Versicherungen
22. Oktober 2018

Eiopa sieht im grünen EU-Aktionsplan Gefahr für Finanzstabilität

Berlin steht hinter Aktionsplan. Bafin sieht Versicherer in der Verantwortung.

Auf der GDV-Konferenz zur Versicherungsregulierung in der vergangenen Woche wurde neben Erleichterungen bei den umfangreichen Dokumentations- und Berichtspflichten der Versicherer insbesondere über den Aktionsplan der EU-Kommission zur Förderung nachhaltiger Investments diskutiert. Der Plan der EU-Kommission umfasst laut GDV unter anderem ein einheitliches Klassifizierungssystem für nachhaltige Kapitalanlagen, standardisierte Produkte und erhöhte Transparenzanforderungen.

Wie Wortmeldungen zu entnehmen sind, die der Versicherungsverband publizierte, wird das Vorhaben selbst von Experten nicht abgelehnt. Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen, hält die Beachtung von ökologischen Aspekten bei der Kapitalanlage sogar für unerlässlich. „Bei langfristigen Sachen wie der privaten Altersvorsoge sollte man auch Klimarisiken beachten, weil Dinge aufpoppen können, die das Geschäftsmodell infrage stellen.“ Rentabilität und Nachhaltigkeit seien zwei Seiten einer Medaille. Auch die Bundesregierung unterstütze laut GDV die EU-Pläne.

Andere Konferenzteilnehmer haben die Umsetzung des Aktionsplans im Visier. So warnte Finanzstaatssekretär Jörg Kukies vor der Bevorzugung grüner Anlagen durch regulatorische Anreize: „Wenn darunter eine pauschale Reduzierung der Kapitalunterlegung gemeint ist, scheint uns Vorsicht geboten.“ Grüne Investitionen seien nicht per se risikoärmer. Vielmehr komme es darauf, dass die Unternehmen ihre Risiken beherrschten.

Auch die Eiopa begrüßt das Vorhaben der EU-Kommission, eine einheitliche Definition für nachhaltige Kapitalanlagen zu entwickeln, berichtet der GDV. Eiopa-Chef Bernardino sieht aber auch Gefahren: „Die große Frage ist: Wie gehen wir mit den Kriterien um?“ In einer Welt, die nur noch zwischen grünen und braunen – zwischen vermeintlich guten und schlechten – Investments unterscheidet, bestehe die Gefahr von Verwerfungen. „Wenn braune Anlagen plötzlich verdammt werden, dann ist das ein Risiko für die Finanzstabilität“, so Bernardino. Der Weg hin zu einem grünen Finanzmarkt müsse daher schrittweise erfolgen, mahnte der Portugiese.

Bafin: Versicherer sollen ökologische Wende mitgestalten
BaFin-Exekutivdirektor Grund sieht die Versicherer bei der Gestaltung der ökologischen Wende ohnehin stärker in ihrer Rolle als Risikoträger in der Verantwortung, und weniger als Kapitalanleger. Die Branche könne Anreize setzen, damit Unternehmen nachhaltiger wirtschaften. „Sie wissen sehr viel über Risiken und wie man sie bepreist. Der ökologische Wandel selbst muss von der Industrie kommen“, so Grund zu den Konferenzteilnehmern.

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