Alternative Anlagen
9. Januar 2019

Illiquiditäten und Komplexitäten

Georg Distler, Leiter Zinsanlagen und Head of Infrastructure Debt, erklärt die Prämienjagd des Konzern Versicherungskammer.

Herr Distler, Sie haben 2016 als Head of Infra­structure Debt die Leitung für die Infrastrukturinvestments hauptamtlich übernommen, nachdem Sie dies bis dahin „nebenbei“ im Rahmen Ihrer Verantwortung für die Rentendirektanlage bereits seit 2012 verantworteten. Dieser Wechsel erzeugt den Eindruck, dass dieses Subsegment für einen Versicherer wichtiger als die Haupt-Anlageklasse ist.

Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus ist jeder Baustein wichtig, mit dem man bei angemessenen Risiko Erträge erwirtschaften kann. ­Insofern schaut sich der Konzern Versicherungskammer alle Segmente genau an und macht sich Gedanken zur Allokation dieser Bausteine unter Berücksichtigung des verfügbaren Risikokapitals und von Solvency II.

Wo liegt für den Konzern Versicherungs­kammer der Charme von Private Debt?

In der Breite bietet Private Debt eine Illiquiditäts- und Komplexitätsprämie. Diese ­beiden Prämien spielen momentan eine sehr große Rolle. Je niedriger das Zinsniveau, umso wichtiger werden diese Prämien, da sie einen hohen Anteil am Basiszins darstellen. Je nach Laufzeit und Investment ist diese Prämie ­sogar höher als der Basiszins. Außerdem sind derartige Investments in unterschied­licher Höhe unter Solvenzkapitalaspekten ­begünstigt. Stichwort „Qualifizierte Infrastruktur“.

Illiquiditätsprämie, Komplexitätsprämie und Solvenzkapitalentlastungen sind mehrere positive Aspekte im gesamten ­Private-Debt-Universum. Mit Blick auf das Risiko und den passivseitigen Verpflichtungen ist der aktuell mögliche Ertrag inklusive dieser Prämien eine gute Verzinsung.

In diese Asset-Klasse beziehungsweise in einzelne Investments können viele Investoren wegen zu geringer Personalkapazitäten nicht investieren. Sie sind daher häufig auf Fondsangebote angewiesen, die höhere Kosten verursachen.

Innerhalb von Private Debt liegt bei uns ein großes Gewicht auf Renew­ables und Infrastruktur. Erneuerbare Energien und ÖPP-Projekte (Öffentlich-Private Partnerschaft, Anm. d. Red.) machen wir im Wesentlichen direkt als Einzelprojekte. Jedes einzelne ­Asset geht durch unser Investmentkomitee und wird von uns direkt ausgewählt. Voraussetzung ist aber, dass wir diese Direktinvestments auch angemessen beurteilen können.

Was wäre ein Beispiel-Investment?

Wir finanzieren seit diesem Frühjahr die ­Autobahn A10/A24 in Ostdeutschland. Bei diesem ÖPP-Projekt sind als Finanzierer ­unter anderem die Europäische Investitionsbank (EIB) und zwei Partner aus unserem Sparkassenverbund beteiligt. Vor allem die Langfristigkeit der Finanzierung ist für uns interessant, da wir lange Laufzeiten für unsere langlaufende Passiv­seite gerne übernehmen. Allgemein zielen wir auf Laufzeiten von mehr als 15 Jahren, je nachdem, ob mit oder ohne Tilgung. Weil diese Finanzierungen überwiegend amortisierend sind, liegt die mittlere Kapitalbind­ung durch die Tilgungen bei rund 15 Jahren.

Die A1-Finanzierung zwischen Bremen und Hamburg scheint kein Erfolg zu sein. Hier verklagt ein Infrastrukturfonds den Bund. Da waren wir nicht dabei, daher kenne ich die Details der Finanzierung nicht und kann zu den Hintergründen nichts sagen.

Wie viele Mitarbeiter braucht es für solche ­direkten Umsetzungen?

Für diese Asset-Klasse in unserer Definition sind wir inzwischen mit vier Personen aktiv, was sicherlich nicht üppig ist. Dadurch, dass wir als Konzern Versicherungskammer ­direkt involviert sind, erweitern wir intern stetig ­unser Know-how und werden alleine dadurch zunehmend effizienter.

Wir sind nach Beitragseinnahmen unter den Top Ten der Versicherungsunternehmen in Deutschland und sind mit unserem Kundengeschäft originär nur in Bayern und der Pfalz, im Saarland sowie in Berlin und Brandenburg aktiv. Als Regionalversicherer hilft es uns, wenn man sich mit der Zeit eine ­gewisse Reputation für weitere nationale und inter­nationale Deals aufgebaut hat und bereits ­erfolgreich umgesetzte Investments nachweisen kann.

Direkt in Infrastrukturfinanzierungen und Erneuerbare Energien haben wir inzwischen über eine Milliarde Euro investiert. Dies macht bei den jeweiligen Konzerngesellschaften, für die wir investieren, etwa drei Prozent der Kapitalanlagen aus.

Die einfache Variante wäre, ein Mandat an ­einen Manager zu vergeben. Für den sind dann aber zusätzlich Gebühren zu bezahlen. Für uns wäre das die teurere Umsetzung und es wäre kein weiterer Kompetenz-Aufbau für die Mitarbeiter und den Konzern Versicherungskammer gegeben. Je nach Komplexität und intern vorhandenem Wissensstand wird aber in Teilen externes Know-how hinzugezogen, zum Beispiel in Bezug auf juristische Fragen oder technisches Wissen bei Erneuerbaren Energien.

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