzelnen Pensionspläne. Die Vermögen hinter den Zeitwertmodellen werden des Weiteren nach einem Absolute-Return-Ansatz extern gemanagt.

Allgemein scheint der Trend auch, gerade bei Versicherungen, eher zu einem Insourcing zu gehen. Diese investieren wie die Philips PK lieber in Personal als externe Dienstleister zu entgelten.
Das stimmt so auch für Pensionskassen. Viele­ Kassen bauen meiner Wahrnehmung nach intern Ressourcen auf, vor allem im Controlling und Risikomanagement, begrenzter im klassischen Portfoliomanagement. Ziele dieses Insourcing sind neben der Reduzierung von externen Gebühren und Abhängigkeiten insbesondere die Optimierung von Reporting, Analyse und internem Risikomanagement. Hinzu kommt die Absicht, vermehrt jede Anlage im Detail verstehen, fundiert auswählen und jederzeit begleiten zu können. Auf die mit dieser Strategie verbundenen Personal- und auch IT-Kosten muss allerdings geachtet werden. Wichtig ist stets eine ehrliche Abwägung, was man sich selbst zutrauen kann. Wir würden zum Beispiel nie selbst einen Windpark betreiben oder Emerging-Market-Bonds kaufen. Unternehmensanleihen mitsamt Credit-Analyse und Rating von im Euro Stoxx 50 oder Dax gelisteten Unternehmen trauen wir uns aber zu. Ein klassisches Euro-Investment-Grade-Corporate-Bond-Mandat vergeben wir daher nicht mehr.

Und High Yields?
Die Attraktivität von High Yields liegt aus unserer­ Sicht darin, dass die Korrelation zu Aktien hoch ist. Wir setzen die Anleihen daher über Mandate nicht nur wegen der hohen Kupons, sondern auch als eine Alternative zu Aktien ein. Positiv ist zudem, dass der Malus durch die Risikozuschläge für High Yields im Bafin-Stresstest viel geringer als die Aktien­stressfaktoren ist.
Natürlich besteht in beiden Asset-Klassen das Risiko einer hohen Volatilität und gegebenenfalls sogar eines Totalverlusts. Gerade im Moment steigen die Default-Rates wieder deutlich an. Im Ergebnis können High Yields trotz der erweiterten Anlagegrenze der neuen Anlage­verordnung wohl nur eine Beimischung sein.

Ist es verdächtig, dass fast jeder Dollar-Anleihen empfiehlt?
Ich arbeite seit über 25 Jahren für mehrere institutionelle­ Anleger. Das in der Zeit beobachtete Anlageverhalten entspricht meines Erachtens leider häufig einem „Herdentrieb“. Getrieben werden die Anleger dabei vom Kapital­marktverlauf, den Regularien und teilweise vom Wettbewerb. Abweichendes innovatives Anlageverhalten wird im Erfolgsfall meist nicht honoriert, höchstens anerkannt, bei einem Misserfolg aber stets sanktioniert.
Leichter ist es daher eher dem Mainstream zu folgen. Zur Zeit ist ein solches Thema, aus der Anlagenot heraus, unter anderem Mandate­ für auf US-Dollar lautende Unternehmensanleihen zu vergeben und das Währungsrisiko abzusichern. Alle Erfahrung zeigt aber, dass es gefährlich wird, wenn auch der letzte Investor ein neues Anlagefeld für sich „entdeckt“ hat. Dieser Umstand und die veränderte Geldpolitik der Fed beziehungsweise der erwartete Dollaranstieg machen es für uns wahrscheinlich, dass das genannte Anlage­thema schon bald kein gutes mehr für Euro-Investoren sein könnte.

