Schwarzer Schwan
7. Dezember 2018

Fußball-Private-Debt

Mr. Mittelfinger vom Mittelfeld ins Middle Office

Würden Sie Diego Simeone, der in dieser Woche mit seinem Konterfei den Schwarzen Schwan ziert, Geld leihen? Der Argentinier ist Trainer von Atlético Madrid und gilt als der Vulkan unter den Übungsleitern. Zumindest für die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden ist die Bonität des hochverschuldeten Atlético ausreichend. Zehn Millionen Euro wurden laut Spiegel von den südthüringer Genossen nach Madrid verliehen.

Wie die Lokalpresse berichtet, haben sich die genossenschaftlichen Banker die Finanzierung von Spielertransfers als Geschäftsfeld erschlossen. Die VR-Bank sei mit Mannschaften aus Deutschland, Spanien, Portugal und Italien vernetzt. Für 2017 wird über eine Summe zwischen 50 und 60 Millionen Euro berichtet. Die Bilanzsumme liegt bei etwa 800 Millionen Euro. Offenbar überzeugt bei Fußball-Private-Debt die risikoadjustierte Rendite. Oder eher das renditeadjustierte Risiko? Oder suchte der Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank einfach den Kick?

Auf jeden Fall muss jede Finanzierung aufsichtsrechtlich dem Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht – Stichwort „Prudent Person Principle“ – nachkommen. Dafür haben die Thüringer nun einen hochkarätigen Neuzugang präsentiert: Stefan Effenberg wechselt quasi von Bayern München zur VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden. „Wir stehen mit Herrn Effenberg seit Längerem in einem gedanklichen Austausch zum Thema Fußball-Finanzierung. Das Ergebnis dieser Sondierungen sieht so aus, dass Stefan Effenberg in Zukunft unserem ‚Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball‘ angehören wird“, zitiert das Portal In Südthüringen einen Sprecher der Bank. Herr Effenberg kann ja dann bei Bedarf nervige Bafin-Vertreter einfach abgrätschen.

Renommee erwarb sich Stefan Effenberg vor allem dadurch, dass er als Nationalspieler bei der WM 94 in den USA nörgelnde deutsche Fans mit einem Fingerzeig maßregelte. Zum Dank schickte ihn der DFB vorzeitig von der WM nach Hause. Nun wechselt Mr. Mittelfinger vom Mittelfeld ins Middle-Office.

Von der Spielerfrau zur Bankiersgattin

Hinweise zu Effes Motivation finden sich im Rückblick auf die erwähnte WM. Nach dem schmachvollen Aus im Viertelfinale gegen Bulgarien konstatierte Trainer Berti Vogts: „Unser Kader war besser als der von 1990, wir hätten den Weltmeistertitel locker verteidigen können. Drei Spielerfrauen haben alles kaputt gemacht – es war unglaublich, was sich da bei uns abgespielt hat.“ Gemeint hat er: Bianca Illgner, Angela Häßler – und Martina Effenberg. Dass ihre Gatten managende Trio Infernale (Martina Effenberg: „Wir kennen aus Italien nur Nettobeträge“) war zwar nicht im Kader – trotzdem aber immer dabei. Und auch heute muss man als Spielerfrau eben kucken wo man bleibt. Die an Effes Seite heißt seit ein paar Jahren Claudia. Sie will mit über 50 bestimmt lieber Bankiersgattin sein, als mit jüngeren Spielerfrauen konkurrieren zu müssen.

Und was ist die Motivation der VR-Bank? Mit ihrer Diversifikation in Fußball sowie auch in Wind- und Solarparks optimiert die Bank ihre Position auf der Effizienzkurve. Vor zehn Jahren war die Position noch eine andere. In der Finanzkrise 2008 hätte es die Bank nämlich beinahe vom Markt gefegt, weil über Nacht eine griechische Staatsanleihe wertlos wurde. Und: Anders als die Kollegen in der Deutschen Bank und in der Commerzbank hat die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden ein Geschäftsmodell.

Ein schönes Fußballspiel am Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

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