Alternative Anlagen
10. Februar 2020

Investoren erwarten auch von Hedgefonds Nachhaltigkeit

Mangel an Standards. Umfrage unter Managern mit 6,25 Billionen Dollar AuM.

Investoren erwarten von Hedgefonds zunehmend, dass diese bei ihren Anlagen soziale und Umwelt-Themen berücksichtigen und auf eine nachhaltige Unternehmensführung achten. Das hat eine gemeinsame Umfrage von KPMG, der Alternative Investment Management Association (AIMA) und Create Research unter 135 institutionellen Investoren, Hedgefonds und Managern zum Thema „Sustainable Investing“ ergeben. Diese stammen aus 13 Ländern (darunter Deutschland) und verwalten insgesamt 6,25 Billionen Dollar.

Demnach sagen 85 Prozent der befragten Hedgefonds-Manager, dass institutionelle Investoren von ihnen heutzutage die Berücksichtigung von ESG-Kriterien erwarten würden. Doch erst 15 Prozent haben nach eigenen Angaben bereits entsprechende Kriterien formuliert sowie Gremien eingerichtet und betreiben auch ein auf ESG-Kriterien ausgerichtetes Research. Knapp die Hälfte der Befragten (44 Prozent) befindet sich hierbei in einem „fortgeschrittenen“ Stadium; jeder dritte (31 Prozent) ist noch dabei, zunächst das entsprechende Bewusstsein im Unternehmen zu schärfen. Zehn Prozent sagen, noch keinerlei Nachhaltigkeitsanstrengungen unternommen zu haben.

Zwei von drei Hedgefonds-Managern geben an, entsprechende Fortschritte würden durch einen Mangel an aussagekräftigen und einheitlichen Richtlinien sowie verlässlichen Daten behindert. Zudem bestehe ein „Mangel an Wissen oder Expertise“. Interessant sind bezüglich der Hindernisse auch folgende Zitate von nicht näher definierten Umfrageteilnehmern.

„Das Fehlen von Industriestandards hat es Hedgefonds Managern ermöglicht, Nachhaltigkeit nicht ernst zu nehmen“, konstatiert ein Quant Manager aus den USA. Eine Herausforderung liegt aber auch zumindest bei kleinen Häusern in den Kosten. So gab ein Hedgefonds Manager aus Skandinavien zu Protokoll: „Kleine Hedgefonds Manager sehen sich bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit mit überhöhten Kosten konfrontiert, während große Hedgefonds eine Marketingmaschine für Greenwashing haben.“

ESG-Kriterien sind ‚must‘

Hans Volkert Volckens, Head of Asset Management bei KPMG: „Die intensive Diskussion über nachhaltige Investments sorgt dafür, die Kapitalmärkte und das Bewusstsein der Marktteilnehmer zu verändern. Wer heutzutage Risiko und Rendite berechnen will, kommt deshalb nicht mehr darum herum, Nachhaltigkeitsfaktoren mit in seine Kalkulation einzubeziehen. In der Hedgefonds-Branche sind ESG-Kriterien nicht mehr nur ‚nice to have‘ sondern ein absolutes ‚must‘ geworden.“

Drei von vier institutionellen Investoren wiederum sind der Meinung, es sei noch zu früh, zu sagen, ob sich durch nachhaltige Investments zweistellige Renditen erzielen ließen. Auch in dieser Befragtengruppe bezeichnet jeder zweite einen Mangel an zuverlässigen und hochwertigen Daten als Herausforderung bei der Umsetzung von ESG-Strategien. Ein Zurück wird es bei den Investoren ziemlich sicher nicht geben. „Wir haben den Auftrag, Agenten des Wandels zu sein“, so ein Mitarbeiter eines britischen Pensionsplans.

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