Investoren
9. August 2019

Erwartungsmanagement und Asset Management

Nachhaltigkeit und Alternatives sind als große Themen in der institutionellen Kapitalanlage derzeit gesetzt. Offen ist jedoch oft die Umsetzung. Ihre Vorstellungen an Asset Manager formulierten Investoren auf der 22. Jahrestagung Portfoliomanagement und auf der BAI Alternative Investor Conference.

Für Gregor Asshoff ist eine Position in den Staatsanleihen dieses Staats derzeit ein KO-Kriterium für die ESG-Glaubwürdigkeit eines Asset Managers. Denn aus Asshoffs Sicht verstößt die brasilianische Regierung mit der Abholzung des Regenwalds unter Waffengewalt gegen die ­indigene Bevölkerung gleich gegen alle drei ESG-Kriterien. „Wenn diese Staatsanleihen nicht auf die Ausschlussliste kommen, wie kann man da ESG noch ernst nehmen?“

Die von Lang erwähnte Subjektivität von Nachhaltigkeit führt bei dem Vorstand der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse dazu, eine ESG-­Regulierung nicht nur positiv zu sehen. „Deshalb lautet meine Bitte an Asset Manager, einen eigenen, überzeugenden Weg zu finden, nachhaltige Investments umzusetzen.“ Der Asshoffsche Abschluss-Appell richtet sich dagegen nicht an Anbieter, sondern an ­andere ­Investoren. „Denn wenn Investoren handeln, dann handeln auch ­Asset Manager.“ Ein Anfang könne ein ESG-Screening der Rentendirektanlage sein, womit man bereits das halbe Portfolio erfasst hätte.

Knappes Angebot bei Alternatives

Relativ schwierig können für Investoren auf Grund der Angebots-Nachfrage-Situation Verhandlungen mit Anbietern von alternativen Investments sein. Aber auch bei Alternatives haben Investoren Wahlmöglichkeiten, beispielsweise zwischen Direktanlagen über strategische Partnerschaften und Fonds. Erstes präferiert die R+V. „Die ­Partner geben uns durch ihre Erfahrung zusätzliche Sicherheit“, ­erklärte Stefan Schütte auf der BAIC. Schütte leitet das Alternative-Debt-Portfolio der R+V-Lebensversicherung AG, die sich mittlerweile die Finanzierung von Flugzeugen, Infrastruktur und nun auch von Unternehmen erschlossen hat. Von Bedeutung ist für Schütte bei der Umsetzung, gegenüber den Partnern die eigenen Vorstellungen bezüglich beispielsweise Covenants, Leverage oder Bonitäten durchsetzen zu können. „Dies ist wichtig, um auch in der nächsten Krise noch vernünftige Renditen zu erzielen und Verlustrisiken zu redu­zieren“, so Schütte auf der Alternatives-Konferenz.

Ebenfalls wichtig: sich auch mit Regionen außerhalb Europas zu ­befassen. Schütte verweist zum Beispiel auf Renewables in Chile. Der Andenstaat sei politisch stabil, biete eine attraktive Regulierung und professionelle Dienstleister. Als in diesem Kontext „durchaus ­attraktiv“ bezeichnet Stefan Schütte aber auch Peru und in Asien die ­Philippinen sowie Indonesien. „Im Vergleich zu diesen Ländern bietet ­Westeuropa ein vermeintlich niedrigeres Risiko, das aber auf jeden Fall niedriger bezahlt wird“, so Schütte.

