Awards
21. Februar 2020

Claudia Kemfert ist Leserpreisträgerin 2020

Renommierte deutsche Ökonomin gewinnt Vordenker-Award 2020. Sie ist vehemente Fürsprecherin einer entschiedenen Energiewende.

Das Thema, um das sich die designierte Preisträgerin des portfolio institutionell Vordenker-Awards 2020 verdient gemacht hat, passt zum Thema der portfolio institutionell Jahres­konferenz: Nachhaltigkeit. Am Ende ­relativ deutlich vor den übrigen Kandidaten setzte sich die Ökonomin Claudia Kemfert in der Gunst der Leserinnen und ­Leser von portfolio institutionell durch. Ein ­starkes Ergebnis für die ­Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und ­Professorin für Energie­ökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance, die erstmals zur Abstimmung stand. Sie ­lag vor ihrem Kollegen ­William D. Nordhaus, dem ­geistigen Vater des Zwei-Grad-Ziels, sowie dem Chef des norwegischen Ölfonds, Yngve Slyngstad, durch.

Die Verleihung des Vordenker-Awards folgt einem anderen Prozess als die übrigen Kategorien der portfolio institutionell Awards. Im ­Gegensatz zu den Preisen für institutionellen Investoren, welche von einer unabhängigen Jury vergeben werden, haben hier die ­Leserinnen und Leser von portfolio institutionell das letzte Wort, weshalb der Preis auch Leserpreis genannt wird. Diese konnten sich über ­mehrere ­Wochen an der ­Abstimmung über die von der Redaktion von ­portfolio institutionell selektierten Kandidaten beteiligen. In der Vergangenheit hatten unter ­anderem Impact-Investorin Susanne Klatten, ABV-Geschäftsführer Dr. Ulrich Krüger und Bundesbank­präsident Dr. Jens Weidmann die Auszeichnung erhalten. Neben dem Leserpreis ­werden 2020 in 14 weiteren Kategorien Preise verliehen, die jedoch bis zum Veranstaltungstag geheim bleiben.

Die Wahl von Kemfert, zusammen mit der im vergangenen Jahr ­vergebenen Auszeichnung an Dr. Karin Bassler für ihr Engagement für Nachhaltigkeit im Arbeitskreis Kirchlicher Investoren der ­Evangelischen Kirche in Deutschland (AKI), dokumentiert einen Zeitenwandel in der institutionellen Kapitalanlage: Gesellschaftliche Verantwortung lässt sich von der institutionellen Kapitalanlage ebenso wenig trennen wie volkswirtschaftliche Entwicklungen vom ­Klimawandel, so lautet die lange verdrängte Erkenntnis, die nun um so stärker ins Bewusstsein kommt. Letzteres ist auch ein großes ­Verdienst von Claudia Kemfert, die mit ihrer Forschung und ihrem Engagement in öffentlichen Debatten dazu beigetragen hat, dass die ökonomischen Folgen des Klimawandels Beachtung finden.

Bei klima- und energiepolitischen Themen nimmt Kemfert kein Blatt vor den Mund: „Der mit großem Tamtam angekündigte Klima-Tiger landet als bescheidener Bettvorleger“, kommentierte sie jüngst das Klimapaket der Bundesregierung in einem Focus-Gastbeitrag. „Entschieden wurde nicht, was klimapolitisch notwendig wäre, ­sondern lediglich, was politisch durchsetzbar erscheint.“ Die fossilen Industrien führten einen Krieg, argumentiert sie in ihrer 2017 ­erschienenen Publikation „Das fossile Imperium schlägt zurück“. ­Mittels Desinformationskampagnen verschleierten diese die ­enormen Subventionen für fossile Energien und verbreiteten Fake News hinsichtlich Blackouts und hohen Kosten der Erneuerbaren.

In den aufgeheizten klimapolitischen Debatten bringt sie ein klares Plädoyer: Monday’s for Future. Aufgaben anpacken, Prioritäten ­setzen, nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ordnen. Damit dürfte sie bei institutionellen Investoren einen Nerv treffen. Denn die ökologischen Folgen unserer Wirtschaftsweise haben sich schon längst zum Thema Nummer Eins der institutionellen Kapitalanlage gemausert: Nicht nur wird der Widerspruch zwischen dem Interesse der ­Versorgungsberechtigten an einer stabilen Altersvorsorge und ­einem lebenswerten Planeten auch im Alter (geschweige denn für die nachfolgenden Generationen) immer offensichtlicher; auch ist klar, dass die enormen volkswirtschaftlichen Kosten durch weiteres ­Aufschieben von Energie-, Verkehrs- und Agrarwende nicht im ­Sinne ­langfristiger Investoren sein können. Letzteres vermag Kemfert ­treffend zu formulieren und mit wissenschaftlicher Forschung zu unterlegen. Deshalb ist sie eine würdige Preisträgerin.

Wir danken den Leserinnen und Lesern von portfolio institutionell für die rege Teilnahme an der ­Abstimmung. Die Verleihung des Preises an Claudia Kemfert findet am 2. April im ­Rahmen der ­portfolio ­institutionell Awards in Berlin statt.

Autoren:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.