Wird sich dieses gleichartige Anlageverhalten aus Ihrer Sicht irgendwann einmal ändern?
Das Anlageverhalten aller VAG-Anleger war zumindest bis Ende des Jahres noch sehr ähnlich, da dieselben externen Rahmenbedingungen galten. Möglicherweise kommt es ab 2016 aber zu unterschiedlichen Tendenzen, da die Versicherer nun prinzipiell und bei gegebenen Eigenkapital ohne aufsichtsrechtliche Vorgaben anlegen könnten. Es bleibt abzuwarten, wie sie diese Chancen­ umsetzen werden. Speziell die Pensions­kassen könnten aufgrund der Art des betriebenen Versicherungsgeschäftes grundsätzlich breit gestreut und vor allem langfristig anlegen. Am Ende des Tages werden die Möglichkeiten häufig leider nicht genutzt, da die aufsichtsrecht­lichen und/oder internen Vorgaben dies verhindern.­
Dieser Umstand ist schade, da meiner Auffassung nach bereits eine angemessene Streuung der Gesamtanlagen eine einfache und effiziente­ Form des Risikomanagements darstellt. Dies gilt auch weiterhin, obwohl in den letzten Krisen die Korrelationen zwischen den wesentlichen Asset-Klassen jeweils stark angestiegen sind.

Hängt es vom Alter des Verantwortlichen und den aufgebauten Reserven ab, ob man mutiger­ agiert? Reserven wurden in der Vergangenheit meist dadurch gebildet, dass man sich immer für die Anleihen mit der höchsten Bonität und der längsten Laufzeit entschied.
Sicher ist der Mut bei der Anlage keine Frage des Alters, sondern der konkreten Rahmenbedingungen jeder Pensionskasse und vor allem­ der Rückendeckung aus den eigenen Gremien für die Anlagepolitik. Viele Pensionskassen hatten bis vor ein, zwei Jahren noch 80 bis 90 Prozent Fixed Income in Pfandbriefen und Namensschuldverschreibungen. Das war gut so, da ausreichend rentierlich und einfach zu verwalten. Man brauchte weder viel Personal, noch dezidiertes Know-how über „exotische“ Anlageklassen und in der Bilanz bauten sich durch die fallenden Zinsen üppige Reserven auf. Aber jetzt werden diese Papiere sukzessive fällig. Und wie will man das Geld nun neu anlegen? Bestimmt nicht zu 0,5 Prozent für zehnjährige einheimische Laufzeiten. Wir sehen viele Pensionskassen, die sich daher jetzt auch Anlage­alternativen nähern, die bis vor einiger Zeit tabu waren.

Müssen Pensionskassen bei Anleihen auch die zunehmende Illiquidität fürchten?
Wir hatten zum Beispiel zwei Unternehmensanleihen im Bestand, bei denen uns das Rating nicht mehr gefiel. Wir wollten sie daher im Sommer verkaufen. Unser Portfolio­management hat ein bis zwei Wochen daran gearbeitet, die Anleihen in kleinen Stückelungen abzustoßen. Früher reichte ein Anruf, um von einer der Anleihen mehrere Millionen abzugeben. Aufgrund von Basel III können­ die Banken kaum mehr Bestände über Nacht oder länger auf die eigenen Bücher nehmen. Dieser Umstand kann dazu führen, dass die Märkte insbesondere in Krisen­situationen austrocknen und eigentlich­ gängige Papiere plötzlich illiquide werden.

Wohl dem, der sich die Liquidität von Blue-Chip-Aktien leisten kann. Wie viele Aktien hat die Philips PK?
Die Aktienquote liegt derzeit bei rund sechs Prozent. Gute Aktien – das können auch Small Caps sein – sind aus meiner Sicht eine zentrale Anlagealternative für die nächsten Jahre. Wir fühlen uns zwar mit der Quote generell gut aufgestellt, zumal wir für diese Bestände ein externes Overlay-Management installiert haben, ein höheres Volumen können wir wegen des Bafin-Stresstests aber momentan nicht eingehen. Insbesondere die Eingruppierung aller Arten von Beteiligungen, unabhängig vom konkreten Hintergrund, als „Aktien“ wirkt hier stark limitierend.