Asien rückt auch für die Sparkassenversicherung zunehmend in den Anlagefokus. „Im ersten Schritt gehen wir vorwiegend in dieser ­Region in die etablierten Märkte“, sagte André Pfleger, Senior ­Investment Manager für Alternatives bei der Sparkassenversicherung. „Man muss sich mit den einzelnen Märkten ausei­nandersetzen“, so Pfleger. Die in Stuttgart ansässige Versicherung investiert ­bereits seit der Jahrtausendwende in Private Equity, baute in den ­Jahren 2009/2010 die ersten eigenen Photovoltaik-Anlagen und ­veranlagte vor etwa acht Jahren die ersten Gelder in Infrastruktur und Timber. Neu auf der Agenda ist Private Debt. Pfleger: „Wir investieren als Private-Equity-Ergänzung auch in Junior- und Mezzanine-­Finanzierungen.“ Dafür braucht es gute Dienstleister. Im Austausch mit den Asset Managern „sind Fee-Diskussionen definitiv ein Punkt“, so Pfleger. Soweit möglich, vergibt die Sparkassenversicherung ­größere – und damit günstigere – Tickets. Redebedarf hat der ­Regionalversicherer aber nicht nur bezüglich der Management Fees. Ein anderer Punkt ist für Pfleger nämlich die Gewinnverteilung. „Die Einstiegsrenditen sind gefallen, die Fee-Strukturen haben sich dem aber nicht großartig angepasst und die Gewinnverteilung aus den ­Investments wird nachteiliger für viele Anleger. Wir arbeiten ­teilweise verstärkt mit Direkt- und Co-Investments gegen diesen Trend.“

Zur Diskussion stehen Fees auch beim BVV. Deutschlands größter Pensionskasse ist jedoch bewusst, dass nicht unbedingt die ­Investoren in der stärkeren Position sind. „Gebühren sind aber auch nicht alles“, so Frank Egermann, Leiter Portfolio Management BVV. Ein anderer Aspekt ist – nicht nur aus Kostengründen – die Administration. Bei der Umsetzung von alternativen Mandaten zielt der in Berlin ­ansässige BVV auf individuelle Lösungen ab, die auch auf einer Plattform ­administriert werden können. Egermann: „Wir wollen aus der ­Administration Schichten rausnehmen und wollen individuelle ­Lösungen vorgeben – falls der Asset Manager nicht von sich aus mit einer für uns passenden Lösung kommt.“

Der BVV hat sich mit Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierungen sowie auf der Eigenkapitalschiene Immobilien, Private Equity und Infrastruktur bereits eine breite Investitionspalette erschlossen. Neben diesen Private Markets, in denen nun ein Viertel des BVV-­Portfolios investiert ist, kommen zudem noch Long-Short- und ­Market-Neutral-Strategien hinzu. Von den Asset Managern fordert Frank Egermann, Leiter Portfoliomanagement, auf der BAI ­Alternative Investor Conference Disziplin: „Wer sich über die Auflage von immer noch größeren Fonds freut, findet nur unsere begrenzte Sympathie.“ Nur begrenzte Aufmerksamkeit erfahren beim BVV zudem Asset ­Manager und deren neue Investmentideen, wenn sich diese nicht ­skalieren lassen. Egermann: „Was wir uns anschauen, muss in absehbarer Zeit ein Prozent des Portfolios – also 300 Millionen Euro – aufnehmen können.“ Ansonsten stimme das Verhältnis zwischen ­Aufwand und Ertrag nicht.

Wunschzettel an die Aufsicht

Was Erwartungen gegenüber Asset Managern sind, können ­gegenüber der Aufsicht nur Wünsche sein. Breit ausgeprägt ist bei Investoren der Wunsch nach mehr aufsichtsrechtlichem Pragmatismus. Beim BVV betreffe das die Quoten, so Egermann. „Manches müssen wir wegen der Quotenregelungen verbriefen. Damit sind Extrakosten verbunden. Wünschenswert wäre mehr Pragmatismus, zum Beispiel wenn das Prudent Person Principle mehr Gewicht bekäme.“ Einen Wunsch hegt Egermann aber auch bezüglich der Vehikel: „Wir ­wünschen uns den deutschen Spezialfonds. Es ist doch beschämend, dass seit Jahren der Luxemburger Spezialfonds schneller und flexibler ist – und dass dies hierzulande niemand zu interessieren scheint.“

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