Schwarzer Schwan
12. September 2014

Independence Day

Das Vereinigte Königreich droht auseinanderzubrechen. Isn´t it shocking?

Keep cool, Britannia! Am 18. September stimmen die gut vier Millionen wahlberechtigten Schotten darüber ab, ob ihr Landstrich ab 2016 ein unabhängiger Staat werden soll. Dann würde das Vereinigte Königreich in zwei Teile zerfallen: Schottland und das RUK – das Restliche Vereinigte Königreich, wie Beobachter den Landstrich im Süden dann wohl nennen. Hintergrund: Auch drei Jahrhunderte nach dem Zusammenschluss mit England fühlen sich die Schotten als eigenes Volk. Und so wie einst die englische Königin Elisabeth der schottischen Königin Maria Stuart den Kopf abschneiden ließ, will Schottland nun England abschneiden. 
Bislang war das Thema eher eine Randnotiz. Jüngsten Umfragen zufolge ist der Ausgang des Referendums, das manche gar für die „größte Staatsaffäre der letzten 300 Jahre“ halten, aber unvorhersehbar geworden. Bliebe die Stimmung, wie sie jetzt ist, würde bei dem Referendum eine hauchdünne Mehrheit für eine Loslösung von Großbritannien stimmen. Das Restliche Königreich müsste sich dann ganz warm anziehen. Die britischen Öl- und Gasvorkommen sind nämlich überwiegend in Schottland und stünden dem RUK nicht mehr zur Verfügung. Dann müsste wohl verstärkt auf die Schafe aus Wales zurückgegriffen werden. Aus deren Wolle ließen sich dicke Pullis stricken, die statt der Gasheizung dann im Winter warm halten.
Um ihre Unabhängigkeit zu unterstreichen, werden die Schotten auch eine eigene Währung einführen: den Scotty. Und um auf den Kapitalmärkten Vertrauen zu schaffen, werden Scotty-Bonds mit Scotch Whisky besichert. Queen Elizabeth II. jedenfalls ist not amused. Sie soll zwar Staatsoberhaupt bleiben, müsste sich aber fragen, ob das im schottischen Hochland gelegene Balmoral Castle noch die passende Feriendestination ist? Droht der Queen nun womöglich ein Sommerurlaub in England? Zum Beispiel in Manchester?
Zwar ist es nach Einschätzung des schottischen Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung nicht ausgemacht, dass die Bürger tatsächlich nach 307 Jahren Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich „Farewell“ sagen, aber die Gefahr lasse sich nicht leugnen. Besorgt listet das Blatt die jüngsten Kapriolen an der Börse auf: „Investoren verkaufen vorsorglich britische Aktien und fahren ihre Pfund-Bestände herunter. Sie fürchten die wirtschaftlichen Folgen, sollte das Königreich wirklich zerbrechen.“ Für den Guardian-Kolumnisten Martin Kettle stand nach Bekanntwerden der jüngsten Umfrage fest: „Auf uns Briten warten zehn Tage, die unser Leben verändern könnten.“ 
Engländer und Russen
Dabei hätten die Engländer längst ahnen müssen, dass sie im Norden der Insel und auch im Rest der Welt eher verpönt, als mit offenen Armen empfangen werden. Um das zu wissen, muss man nur die einschlägigen Reisebewertungsportale durchstöbern. Das folgende Zitat stammt von holidaycheck.de und trifft den Nagel auf den Kopf: „Natürlich gibt es auch in diesem Hotel hauptsächlich Russen und Engländer. Und ich kann nich sagen welche schlimmer waren, die tun und machen was sie wolln und nehemn keine rücksicht was einem teilweise die urlaubslaune schnell verderben kann.“ 
Fakt ist, die Schotten könnten ohne die Engländer ganz gut auskommen. Laut Süddeutscher Zeitung fände allerdings der jüngste Aufschwung in Großbritannien ein jähes Ende. Doch damit nicht genug, auch die EU könnte unter dem Freiheitswillen der Schotten leiden: „Ein Großbritannien, dessen Wirtschaft erlahmt, dessen Währung rapide abwertet, dessen Regierung im Chaos versinkt, ist das Letzte, was Deutschland und die EU im Moment benötigen.“ Fazit: Siegen die Separatisten im Referendum, bekommt Schottland Unabhängigkeit – und der Rest des Kontinents mächtig Ärger. Dann könnten nämlich auch Basken, Südtiroler und Bayern die Unabhängigkeit verlangen. Darum ist zu erwarten, dass neben England und Spanien auch Italien gegen einen EU-Beitritt Schottlands stimmen würden. Die Zustimmung Deutschlands gilt dagegen wegen des bayerischen Maut-Kasperle-Theaters als sicher. 
P.S.: Falls wir noch einen Anlagetipp zum Besten geben sollen: Gehen Sie das britische Pfund long! Eine Abstimmungsniederlage der Separatisten, die nun eine Überraschung wäre, bietet die größere Upside.
Have a good weekend!
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