Investoren
9. August 2019

Erwartungsmanagement und Asset Management

Nachhaltigkeit und Alternatives sind als große Themen in der institutionellen Kapitalanlage derzeit gesetzt. Offen ist jedoch oft die Umsetzung. Ihre Vorstellungen an Asset Manager formulierten Investoren auf der 22. Jahrestagung Portfoliomanagement und auf der BAI Alternative Investor Conference.

Wann, wenn nicht jetzt, brauchen Investoren gute Dienstleister? Überzeugen kann die Performance der Asset Manager aber nicht ­immer. Als Ursachen benannte die Investmentgesellschaft Baillie ­Gifford „unnötige Verwaltungskosten“, wenn Asset Management ein „bloßer Selbstzweck“ sei und die Verfolgung von lediglich „kurzfristigen Zielen“. Das ursprüngliche Ziel der Kapitalmärkte, ­Kapital in die Finanzierung innovativer Ideen zu lenken, hätten zu viele Investmentmanager aus den Augen verloren. „Wer in Reaktion auf die sich zunehmend schneller veränderte Nachrichtenlage in den Märkten eng getaktet Anteile erwirbt und veräußert, kann sich hier und da ­vielleicht ganz gut in Szene setzen. Wer aber zu viel spekuliert, produziert vor allem unnötige Verwaltungskosten – ohne dass aus dieser ­Tätigkeit irgendein realwirtschaftlicher Mehrwert entsteht“, las Stuart Dunbar, Partner bei Baillie Gifford, seinen Branchenkollegen die Leviten. Wer jedoch im Ringen um den kurzfristigen Gewinn am besten davonkomme, profitiere von Bonuszahlungen und erhalte die besten Karriereaussichten – für Dunbar ein Fehlanreiz, der zudem Kapitalmarkt-Ineffizienzen fördere. Die Tätigkeit der Investment­manager drohe so zum Nullsummenspiel und bloßen Selbstzweck zu werden.

Nach Kosten wird das Nullsummenspiel für die Investoren sogar ­negativ. Nach einer Marktuntersuchung zu Gebühren der als Rating-Agentur und als Berater tätigen Gesellschaft Telos werden ­hierzulande beispielsweise für ein aktives Aktienmandat im Volumen von bis zu 50 Millionen Euro zwischen 20 und 102 sowie als Median 47 Basispunkte aufgerufen. Bei Unternehmensanleihen (Investment Grade und HY) lauten diese Werte 14, 75 und 27 Basispunkte und für Multi Asset 20, 80 und 35 Basispunkte. „Unsere Studie bestätigt, dass die Gebühren bei komplexeren Anlageuniversen tendenziell steigen und bei höheren Mandatsvolumina eher fallen. Insgesamt stehen die ­Gebühren unter Druck“, resumiert Telos-Gesellschafter und Geschäftsführer Dr. Frank Wehlmann.

Was Investoren von Asset Managern erwarten, wurde zuletzt auf zwei Podiumsdiskussionen deutlich, auf der Investoren neben anderem auch auf ihre Dienstleister eingingen. Kosten und Gebührenmodelle waren dabei aber nur ein Aspekt. Weitere wichtige Anforderungen an Asset ­Manager betreffen auch Themen wie Nachhaltigkeit, Know-how und – gerade in den alternativen Segmenten – dass passende ­Volumina ­gegeben sind.

