Schwarzer Schwan
17. Januar 2020

Der Spiderman und das Rentensystem

Zur Altersvorsorge von Extremkletterern

Zu den festen Bestandteilen der Folklore von Arbeitskämpfen in Frankreich gehören tagelange (Warn!)-Streiks gegen jede Art von Reformen, Ausschreitungen, Krawalle, die Geiselnahme von Managern und das Festhalten am Renteneintrittsalter von 62 Jahren. Um ein neues Protestelement der gallischen Protestkultur machte sich nun der Fassadenkletterer Alain Robert mit seiner jüngsten Tour verdient.

Am Montag erklomm der französische Spiderman Alain Robert in einer knappen Stunde das 187 Meter hohe Gebäude des Ölkonzerns Total im Pariser Büroviertel La Défense – wie immer solo und ohne Sicherung. Robert hat weltweit zahlreiche Bürogebäude bestiegen. Vergangenes Jahr kletterte er das Skyper-Gebäude in Frankfurt hoch. Die Aufmerksamkeit für die jüngste Klettertour nutzte Robert nach Abwicklung der üblichen Formalitäten – High Five mit dem Empfangskomitee der Polizei nebst Aufnahme von Personaldaten – für eine politische Protestbotschaft gegen die geplanten Rentenreformen. Schließlich unternimmt Robert seine Büroturm-Klettertouren nicht, um sich in den Spiegelfassaden die Haare zu richten.

Die Rente ist unsicher

Gegenüber der Presse zeigte sich Robert über die Renten-Reformpläne und seine Pensionsansprüche sehr besorgt. „Mit 57 Jahren bin ich nicht mehr weit von der Rente entfernt“, zitierte die FAZ den Kletterkünstler. „In kann nur Geld verdienen, indem ich klettere. Soll ich das etwa bis 64 tun? Oder sogar bis 67?“ Klettern sei besonders „beschwerlich“, was in seinem Fall mit angerechnet werden müsse.

Pensionsfonds der Schwert- und Feuerschlucker

Die gern von der SPD für Dachdecker propagierten Altersteilzeitlösungen sind für freischaffende Künstler nicht praktikabel. Hilfreicher wären kapitalgedeckte Altersvorsorgelösungen. Es bräuchte beispielsweise eine Pensionskasse für Extremkletterer, eine Anlagestiftung für Raubtierdompteure oder einen Pensionsfonds der Schwert- und Feuerschlucker. Die ALM-Strukturen solcher Branchenlösungen wären zwar herausfordernd. Dafür winken den Anbietern auf Grund der risikoreichen Tätigkeiten jedoch schöne versicherungstechnische Gewinne.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell.

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