Alternative Anlagen
9. Januar 2019

Illiquiditäten und Komplexitäten

Georg Distler, Leiter Zinsanlagen und Head of Infrastructure Debt, erklärt die Prämienjagd des Konzern Versicherungskammer.

Und wie sichert sich der Konzern Versicherungskammer ab?

Je nach Projektkomplexität werden ent­sprechende Absicherungspakete geschnürt. Bei Immobilien versuchen wir, möglichst erstrangige grundschuldrechtliche Absicher­ungen zu bekommen.

In der Pipeline sind aktuell mehrere ­Schienenprojekte. Bei diesen Projekten ­werden zum Beispiel die Einnahmen abgetreten. Momentan gibt es in Deutschland ­einige ÖPP-Schienenprojekte. Bei den meisten besteht eine Kapitaldienstgarantie des ­jeweiligen Bundeslands, was meines Erachtens eine sehr gute Sicherheit darstellt. Im Prinzip besteht eine mehrfache Absicherung. Das gibt eine hohe Sicherheit …

… drückt aber auch auf die Renditen.

Durch unsere Zusicherung für die Langfristfinanzierung zu einem bestimmten Zins in mehreren Jahren nach Abschluss der Bauphase bekommen wir einen Aufschlag und einen Credit Spread. Da landen wir bei aktuellen Marktverhältnissen bei einer Verzins­ung zwischen 2,5 und 3 Prozent. Das ist – trotz der Absicherungen – deutlich mehr als bei einer Bundes- oder auch Unternehmensanleihe mit längerer Laufzeit. Sollte der Marktzins dann, wenn die Langfristfinanzierung anläuft, nicht höher sein, war es ein ­gutes Geschäft.

Das Problem liegt weniger in der Verzinsung als darin, dass es nicht genügend Projekte gibt, um eine höhere Quote zu erreichen. Da man im Marktdurchschnitt zum Beispiel bei ÖPPs nur eine Zuschlagswahrscheinlichkeit von zehn bis 20 Prozent hat, kommt man nicht so schnell voran. Auch aus diesem Grund ist unser Universum nicht rein auf ÖPP-Projekte abgestellt, sondern beinhaltet zum Beispiel auch das Segment der sozialen Infrastruktur.

Sind Renewables ohne die feste EEG-Einspeise­vergütungen noch attraktiv?

Von unserem Gesamtportfolio von derzeit circa einer Milliarde Euro haben wir etwa ein Drittel in Erneuerbaren Energien. Das ist im Moment ausschließlich Solar und Wind. ­Außerhalb von Deutschland sind wir zum Beispiel in Frankreich und Schweden investiert. Da Frankreich noch sehr stark Atomstrom nutzt, wird der Switch zu Renewables auch länger dauern, was wahrscheinlich eine etwas bessere Angebotssituation als in Deutschland schaffen wird.

Noch lässt unser Netzwerk den Einkauf ­zufriedenstellender Renditen zu. Aber wir spüren auch, dass es schwieriger wird.

Suchen Sie gebrauchte Parks, die noch vor 2017 ans Netz gegangen sind, oder Power-Purchase-Agreements (PPA) für neue Parks?

Wir schauen uns beides an. Bei PPAs ­müssen wir uns den Abnehmer genau anschauen. Bei entsprechender Bonität ist das attraktiv. Trotzdem ist es ein anderes Risiko als eine Garantieeinspeisevergütung der Bundes­republik Deutschland. Deutschland, Frankreich und die skandinavischen Länder halten wir für sehr verlässlich.

Bei Renewables haben wir Onshore- und ­Offshoreinvestments. Wir haben EEG-Einspeisevergütungen und PPAs sowie Eigen­kapital- und Fremdkapitalinvestments. Zusätzlich sind wir regional diversifiziert.

Was ich an Erneuerbaren Energien sehr ­attraktiv finde: Dort erhält man eine Risiko­diversifikation wie in keiner anderen Asset-Klasse. Außerdem ist man von der Konjunkturentwicklung nahezu unabhängig. Der Wind weht und die Sonne scheint, egal ob die Konjunkturentwicklung sich verbessert oder verschlechtert. Das ist ein Risikoprofil, das es bei keiner anderen Asset-Klasse gibt.

Ist ein PPA mit einem bonitätsstarken ­Abnehmer nicht sehr teuer?

Das hängt vom Kaufpreis des Parks und vom Verkaufspreis des Stroms ab. Rückblickend waren die Einspeisevergütungen und die ­Anschaffungskosten sehr hoch. Heute sind beide Faktoren niedriger. Dadurch haben sich die Renditen zwar ­geändert, der Ertrag im Vergleich zum ­Kapitalmarktzins ist deutlich höher, da dieser stark gefallen ist.

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