Dafür hat die PK das Ziel, einen hohen Anteil der Anlagen in Alternatives zu investieren.
Aktuell haben wir einen größeren Anteil der Gesamtanlagen in Erneuerbare Energien, also­ Photovoltaik, Wind und Wasser, investiert. Dazu kommen Waldinvestments. Die Strategie ist es, die Quote bis auf weiteres nicht unter das erreichte Niveau fallen zu lassen.­ Dafür müssen wir immer wieder für kleinere Volumina neue Zusagen geben, da wir bei den KG-Strukturen mit den Ausschüttungen auch immer einen Teil des Eigen­kapitals zurückbekommen. Zu Alternatives zählen wir grundsätzlich auch die Asset-Klassen­ „Volatilität“­ und „Währungen“, sind aber aktuell hierin nicht (mehr) investiert.
Volatilität ist eine interessante Asset-Klasse, die laufenden Erträge unserer ehemaligen Investments­ waren aber einfach zu gering. Volatilität beobachten wir vorerst weiter. Währungen haben als eigenständige Asset-Klasse bei uns überhaupt nicht funktioniert. Wir hatten an namhafte Währungsmanager Mandate­ für verschiedene Anlagestrategien vergeben. In der Praxis hatten wir zwar am Ende hohe Schwankungen in den Preisen, aber kaum stabile Erträge und fallweise sogar Abschreibungen. Währungen werden wir daher nicht mehr isoliert abdecken.
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Gibt es noch andere Ansätze, die Ihnen nicht mehr ins Portfolio kommen?
In der Vergangenheit haben wir für Aktien und Renten fallweise auf Trendfolgemodelle gesetzt. Das würden wir heute nicht mehr machen. Häufig läuft das gleiche Schema ab: Trendfolger haben (temporär) einen Lauf, die Ergebnisse sind hervorragend, die Presse wird aufmerksam, man selbst auch und investiert. Sobald man aber dabei ist, kippt der Trend, und die Trendfolgemodelle funktionieren nicht mehr. Wir haben die Ergebnisse unserer ehemaligen Asset Manager weiter verfolgt. Wirklich langfristig überzeugen konnte unserer Einschätzung nach keiner.
Uns erscheint im Fazit das richtige Timing eines­ Engagements in diesen Ansätzen gegen­über anderen Managementstrategien zu entscheidend für den Anlageerfolg zu sein.

Wie haben sich Renewables entwickelt, und wie attraktiv sind diese heute noch?
Wir sind mit unseren Investments sehr zufrieden. Man muss aber festhalten, dass fünf bis sechs Prozent jährlicher Ertrag, wie wir ihn heute ganz überwiegend vereinnahmen, nicht mehr möglich ist. Mit Onshore-Wind sind noch vier bis viereinhalb Prozent erzielbar. Photovoltaik ist gänzlich unattraktiv geworden. Wer eine höhere Rendite will, muss Offshore-Wind wählen. Wir selber werden hier aber mindestens noch 2016/2017 abwarten, wie sich die Technik weiterentwickelt und wie sich die Parks zum Beispiel gegen Wellen­schlag und Korrosion verhalten, bevor wir eventuell Investments tätigen.
Die ersten Zusagen für Erneuerbare-Energien-­Projekte hat unsere Kasse bereits 2009 gegeben. Gut funktioniert hat seitdem die Diversifikation zwischen Wind und Sonne. Es gab schwache Windjahre mit viel Sonne und umgekehrt. Die Energiearten zu mischen hat sich als richtig erwiesen – gleiches gilt auch für die Technologien und die Asset Manager.
Sehr unschön war, dass Spanien und Italien ihre Gesetze rückwirkend geändert haben. Natürlich hatten wir vorab als ein wesent­liches Risiko identifiziert, ob die Staaten ihre Zusagen einhalten. Im Ergebnis wurde entschieden, nur in der Europäischen Union anzulegen, da wir die Rechtssicherheit hier als bestmöglich erachtet hatten. Der regionale Schwerpunkt unserer Anlagen liegt daher auch klar in Deutschland und Frankreich.
Leider kam es aus der Not der südeuro­päischen Länder heraus anders. Den Sammel­klagen gegen den spanischen und italienischen Staat haben sich unsere zwei betroffenen Beteiligungsgesellschaften angeschlossen. Ob diese erfolgreich sein werden, wird sich aber erst in ferner Zukunft erweisen. Nichtsdestotrotz stehen alle Anlagen noch und produzieren laufend Strom und gute Erträge. Die Renditen unserer Anlagen in Renewables liegen trotz der vereinzelten Rückschläge deutlich höher, als wir zum Beispiel mit deutschen Pfandbriefen in den letzten fünf, sechs Jahren hätten erzielen können. Wir gehen davon aus, dass dies auch in den kommenden Jahren, wenn festverzinsliche Wertpapiere unter dem allgemeinen Zins­anstieg leiden werden, der Fall sein wird.

