Pensionsfonds
20. Februar 2019

Fünf Stoßdämpfer für Schwedens Rente

Als einziges Land hat Schweden ein gesetzliches Rentensystem mit sechs meist riesigen öffentlich-rechtlichen Pensionsfonds, die ein Vermögen von umgerechnet rund 184 Milliarden Euro managen. Seit Januar haben die Fonds zudem größere Freiheiten bei der Anlage in illiquide und alternative Assets.

Das schwedische Pensionssystem basiert auf einer Pflichtversicherung und hat grundsätzlich zwei Elemente: Die Einkommensrente (income pension) und die Prämienrente (premium pension). ­Während die Einkommensrente im Umlageverfahren finanziert wird (pay-as-you-go), basiert die Prämienrente auf Kapitaldeckung. Der Beitragssatz zur Einkommensrente betrug 16 Prozent des zugrundeliegenden Einkommens in 2017 für die Einkommenspension und 2,5 Prozent für die Prämienpension. 16 Prozentpunkte werden dabei in vier der fünf sogenannten Puffer-Fonds (buffer funds), AP1 bis AP4, eingezahlt. Jeder Fonds erhält ein Viertel der eingezahlten Beiträge und ­finanziert ein Viertel der monatlichen Ausgaben. Beide Elemente, Einkommensrente und Prämienrente, gehören zu einem System der defined contribution. Darüber hinaus gibt es in Schweden noch ein  etabliertes System der Betriebsrenten (occupational pension).

Aus eins mach fünf

Insgesamt gibt es sechs staatliche Pensionsfonds, die in Größe und Aufgaben variieren. Fünf davon sind so genannte „Puffer-Fonds“. Fonds AP1, AP2, AP3, AP4 und AP6 (einen AP5 gibt es nicht) verwalten das so genannte „Pufferkapital“ des gesetzlichen Rentensystems, wobei AP1 bis AP4 ähnliche Anlageziele haben. AP6 ist wesentlich kleiner als die ersten vier. In einer Reform wurden die AP-Fonds im  Jahr 2000 implementiert und ersetzten das alte ATP-System mit ­einem damals einzigen Reserve-Fonds. Wer vor 1938 geboren ist, ­erhält noch eine Pension aus dem alten System. Für Personen, die zwischen 1938 und 1953 geboren sind, gelten Übergangsregelungen.

Aber warum gibt es gerade fünf solcher „Stoßdämpfer“ im gesetz­lichen Rentensystem Schwedens? Die Multi-Fonds-Struktur wurde ­etabliert, um verschiedene Ziele zu erreichen: Einerseits wollte man eine zu große Marktmacht durch die Aufsplittung in unterschiedliche Fonds verhindern. Andererseits sollten die fünf Fonds auch dazu beitragen, dass mehr Wettbewerb entsteht, Kosten reduziert sowie die Performance gesteigert werden. Zudem sollten Managementrisiken verringert und die politische Einflussnahme begrenzt werden. Das Vorgehen hatte auch historische Gründe: Der Vorgängerfonds der APs hatte verschiedene Gremien, die zu den Vorständen der einzelnen APs umfunktioniert wurden. Zudem erhielt der AP6 seine Assets aus einem ­aufgelösten Fonds (löntagarfonder), der im Wesentlichen aus veranlagten Gewinnen schwedischer Unternehmen bestand.

Eine Sonderrolle spielt der sechste staatliche Fonds AP7 als sogenannter Default-Fonds. In ihn fließen die Beiträge der Prämienrente von solchen Versicherten, die für ihre obligatorischen Beiträge keinen ­anderen Investmentfonds am Kapitalmarkt ausgewählt haben. Die Versicherten konnten bisher zwischen über 800 Fonds auswählen. Wie die IPE-Nachrichten berichten, sinkt deren Zahl durch eine Reform, bei der künftig unter anderem Mindestgrößen und Mindeststandards bei der Nachhaltigkeit von den Investmentfonds verlangt werden, nun auf 553 Fonds. Der AP7-Fonds wird durch die Reform noch einmal wachsen, da Gelder aus den übrigen Fonds hier veranlagt werden. Dessen ausschließlich in Aktien und Renten investiertes Vermögen betrug in 2017 umgerechnet rund 44 Milliarden Euro.

