Traditionelle Anlagen
16. November 2018

Für Inflationsschutz, Diversifikation und Taktik: Linker

Zurückhaltung gegenüber inflationsindexierten Anleihen. Diskussionsrunde nennt Vorteile.

Nein zu Inflation Linked Bonds! 70 Prozent der Gäste des Faros Institutional Investors Forum gaben per Ted dieses Misstrauensvotum ab. Renditen dürften hierfür der Hauptgrund sein. Auf der Veranstaltung war aber auch ein Misstrauen gegenüber dem Harmonised Index of Consumer Prices (HICP) zu vernehmen. Im Umkehrschluss müssten die Investoren aber dann Vertrauen haben, dass die EZB die Inflation in Schach hält.

Teilnehmer einer Diskussionsrunde nannten aber auch jenseits des Inflationsschutzs Gründe, die für eine Investition in Linker sprechen. Dr. Tammo Diemer, Geschäftsführer der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland, attestiert dem Linker-Markt noch eine gewisse Jugendlichkeit: „Darum ist der Markt noch nicht 100-prozentig effizient. Wenn Marktereignisse zu Fluchtbewegungen führen, ergeben sich interessante Positionierungsmöglichkeiten.“ Diese Ineffizienzen nutze man auch als Emittent. Allerdings arbeitet die Finanzagentur auch daran, mit einem „stetigen Auftritt am Kapitalmarkt“ den Linker-Markt mit deutschen Emissionen reifen zu lassen. „Die Handelbarkeit wird von Jahr zu Jahr besser.“ Benchmark-Charakter habe in Euroland Frankreich.

Das naheliegende Motiv für eine Investition nennt Alexander Froschauer von Axa Investment Managers: „Der Wunsch, sich vor Inflation zu hedgen hat zugenommen.“ Erfolgskritisch ist bei dieser Anlage die Break-Even-Inflation: Wie hoch muss die Inflationsrate ausfallen, damit der Kauf einer inflationsindexierten Anleihe gegenüber dem Kauf einer herkömmlichen Anleihe mindestens dieselbe Realverzinsung für den Anleger bringt? Dabei sollte die erwartete Inflation höher sein als die eingepreiste Inflation.

Das zweite – ewig junge – Motiv: „Zur Diversifikation machen Linker Sinn“, erläutert Froschauer. „Interessant ist, dass sich mit Linker das Credit Risk nicht ändert.“ Darum seien Linker eine schöne Alternative zu nominellen Govys. „Diese Asset-Klasse ist es wert, sich damit zu beschäftigen. Sie sollte wie in den USA der Fixpunkt eines jeden Portfolios sein“, so Froschauer, der dabei auch taktische Potenziale erwähnte.

Dritter Teilnehmer der von Faros-Consultant Martin Dürr moderierten Runde: Edgar Kresin, als Treasurer im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt sowohl Emittent als auch Investor. „Wir waren der erste deutsche Linker-Emittent.“ Das dem Emittenten entstehende Inflationsrisiko habe man dann wieder rausgehedgt. Interessant seien solche Emissionen für Anleger, die einen guten Credit wollen und denen Liquidität nicht ganz wichtig sei. Für Investitionen in das eigene Portfolio kommen Linker aber noch zu früh. „Die öffentliche Hand ist in der Anlage noch jung. Jetzt in inflationsindexierte Anleihen zu investieren, wäre ein Schritt zu früh.“ In der Zukunft könnten Linker aber einmal ein Instrument sein.

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