Mit Blick auf die Ausbauziele der Bundes­regierung und darauf, dass die Anlagen in 20 Jahren abbezahlt und abgeschrieben, aber wohl nicht schrottreif sind, könnten die Renditen vielleicht auch noch steigen?
Das hängt vom technologischen Fortschritt ab. Möglicherweise lohnt sich nach 20 Jahren Nutzung eine Zweitverwertung der Anlagen oder auch der Weiterbetrieb noch. Derzeit entwickelt sich zudem ein Zweitmarkt für PV-Anlagen und Windparks, so dass auch der Verkauf innerhalb der Förderzeiträume attraktiv­ sein könnte.

Was sind die Erfahrungen mit Investments in Wald und Wasser?­
Dort, wo Investments in Wasserkraftwerke wirklich lukrativ sind – unter anderem in den Alpen oder in Skandinavien –, sind Assets kaum erwerbbar. Also bleiben primär nur die Flüsse, deren Fließgeschwindigkeit aber häufig nicht hoch genug ist. Einheimische Kraftwerke an Flüssen sind außerdem in der Regel fest in den Händen der Energieversorger oder diese haben ein Vorkaufsrecht dafür. Alternativen liegen außerhalb Europas, zum Beispiel in Kanada oder in der Türkei, inklusive dem Währungsrisiko. Letztendlich sind die Renditen in Euro bei Wasser eher überschaubar.
An Waldinvestments schätze ich, dass kaum Schwankungen der Erträge bestehen. Gegen Sturm- und Feuerschäden gibt es Versicherungen. Außerdem überzeugt Wald als Langfrist­anlage in Asset-Liability-Studien. Es ist schön, die Erträge im wahrsten Sinne des Wortes wachsen zu sehen. Wir sind aktuell über Fonds mit einem überschaubaren Betrag in Skandinavien, Nord- und Südamerika investiert. Allerdings bauen wir unsere Investments­ langsam wieder ab. Die Aussage, dass mit Wald jedes Jahr vier bis fünf Prozent ausgeschüttet werden können, hat sich ausdrücklich nicht bewahrheitet. Richtig sind eher zwei bis vielleicht drei Prozent. Die laufenden Bewirtschaftungskosten sind hoch und das Wachstum der lukrativen Holzsorten langsam.

Berechnen Sie für Alternatives einen Value at Risk?
Das ist für uns ein wirkliches Thema. Bei Erneuerbaren Energien an für das Risiko­management geeignete Daten zu kommen, ist schwierig. Man hat vielleicht für Deutschland Daten zu Sonnenstunden und deren Schwankungen, aber nicht für andere Länder oder für Wind. Wir nehmen daher die Echt­daten unserer Investments, die wir über die Jahre gesammelt haben. Problematisch ist es, die Förderungskürzungen in Spanien und Italien angemessen abzubilden. Wir versuchen, die Effekte über mathematische Verfahren zu glätten.

Anbieter von Private-Equity-Fonds vermissen wir in Ihrem Portfolio
Was wir nicht machen, sind tatsächlich Hedgefonds und Private Equity. Hedgefonds vertragen sich nicht mit unserem Transparenz­anspruch. Wir haben uns die Vorgabe gegeben, alle Investments zu durchleuchten, diese zu verstehen und unseren Gremien vollumfänglich darüber berichten zu können. All diese Punkte sehen wir bei Hedgefonds als nicht oder nur gering gegeben an. Allerdings erscheint der Verzicht auf die Asset-­Klasse nicht so gravierend zu sein, da die Renditen gemäß unserer Beobachtung häufig nicht die hohen Erwartungen erfüllen können und zudem stark schwanken. Wie wir sehen, ziehen sich daher einige Investoren wieder vollkommen aus diesen Fonds zurück.
Private Equity schätze ich persönlich als attraktive­ Asset-Klasse ein, es findet aber in unseren Gremien keinen Anklang. Vor allem die teilweise negativen Assoziationen generell und die eigenen gelebten Erfahrungen von Kollegen mit der Arbeit von Private-Equity-Unternehmen schlagen hier durch und führen zu der Ablehnung.­

Nicht zu vergessen: Immobilien.
Ja. Traditionell hat die Philips Pensionskasse immer eine größere Anzahl an einzelnen Objekten­ im Bestand, überwiegend reines Wohnen. Gerne realisieren wir im Großraum Hamburg auch Neubauprojekte selber. Dazu kommen als Satelliten Spezialfonds zu Themen­ wie betreutes Wohnen, Logistik oder Hotels.