Erst im November 2018 wurden den Fonds AP1 bis AP4, die zusammen Assets von über 135 Milliarden Euro verwalten, per Gesetz größere Freiheiten für die Investition in illiquide und alternative Anlagen zugesprochen. Zudem wurden die Limits bezüglich verzinslicher Wertpapiere, die die Fonds mindestens halten müssen, von jeweils 30 auf 20 Prozent reduziert. Auch die Nachhaltigkeitsziele der Fonds wurden noch einmal gestärkt. Die neuen Regeln gelten seit Januar. Die Fondsmittel der Pufferfonds sollen vorübergehende Konjunkturschwankungen sowie Änderungen durch den demografischen­ ­Wandel ausgleichen helfen. Eine langfristige Rendite von vier Prozent ist zum Beispiel für den AP1 das Ziel. Er verwaltet Assets in Höhe von umgerechnet rund 32,3 Milliarden Euro (Stand: 30. Juni 2018).

Investoren mit langem Atem

Der AP1-Fonds investiert nach eigenen Angaben nachhaltig und langfristig nach den Kriterien verantwortungsvoller Eigentümerschaft ­(responsible ownership). Die durchschnittliche reale Verzinsung lag für die vergangenen zehn Jahre bei 6,3 Prozent. Chief Investment ­Officer des AP1, Mikael Angberg, sagte im Gespräch mit dem ­Pensionsfonds-Nachrichtenportal IPE im Dezember 2018, ein langfristiger ­Anlagehorizont sei eines der Kernprinzipien des Fonds. „Langfristig heißt für uns, 50 Jahre in die Zukunft zu blicken oder ­sogar länger“, sagte Angberg. Viele Investments folgen einer Buy-and-hold-Strategie. Circa 12,5 Prozent der Anlagen sind Immobilien- und 4,5 Prozent Infrastruktur-Investments. Viele Entscheidungen würden auf einer Zehn-Jahres-Basis gefällt, aber jedes Jahr wieder überprüft, so der CIO. 70 Prozent der Assets werden intern gemanagt, dazu ­stehe ein 35-köpfiges Team bereit, so Angberg. „Wir brauchen viele Leute, denn wir sind ein aktiver Investor.“ Von ihrer Größenklasse her liegen die Fonds AP1 bis AP4 in etwa gleichauf. Der AP2 ist umgerechnet 33,6 Milliarden Euro (Stand: 30.6.2018) schwer. Der Fonds investiert weltweit über alle Asset-­Klassen hinweg. Der AP3 und der AP4 verwalten jeweils umgerechnet etwa 35 Milliarden Euro (Stand: 31.12.2017). Der Fonds legt ebenfalls in globalen Aktien (31 Prozent) und zu 13 Prozent in schwedischen Aktien­ an und investiert in Anleihen (15 Prozent Schweden), Immobilien (elf Prozent), in Private Equity und andere alternative Investments. Der AP3 ist außerdem Mehrheitseigentümer an den schwedischen Immobilienunternehmen ­Vasakronan, Hemsö und Trophi. Dazu geht man auch in Deutschland auf Shopping-Tour. Wie Hemsö im Dezember bekannt gab, kaufte die ­Immobiliengesellschaft kürzlich ein ­Pflegeheim in Kiel. Der Fonds AP6 ist mit einem Anlagevolumen von 3,2 Milliarden Euro der kleinste Puffer-Fonds. Er investiert ausschließlich in illiquide Anlagen, also Private Equity und andere außerbörslich gehandelte Investments.

Oft werden die schwedischen Pensionsfonds für ihre niedrigen ­Kosten gelobt. Die Verwaltung der Gelder in den Puffer-Fonds kostete in 2017 nur 0,13 Prozent des gemanagten Kapitals. Inklusive Performance-Fees und Transaktionskosten lagen die Gebühren bei 0,18 Prozent. In 2013 hatten sie noch bei 0,2 Prozent gelegen. Zumal die Kosten der Prämienrente zwar höher liegen, aber in den vergangenen fünf ­Jahren unter anderem durch ein spezielles Rabattsystem gesunken sind. In 2017 betrugen sie durchschnittlich 0,27 Prozent des eingesetzten ­Kapitals, während sie 2013 noch bei 0,36 Prozent gelegen hatten.

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