Nachhaltigkeit zieht sich auch durch Alternatives

Die Integration von Nachhaltigkeit in den Investmentprozess diskutierten auf der 22. Jahrestagung Portfoliomanagement Soka-Bau-­Vorstand Gregor Asshoff, KZVK-Vorstand Dr. Oliver Lang und Anja Mikus, CEO und CIO des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo). In Auswahlprozessen nachhaltige Asset Manager zu selektieren, scheint für das Trio keine große Hürde mehr zu sein. „Viele Asset Manager nehmen das Thema inzwischen sehr ernst“, konstatierte Dr. Oliver Lang. Dies gelte nicht nur für Aktien und Anleihen. „Es ist auch bei Private Equity keine Herausforderung mehr, auch unter ESG-Gesichtspunkten überzeugende General ­Partner zu finden“, so Lang. Lang nennt zudem einen Grund, warum heute nachhaltiges Investieren in allen Asset-Klassen anzutreffen ist: „Die Vorstellung, dass Nachhaltigkeit Performance kostet, begegnet mir heute nicht mehr.“ Diese Erkenntnis vereinfacht auch die interne Vermittlung von ESG. Gregor Asshoff teilte hierzu mit, dass es „nicht besonders schwer“ war, nachhaltige Anlageprinzipien in der eigenen Organisation durchzusetzen. Stichhaltig waren für die Soka-Bau-­Gremien der Verweis von Asshoff auf die regulatorische, europäische Ebene und das Argument, „dass die Identifikation von Risiken schon immer Teil eines vernünftigen Risikocontrollings war.“ Interessanterweise betonte Asshoff auf der Jahrestagung insbesondere die ­Bedeutung ethischer und sozialer Aspekte – also entgegen dem ­Branchentrend, sich auch wegen des Zwei-Grad-Ziels bezüglich Nachhaltigkeit auf die Ökologie zu konzentrieren. Aber schließlich zählen Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und einheitliche Lohnniveaus zu den Kernanliegen der Bauwirtschafts-Einrichtung. Dagegen ­voteten nur 14 Prozent der Konferenzbesucher in einer Ted-Umfrage, dass der Buchstabe „S“ des ESG-Kürzels die größte Bedeutung hat. Für 41 Prozent der Veranstaltungsgäste war es das E und 45 Prozent stimmten für G wie Governance ab.

Nachhaltigkeit und das Daten-Dilemma

Dass Nachhaltigkeit für das Risikomanagement von Relevanz ist, ­betonte auf der Tagung auch Anja Mikus: „Nachhaltigkeit hilft, ­Risiken zu erkennen und die Volatilität zu reduzieren.“ Allerdings sah Mikus auch noch viel Ausbaupotenzial, da es bislang noch wenige Risiko­management-Systeme gibt, die explizit Nachhaltigkeit ­berücksichtigen und betonen. „Asset Manager sollten sich Nachhaltigkeit systematisch erarbeiten. Nur was gemessen werden kann, kann auch gemanagt werden“, gab Anja Mikus zudem der Anbieterseite mit auf den Weg. Dann klappe es auch mit den Kunden. Hilfreich, um das nachhaltige Tun der Asset Manager zu bewerten, sind auch darum ­aussagekräftige Daten. Anja Mikus bewertet es positiv, wenn ein Vermögensverwalter mit mehreren Datenanbietern zusammenarbeitet, da dies zwangs­läufig die Auseinandersetzung mit dem Nachhaltigkeitsthema fördert. Auch könne die Intensität der Zusammenarbeit zwischen Nachhaltigkeits-Team und Portfoliomanagement ein Kriterium sein.“ Die Soka-Bau nutzt Datenanbieter, um im Auswahlprozess die Angaben der Asset Manager zur ESG-Integration im Anlageprozess auf ­Plausibilität abzuklopfen. „Auf Window Dressing fällt man heute kaum noch rein“, so Asshoff. „Diesen Prozess setzen wir später stichpunktartig fort und führen dann entsprechende Diskussionen mit dem Asset Manager.“

Im Rahmen von Diskussionen können Investoren auch bereit sein, Abweichungen und Verstöße gegen die Ausschlussliste zu akzeptieren, wenn diese plausibel begründet werden. „ESG ist subjektiv“, ­argumentierte Oliver Lang. „Wir prüfen die ESG-Kompetenz unserer Asset Manager. Denjenigen, die uns überzeugen, geben wir mehr Handlungsspielraum, weil sie sich intensiv mit Nachhaltigkeit ­beschäftigen und beispielsweise auch in den Emerging Markets vor Ort sind. Somit sehen die Asset Manager schneller als wir von Köln aus, ob sich die Nachhaltigkeit eines Emittenten verbessert.“ Verbesserungen dringend nötig hätte beispielsweise Brasilien.

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