Traditionelle Anlagen
24. Mai 2019

ESG-Faktoren haben deutlichen Einfluss auf Staatsanleihen

Staatsanleihen mit bester ESG-Bewertung haben um 70 Prozent niedrigere Spreads als Schlusslichter. Besonders Governance-Faktoren entscheidend, Umwelt- und Klimarisiken mit neutralem oder sogar positivem Effekt für die Bewertung.

Laut einer Untersuchung des Risiko-Analyseinstituts Verisk Maplecroft und BlueBay Asset Management haben ESG-Faktoren einen deutlichen Einfluss auf die Bewertung von Staatsanleihen. Bereinigt um andere Faktoren haben die Staatsanleihen von Staaten mit den besten ESG-Scores um 70 Prozent niedrigere Risikoaufschläge als Staaten mit den niedrigsten ESG-Scores. Besonders der Aspekt Governance schlägt sich in den Bewertungen wieder. Allerdings differenziert die Studie hier: Die Studie kommt demnach zu dem Ergebnis, dass sich makroökonomische Veränderungen wie steigende Zinsen der Fed in Demokratien in höheren Spreadausweitungen niederschlagen als in autoritär regierten Staaten. Dazu heißt es in der Studie: „ Dies erfordert zwar weitere Untersuchungen, stellt aber wahrscheinlich die gleiche Ambivalenz gegenüber den bereits erwähnten politischen Risiken dar, die mit den Demokratien verbunden sind. Weit davon entfernt, zuverlässigere Kreditnehmer zu sein, wenn es darauf ankommt  – wenn der Schuldendienst teurer wird – können Demokratien von den Märkten als weniger zuverlässig angesehen werden.“

Investoren belohnen Biodiversität, aber keinen effektiven Umweltschutz

Umwelt- und Klimarisiken werden dagegen nicht oder sogar positiv eingepreist. Eine bessere Umweltbilanz führt somit mitunter zu Preisaufschlägen auf Staatsanleihen, besonders wenn dies mit einer teuren Energiewende und Umweltregulierung verbunden ist. Anleger befürworten demnach weiterhin Staaten mit unwirksamen Umweltvorschriften – ein fatales Signal für die Bemühungen zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Dabei stellt die Studie allerdings fest, dass von Klimarisiken besonders betroffene Staaten oftmals auch über große Biodiversität und somit natürliche Ressourcen verfügen, was sich in positiven Bewertungen niederschlägt. Die ESG-Scores geben also unterschiedliche, widerstreitende Signale: Während natürliche Ressourcen zu positiven Effekten auf Preise von Staatsanleihen führen, werden konkretes politisches Handeln zur Bewahrung dieser natürlichen Ressourcen neutral oder negativ bepreist. Die Studie identifiziert eine Diskrepanz von Zeithorizonten als Grund für diese Divergenzen: „Dieser Mismatch der Zeithorizonte wird durch die Art und Weise impliziert, wie Märkte die aktuelle Umwelt-Performance ignorieren, welche Faktoren wie Wasser- und Luftqualität umfasst. Unsere Ergebnisse zeigen aber auch, dass Investoren aktiv eine bessere Performance im Bereich der zukünftigen Umweltdimension mit höheren Spreads bestrafen.“

Für die Studie wurden die Preise von Staatsanleihen aus 97 Industrie-, Schwellen- und Frontier-Ländern von Januar 2013 bis Mai 2018 untersucht. Dafür wurden mehr als 80 Risikofaktoren hinzugezogen, um Dynamiken besser zu erfassen. James Lockhart Smith, Head of Financial Sector Risk bei Verisk Maplecroft, zufolge trage die Studie dazu bei, die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nichtlinearität und Komplexität von ESG-Faktoren auf Länderebene zu bewältigen. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass die Anleger Umwelt- und Klimagefahren als Risikofaktoren noch immer unterschätzen, und deuten darauf hin, dass es zu einer Preiskorrektur am Markt kommen könnte, wenn sich diese Wahrnehmung ändert.“ Ähnlich argumentiert Jana Velebova, Senior Portfolio Manager bei BlueBay Asset Management: „Aus Sicht der Anleger und in Bezug auf die Portfolio-Performance unterstreicht die Studie, dass ESG-Faktoren systematisch in die Risikoanalyse von Staatsanleihen einbezogen werden sollten und dass es vorteilhaft sein kann, in Bezug auf ESG-Faktoren in einen Dialog mit Regierungen zu treten.“

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