Traditionelle Anlagen
28. Februar 2019

Institutionelle haben in 2018 ETF-Quoten verdoppelt

Wachstum basiert auf drei Trends. Europäische ETF-Umfrage von Greenwich Associates.

Institutionelle Investoren, die börsengehandelte Indexfonds (auf Englisch: Exchange Traded Funds, kurz ETFs) nutzen, haben ihre ETF-Quoten 2018 um durchschnittlich 50 Prozent erhöht. Damit liegt der ETF-Anteil bei ihnen im Schnitt aktuell bei 15 Prozent, wie die Ergebnisse der europäischen ETF-Studie 2018 des Daten- und Analyseanbieters Greenwich Associates zeigen. An dieser im vierten Quartal 2018 durchgeführten Umfrage haben 127 institutionelle Investoren aus acht europäischen Regionen teilgenommen. Sortiert nach Anlegergruppen handelte es sich vor allem um Pensionsfonds, Asset Manager und Versicherungen. Die meisten Teilnehmer managen über zehn Milliarden Dollar.

Institutionelle Investoren nutzen ETFs der Umfrage zufolge sowohl taktisch als auch strategisch und längerfristig im Portfolio. Im Bond-Segment hat sich die ETF-Quote unter den institutionellen ETF-Investoren auf durchschnittlich 20 Prozent des Gesamtvermögens verdoppelt. Das Gleiche gilt für Aktien-ETFs, deren Anteil im Schnitt auf fast 28 Prozent gestiegen ist, nach 14 Prozent im Jahr 2017.

Drei Wachstumstreiber: „Volatilität“, „Index-Revolution“ und „Nachhaltigkeit“
Den Ergebnissen zufolge beruht das Wachstum vor allem auf drei Trends: „ETFs prosperieren bei Volatilität“, „Index-Revolution“ und „ESG im Fokus“. Bezüglich des ersten Trends konstatiert Greenwich, dass institutionelle Anleger in Europa ihre Portfolios 2018 auf ein turbulentes Anlageumfeld ausgerichtet haben. Dabei standen mögliche Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank sowie diverse geopolitische Risiken im Vordergrund. Die Umsetzung dieser Anpassungen hat zu einer verstärkten Nachfrage nach ETFs geführt. Den Investoren zufolge lassen sich ETFs dank ihrer hohen Ausführungsgeschwindigkeit im Handel, der Möglichkeit zur breiten Diversifikation in einer einzigen Transaktion sowie ihrer hohen Liquidität flexibel im Rahmen der Portfoliokonstruktion einsetzen. „Unsere Daten legen nahe, dass die ETF-Anlagen europäischer institutioneller Investoren nicht trotz, sondern gerade wegen der turbulenten Bedingungen im vergangenen Jahr gewachsen sind“, sagt Andrew McCollum, Managing Director bei Greenwich Associates und Autor der Studie „In Turbulent Times, European Institutions Turn to ETFs“.

Zum Stichpunkt „Index-Revolution“ halten die Studienmacher fest, dass Investoren auf der Suche nach kostengünstigem Zugang zur Rendite des breiten Marktes (dem sogenannten Beta) im vergangenen Jahr weiterhin Vermögen von aktiv gemanagten in indexbasierte Strategien umgeschichtet haben. Dies führte zu verstärkten Zuflüssen in ETFs, die für 84 Prozent der Umfrageteilnehmer das bevorzugte Instrument bei Index-Investments sind. Dieser Trend dürfte 2019 anhalten. Denn die Quoten institutioneller Anleger im Bereich indexbasierter Strategien liegen laut Greenwich weiterhin deutlich unter dem Niveau, das die Befragten selbst als optimal bezeichnen.

Drittens kommt ETFs zu Gute, dass viele Investoren zur Integration von Nachhaltigkeitsstandards ETFs nutzen. Insgesamt gaben 44 Prozent der Befragten an, dass ETFs für sie eines der wesentlichen Anlageinstrumente im Bereich ESG sind. Unter den Investment-Managern trifft dies auf die Hälfte der Teilnehmer zu. Fast die Hälfte aller Befragten geht davon aus, innerhalb der kommenden fünf Jahre mehr als 50 Prozent ihrer Gesamtvermögen unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien zu verwalten.

ETFs vor weiterem Wachstum
Greenwich Associates geht davon aus, dass ETF-Anlagen unter institutionellen Investoren 2019 weiterwachsen werden. So planen fast 40 Prozent der ETF-Anleger aus der Umfrage, ihre ETF-Quoten in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen.

„In einem Jahr, das von der Rückkehr der Volatilität am breiten Markt geprägt war, nutzten Investoren ETFs, um Mehrerträge gegenüber dem Markt (Alpha) zu erzielen, Risiken zu managen, nachhaltig zu investieren und Liquidität auch unter strafferen Finanzierungsbedingungen zu finden“, sagt Peter Scharl, Leiter Privatkundengeschäft und ETFs bei Blackrock in Deutschland, Österreich und Osteuropa. „Wir erleben in Europa eine Revolution bezüglich der Art und Weise, wie Portfolios aufgebaut werden. Dies dürfte dem Momentum beim zunehmenden ETF-Einsatz, das wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, künftig Schwung verleihen. Die zunehmende Kostensensibilität der Investoren, eine Regulierung, die Veränderungen begünstigt, die Modernisierung des Anleihen-Ökosystems sowie ein besserer Zugang zu Daten und Analyseinstrumenten legen das Fundament für künftiges Wachstum.“

 

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