Recht, Steuer & IT
2. April 2019

FNG: Taxonomie vernachlässigt soziale Nachhaltigkeit und Governance

Fokus auf klimarelevante Aspekte sei zu einseitig. FNG erwartet für 2019 Wachstum nachhaltiger Geldanlagen um 15 bis 30 Prozent.

Das Forum nachhaltige Geldanlagen (FNG) kritisiert die Einseitigkeit der Taxonomie nachhaltiger Aktivitäten. Zwar begrüßt das FNG den EU-Aktionsplan, moniert jedoch, dass die vorgelegte Taxonomie allein auf sechs ökologische Ziele abziele. Soziale Aspekte sowie die Governance der Unternehmen werden dagegen nicht berücksichtigt. Zudem zielten die ökologischen Ziele stark auf klimarelevante Fragen ab. Die Taxonomie sei deshalb keine umfassende Definition nachhaltiger Geldanlagen.  Volker Weber, FNG-Vorstandsvorsitzender kommentiert: „Ein alleiniger Fokus auf die EU-Klimaziele wird dem Nachhaltigkeitsthema nicht gerecht und kann sogar kontraproduktiv zu den Zielen des EU-Aktionsplans sein, weil damit wichtige soziale Aspekte wie Respekt vor Arbeits- und Menschenrechten sowie die Governance der investierten Unternehmen nicht berücksichtigt werden.“ In den aktuellen Plänen der EU-Kommission bleibt die soziale Dimension auf die UN-Menschenrechtsstandards beschränkt, welche jedoch erst in einem späteren Schritt umgesetzt werden sollen. Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den Dimensionen, welche in Deutschland beispielsweise aktuell mit dem Kohleausstieg deutlich würden, sei das schrittweise Vorgehen der Europäischen Kommission bei der Erstellung der Taxonomie schwierig, so der FNG.

Wachstum um 15 bis 30 Prozent

Das Europäische Parlament hat am vergangenen Donnerstag eine Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten beschlossen. Der Entwurf bildet nun die Grundlage für die Verhandlungsposition des europäischen Parlaments im Trilog-Verfahren. Neben der Taxonomie durchlaufen derzeit drei weitere Maßnahmen des Aktionsplans den Gesetzgebungsprozess. In der Abstimmung im EU-Parlament wurde ein weitergehender Vorschlag abgelehnt, welcher umweltschädliche Wirtschaftsbereiche explizit aus grünen Finanzprodukten ausgeschlossen und die Regeln nicht nur auf bereits als nachhaltig vermarktete, sondern auf alle Finanzprodukte ausgeweitet hätte. Das FNG kritisiert ebenfalls, dass die Taxonomie nach dem derzeitigen Entwurf nur auf als nachhaltig bezeichnete Finanzprodukte anwendbar sei und nicht auf die gesamte Breite von Investments. Dies sei notwendig, um breitenwirksam Finanzströme in nachhaltige Geldanlagen umzuleiten. Durch die einseitige Regulierung entstünden Vorreitern Wettbewerbsnachteile.

Das FNG erwartet in ihrem Marktbericht 2018 auf der Grundlage der Einschätzung von Marktteilnehmern aus der DACH-Region ein Wachstum nachhaltiger Geldanlagen um 15 bis 30 Prozent. Getrieben sei dies durch die bevorstehende Regulierung und eine erhöhte Nachfrage institutioneller Investoren.

 

 

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