Immobilien
26. November 2019

Immobilien durch Klimawandel bedroht

GDV-Statistik: Starkregenfälle zwischen 2002 und 2017 verursachten in Deutschland insgesamt 6,7 Milliarden Euro Schaden. 1,3 Millionen Schäden an Wohngebäuden.

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Sicherheit von Immobilien. Das zeigen neue Zahlen des GDV, die das Vorkommen von Starkregenfällen in Deutschland zwischen 2002 und 2017 nachzeichnen.

Extreme Regenfälle haben demnach zwischen 2002 und 2017 bundesweit knapp 1,3 Millionen Schäden an Wohngebäuden verursacht. Am häufigsten waren demnach die Bewohner in Sachsen betroffen. Dort hatten im Schnitt 133 von 1.000 Wohngebäuden einen Schaden durch besonders starke Regenfälle. Die Beseitigung der Folgen kostete betroffene Hausbesitzer deutschlandweit durchschnittlich 5.293 Euro. Das sind Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Starkregenfälle verursachten in Deutschland insgesamt 6,7 Milliarden Euro Schaden. Auch in Berlin (131/1.000 Betroffene) und in Bayern (88/1.000 Betroffene) sorgten die heftigen Niederschläge für viele vollgelaufene Keller, unterspülte Fundamente und durchnässte Wände.

2018 mit den meisten Schäden

Die Untersuchung zeigt auch, dass 2018 als das sehr trockene Jahr zugleich auch das Jahr mit den meisten Starkregenfällen war. Wo in 2001 noch 281 Starkregenfälle gemessen wurden, waren es in 2018 der Studie zufolge 1.349 Fälle. „Heiße, trockene Jahre und Starkregen schließen sich nicht aus“, heißt es in der Studie.

Auch wenn der Regen die Bewohner der Landkreise in den vergangenen 16 Jahren unterschiedlich heftig traf: „Unsere Untersuchung zeigt, dass jeder Ort in Deutschland quasi gleich stark von solch gefährlichen Regenmengen bedroht ist“, sagt Andreas Becker vom DWD. „Gegenden, die im Untersuchungszeitraum nur wenige Schäden durch Starkregen erlebten, haben bislang schlicht Glück gehabt.“

Im Gegensatz zum Dauerregen (über zwölf Stunden) gibt es bei den kurzen, heftigen Regengüssen (bis zu neun Stunden) eine eher gleichmäßige Verteilung über ganz Deutschland. Das gemeinsame vierjährige Forschungsprojekt, das erstmals Starkregen- und Schadendaten systematisch untersucht hat, zeigt: Gerade diese kurzen, heftigen Niederschläge verursachen besonders viele Schäden.

Bundesweit haben lediglich 43 Prozent der Hausbesitzer eine Elementarschadenversicherung und sind somit gegen die Folgen extremer Regenfälle geschützt. „So gut wie jedes Haus ist gegen Sturm und Hagel abgesichert, doch den Schutz gegen extreme Regenfälle haben viele Hausbesitzer bislang vernachlässigt“, sagt Oliver Hauner, GDV-Naturgefahrenexperte. Dabei können die heftigen Regenfälle Häuser bis zur Unbewohnbarkeit beschädigen.

Klimafolgenanpassung: Prävention und Änderung der Bauvorschriften

„Kurze, heftige Starkregenereignisse können überall niedergehen – bundesweit gab es in 18 Jahren mehr als 29.000 Starkregen – an jedem Ort Deutschlands. Der Klimawandel hat auch bei uns längst begonnen“, folgert der GDV und ruft die Politik zum Handeln auf: Entwicklungen müssten systematisch erfasst und dokumentiert werden. „Gebäude müssen resilienter werden. Wir müssen jetzt beginnen, uns auch baulich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.“

Dazu fordert der GDV eine Reihe von Maßnahmen, so müssten verbindliche Bauvorschriften für starkregen- und hochwasserangepasstes Bauen und wasserresiliente Baustoffe und Bauweisen als Standard verwendet werden. Auf Neubauten in Überschwemmungsgebieten solle verzichtet werden sowie eine finanzielle Förderung starkregengerechter Umbauten an Gebäuden analog zum Einbruchsschutz eingeführt werden (KfW). Städte und Gemeinden müssten Ereignisse systematisch erfassen, dokumentieren und darauf reagieren, fordert der GDV in einem Papier zur Starkregenstatistik.

Baukonstruktionsforscher Thomas Naumann fordert vor diesem Hintergrund eine größere Unterstützung von Gebäudeeigentümern und kleineren Kommunen, um diese besser auf Starkregen vorbereiten zu können. „Starkregen kommt fast ohne Vorwarnzeit, deshalb müssen Kommunen und Gebäudebesitzer diese Ereignisse vordenken und vorplanen.“ Gerade kleine Kommunen hätten bislang kaum Ressourcen, sich ein genaues Bild über die Gefahrenpunkte bei Regenmassen zu machen, ihre Bürger gut zu informieren und dementsprechend besser vorzusorgen, sagt der Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden.

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