Wie funktionieren Sozialimmobilien?
Der Fonds schließt einen Vertrag mit dem Betreiber einer Sozialimmobilie. Der Betreiber wiederum bekommt Einnahmen von den Heimbewohnern und von der Renten­versicherung. Wichtig ist, dass der Fonds in solche Häuser investiert, die eine möglichst dauerhafte Vollbelegung erwarten lassen und dass diese Häuser in demografisch interessanten und einkommensstarken Gegenden liegen. Kritisch wird es, wenn der Betreiber in Konkurs geht, das Betreuungspersonal abgeworben wird oder Prüfer Mängel feststellen. Es kann also mit solchen Spezialimmobilien durchaus viel passieren. Aber risikolos gibt es keine Renditen. Daher sollten diese Spezialthemen auch von Spezialisten gemanagt werden.

Warum investieren Sie in Aktien über Publikums- und in Immobilien über Spezialfonds?
Bei dem überschaubaren und vor allem schwankenden Volumen unserer Aktien­anlagen macht die aufwendige Auflegung und Schließung von Spezialfonds keinen Sinn. Generell nutzen wir Spezialfonds nur für längerfristige Engagements. Hingegen setzen wir Publikumsfonds ein, um erstens schnell in Asset-Klassen zu investieren und uns ebenso schnell wieder zu verabschieden. Zweitens lässt sich auf diese Weise auch mit begrenzten Mitteln eine attraktive regionale und Managerstreuung erreichen.
Die Flexibilität durch den Erwerb von Publikums­fonds für „kritische“ Anlagearten, wie Aktien und gelegentlich auch Rohstoffe, ist vor dem Hintergrund der in- und externen Stresstests und des eigenen Risikomanagements von großem Vorteil. Auf den Einfluss auf die konkrete Anlagepolitik und die Kosten der Produkte muss dafür verzichtet werden.
Unsere Immobilienmandate stellen mehrjährige Anlagen dar, also beteiligen wir uns in diesem Fall an Spezialfonds. Hier nehmen wir dann auch die bei Spezialfonds mög­lichen Mitspracherechte in den Anlageausschüssen aktiv wahr. Anlagen in offene Immobilien-­Publikumsfonds sind Pensionskassen aufsichtsrechtlich ohnehin untersagt.

Und warum drei Masterfonds?

Das hat historische und administrative Gründe. Wir setzen bewusst getrennte Masterfonds für Anleihen, für Aktien und für Immobilien ein. Die Masterfonds wurden dabei von uns im Zeitablauf sukzessive nacheinander aufgelegt. Als letztes die Lösung für die Bündelung der zuvor erwähnten Immobilienspezialfonds. Weil wir eine eindeutige und jeder­zeitige Information über die investierten Mittel­ pro Asset-Klasse für das Risikomanagement brauchen und zudem die Hoheit über die Asset-Allokation behalten wollen, vergeben wir grundsätzlich keine gemischten Mandate.­
Wir haben einen externen Overlay-Manager für die Aktienanlagen implementiert. Es wäre aufwendiger, dies für einen Teil eines Gesamtportfolios zu realisieren als über einen abgegrenzten Masterfonds. Weitere Punkte sind die optimaleren Reserven- und Bilanzsteuerung sowie Themen wie Reporting, Stresstests und ALM-Management. Die Umsetzung dieser Aspekte fällt uns mit klar strukturierten und getrennten Masterfonds pro Anlageart leichter, da eine laufende und aufwendige Durchleuchtung und Zerlegung eines Gesamtfonds entfällt. Unserer Erfahrung nach sind die zugelieferten Daten der KVG und/oder der Verwahrstelle zwar hilfreich und unerlässlich, aber oft nicht lückenlos und enden häufig im „Restwert“.
Insgesamt sind mit den drei getrennten Töpfen aus unserer Sicht also flexibler, ohne dass uns dies bei der Master-KVG oder Verwahrstelle wesentlich mehr kostet, als wenn wir nur einen großen Gesamtfonds vorhalten würden.

Von Patrick Eisele

portfolio institutionell, Ausgabe 1/2016

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