Alternative Anlagen
20. November 2017

Dekarbonisierung ist Risiko und Chance

Feri-Studie warnt vor CO2-Risiken. Family Office fordert Einführung einer CO2-Steuer.

Für den Übergang zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft fehlt es in vielen Branchen immer noch an den notwendigen Schlüsseltechnologien. Zu diesem Ergebnis kommt das Feri Cognitive Finance Institute in einer aktuellen Studie, die in Zusammenarbeit mit ISS-Ethix Climate Solutions erstellt und im Rahmen der 23. UN-Klimakonferenz in Bonn vorgestellt wurde. Das Feri Cognitive Finance Institute ist strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik der Feri Gruppe.
Vor allem beim Thema Dekarbonisierung – also der Abkehr von kohlenstoffhaltigen Energieträgern – bestehe in vielen Sektoren noch erheblicher Nachholbedarf. „Die selbstgesteckten Dekarbonisierungsziele der Unternehmen und die bislang ergriffenen Transformationsmaßnahmen klaffen zum Teil weit auseinander“, sagt Dr. Kevin Schaefers, Co-Founder des Feri Cognitive Finance Institute. Daraus resultierten signifikante und nachhaltige Risiken für Investoren – aber auch Chancen. „Im Zuge der UN-Klimaziele und der damit verbundenen Dekarbonisierung müssen zahlreiche Unternehmen neu bewertet werden – vor allem bezogen auf ihre Öl- und Gasreserven“, so Schaefers. Dadurch eröffneten sich jetzt im Rahmen einer langfristigen Anlagestrategie neue Optionen.
Die Studie gibt einen Überblick über den Status Quo der Transformation in den betroffenen Sektoren sowie über ihren Einfluss auf die Kapitalmärkte. „Klimawandel und Dekarbonisierung haben weit reichende Auswirkungen auf alle industriellen Sektoren, aber sie unterscheiden sich in ihrer Intensität, Dauer und Bedrohung“, sagt Dr. Maximilian Horster, Head of ISS-Ethix Climate Solutions: „Investoren müssen daher im Hinblick auf die langfristige Entwicklung alle Sektoren beobachten“.
Für einen besonders hohen Anteil an den weltweiten direkten CO2-Emissionen sei die Elektrizitäts- und Wärmeproduktionsbranche verantwortlich (25%), gefolgt von Land- und Forstwirtschaft (24%), Industrie (21%), Transport (14%) sowie Immobilien (6,4%). „In keiner dieser Branchen konnten wir bislang hinreichende Fortschritte in den Schlüsseltechnologien feststellen, die für den Übergang zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft erforderlich sind“, betont Dr. Kevin Schaefers. Auch beim Thema Transparenz fehle es an Signalen aus der Wirtschaft: Laut Studie berichtet nur eine Minderheit der Unternehmen in diesen Sektoren über ihre Emissionen. „Wenigstens diese Maßnahme sollte angesichts der UN-Klimaziele zum jetzigen Zeitpunkt selbstverständlich sein“, so Schaefers. Doch auch auf Seiten der Investoren gebe es Nachholbedarf: Laut dem Feri-Institut unterschätzen Investoren sowohl das Risiko einer möglichen Carbon-Blase („Carbon Bubble“) als auch die Investitionschancen, die sich im Zuge der Dekarbonisierung von ganzen Volkswirtschaften ergeben.
Zu den Risiken für Investoren zählt die Einführung einer CO2-Steuer. Auf der Bonner Klimakonferenz der UN wurde eine solche Besteuerung gefordert. „Abgase haben ihren Preis – und den müssen die Verursacher bezahlen. Anders wird es keine wirksamen Anreize zur Vermeidung von CO2 geben“, sagt Impact Investor Jochen Wermuth am Rande des COP23-Gipfels. Wermuth Asset Management ist ein Family Office, das auch als Bafin regulierter Anlageberater agiert. Für den Internationalen Währungsfonds liege laut Wermuth der faire Preis bei 130 Euro je Tonne CO2. Er ist die Summe aus 60 Euro für die lokalen Gesundheitskosten und 70 Euro für die weltweiten Klimaschäden. Von der künftigen Bundesregierung fordert Wermuth mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen, die wirtschaftlichen Potenziale von Klimaschutz stärker in den Blick zu nehmen. „Wirtschaft und Klimaschutz sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Durch nachhaltiges Wirtschaften und die Ausrichtung auf Zukunftstechnologien werden Arbeitsplätze, Sicherheit und Wohlstand in Deutschland gesichert. Wenn wir in Sachen nachhaltiges Wirtschaften keine echte Vorreiterfunktion übernehmen, wird Deutschland abgehängt.“
Dieses Bild nahm auch UN-Generaldirektor Michael Moller auf dem Faros Institutional Investors Forum auf: „Der Nachhaltigkeitszug ist nicht mehr aufzuhalten. Entweder Sie springen auf oder Sie bleiben zurück.”
portfolio institutionell 17.11.2017/Patrick Eisele
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