Schwarzer Schwan
2. November 2018

Disrespekt der Bank muss geahndet werden

Klare Ansage statt klapprige Anklage

„Bullshit, Bullshit” – nicht gerade souverän aber dafür sehr deutlich ging Christian Sewing, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank, auf die Frage besorgter Mitarbeiter nach einer eventuellen Fusion mit der Commerzbank ein. Nach dieser Antwort besorgt war dann aber laut dem Manager Magazin die Moderation des Führungskräfte-Meetings: „Natürlich darf niemand Christian damit zitieren.“ Trotzdem wurden die Sewingschen Kraftmeiereien aber prompt gegenüber der Financial Times ausposaunt. Bezüglich gepflegter Umgangsformen und Diskretion scheint bei der Deutschen Bank also nicht alles ganz perfekt zu sein. Diese Entwicklung begann wohl anno 2002 zu Zeiten des damaligen Bankchefs Rolf Breuer. Dieser gab damals Auskünfte zur Kreditwürdigkeit des Kunden Leo Kirch im Fernsehen zum Besten.

Carsten und Eric

Gelungene Kommunikationsformen bei einer und zu einer Bank sind aber auch ohne Knigge möglich – zum Beispiel per SMS. Vor einigen Jahren fixte Eric Sarasin von der Nachhaltigkeitsbank Sarasin seinen Freund Carsten Maschmeyer mit schönen Renditen aus Dividendenstrategien an. Diese konzentrierten sich weniger auf die Ausschüttungen der Gewinne von Unternehmen als auf die Ausschüttungen von Steuerrückerstattungen von Vater Staat. „Maschi“ investierte daraufhin über 50 Millionen Euro – und musste fortan wie einer seiner gewöhnlichen AWD-Kunden um investiertes Kapital bangen.

Es entspann sich ein SMS-Dialog, bei dem Sarasin an den lieben Carsten und Maschmeyer an den lieben Eric schrieb. Diesen Austausch druckte die Schweizer Boulevardzeitung Blick ab. Lange versuchte Sarasin Maschmeyer zu beruhigen und hinzuhalten: „Werde dafür sorgen, dass diese Summen bis Anfang April zurückkommen! Ergibt immer noch zwölf Prozent Rendite.“ Bei Maschmeyer änderte sich daraufhin anscheinend die Gemütsverfassung von Angst in Gier: „Übrigens [mein Sarasin-Kundenberater] Henke redet von 25 Prozent Rendite?“ Die Antwort von Sarasin schwankt zwischen Banker-Humor und entwaffnender Ehrlichkeit: „Klar, sorry, wollte die Hälfte für mich einsacken :)).“

Das Buch Udo

Wie man besser Druck auf seinen Banker ausüben kann, hätte der Finanzexperte Carsten Maschmeyer vom Sänger Udo Lindenberg lernen können. Lindenberg hatte einer seriösen Hamburger Bank vier Millionen Euro zur vorsichtigen Verwaltung anvertraut. Diese Bank führte daraufhin bis zu 30 Transaktionen am Tag aus – es begab sich schließlich zu Zeiten des Neuen Marktes – und bestellte dann dem Kunden, dass wegen einer ungünstigen Marktentwicklung nichts mehr da ist. Lindenberg wurde daraufhin persönlich vorstellig und machte seinem „Berater“ eine glasklare Ansage, die dem lesenswerten Buch „Udo“ zu entnehmen ist:

„Ihr habt euch an meiner Verarmung bereichert, als wäre ich irgendein A., aber ich bin Lindenberg. Euer Verhalten verstößt gegen den Ehrenkodex. Das ist Disrespekt. Das muss geahndet werden.“ Udo groovte sich nun ein: „Ich habe viele Freunde. Denen kann ich das gar nicht erzählen, was ihr mit mir gemacht habt. Die würden da nicht stillhalten können, egal ob ich mit meinen Freunden auf der Reeperbahn oder mit denen im Kanzleramt spreche. Ihr seid gesunde, vermögende Menschen hier bei eurer Bank, steht in der Blüte eures Lebens. Also seid vernünftig. Ich will, dass es euch gut geht, und damit dies so bleibt, wäre es vernünftig, wenn ihr mir drei Millionen Euro zurück auf mein Konto zaubert.“ Mit einem Roboadvisor ist ein solches Event Banking leider auch für einen Rockstar nicht mehr möglich.

Lindenberg wollte also wenigstens 75 Prozent zurück – und die bekam er dann auch ein paar Wochen später anstandslos überwiesen. Maschmeyer bekam etwa den gleichen Anteil zurück, musste dafür aber klagen und als Finanzexperte vor Gericht den steuerlichen Laien mimen. Im Vergleich wirkt Lindenberg als Investor überzeugender.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

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