Investoren
4. Dezember 2019

Investoren wollen nachhaltiger und langfristiger agieren

R+V, Alte Leipziger und Ärzte Nordrhein setzen stärker auf Alternatives. AP7 nimmt Unternehmen in die Pflicht.

Renditen und Nachhaltigkeit, die beiden großen Anlagethemen ­unserer Zeit, fanden auch auf der Investment-Konferenz von Faros Consulting ihre Würdigung. Einig war sich ein Investoren-Trio auf dem Podium, dass risikoreichere Assets höher dotiert werden ­müssen. „Bei uns kommen liquide und illiquide Aktien auf eine Quote von 15 Prozent. Das Ziel sind knapp 20 Prozent“, sagte Bernd Franken, ­Geschäftsführer bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung. Bei der Alten ­Leipziger kann sich Vorstand Martin Rohm auf ein Portfolio stützen, dessen Allokation sich auch wegen der Solvenzquoten im Rückblick betrachtet als goldrichtig erwies: viel Fixed Income mit ­langer ­Duration. Nicht nur Rohm bezweifelt jedoch, dass hohe Fixed-­Income-Quoten auch in der Zukunft hohe Renditen abwerfen. „Zur ­Verstetigung unserer Renditen haben wir den Beschluss gefasst, ­künftig deutlich stärker in Infrastruktur Equity und Infrastruktur Debt zu investieren“, so Rohm. Die R+V geht ebenfalls verstärkt in verschiedene Alternatives, wobei deren Aufbau möglichst behutsam erfolgt, um nicht allzu prozyklisch zu investieren. R+V-Anlagestratege Dr. Uwe Siegmund: „Wir können es uns leisten, alternative Quoten in langsamen Schritten aufzubauen. Das kostet zwar, glättet aber auch.“

AP7 setzt auf Active Ownership bei 3.000 Unternehmen

Weit weniger Gedanken über Allokationsverschiebungen macht man sich dagegen in Stockholm bei AP7. Die Anlagestrategie der staatlichen Alternative zu privaten Altersvorsorgeprodukten erläuterte CEO Richard Gröttheim auf einer Veranstaltung der Deka. Die für ­deutsche Gepflogenheiten gewöhnungsbedürftige Allokation von AP7 ist ­vergleichsweise simpel und adressiert konsequent die Bedürfnisse der Anspruchsberechtigten und nicht die von Gremien und Gewerkschaften: Die etwa 60 Milliarden Euro an Assets under Management sind nahezu komplett kosteneffizient direkt in Aktien und etwas in Private-Equity-Fonds investiert. Neben dem Beta sollen Leverage, Long-Short-Strategien und Währungsmanagement für extra-Renditen sorgen. Dass Fixed Income eine nur kleine Rolle in Lebenszyklus­modellen zukommt, erläutert AP7 damit, dass Bonds zu niedrigen Renten beitragen und dass Altersvorsorge einen Zeithorizont von mindestens 40 Jahren haben sollte.

In die Tiefe ging Gröttheim in punkto Nachhaltigkeit. „Für einen staatlichen Pensionsfonds ist ESG ein sehr wichtiges Thema.“ ­Wichtig sei für jede Kapitalsammelstelle, eine für die eigene Struktur ­passende Anlage- und dann ESG-Strategie umzusetzen. „Andere schwedische Investoren fahren sehr konzentrierte Portfolios, wir sind dagegen in 3.000 Aktien investiert. Somit sind für uns Votings die beste ­Umsetzung.“ Die Stimmrechte nimmt AP7 bei allen Portfoliounternehmen wahr. „Eine aktive Ownership ist für uns der beste Weg, die Welt zu ändern“, erläutert der AP7-CEO: Hinzu kommen ­Engagements bei 304, Blacklistings bei 65 und Rechtsprozesse gegen 16 Unter­nehmen. Ein Prozess wandte sich gegen Facebooks Pläne, Aktien ­ohne Stimmrechte auszugeben. Kurz vor Prozessbeginn habe Facebook von der Idee abgelassen. Ein Fall für Engagements, in der Regel zusammen mit der Church of England, sind beispielsweise Unter­nehmen, die gegen die Pariser Beschlüsse Lobby-Arbeit betreiben.

Engagements schätzen auch die drei deutschen Investoren. Ebenfalls schätzen würde zumindest Bernd Franken einen längeren Anlage­horizont. „Warum müssen wir eine jährliche Fokussierung haben?“, hinterfragt Franken und verweist auf die langfristig höheren Renditen von US-Endowments. Kritisch ist für Franken aber noch ein anderer Punkt: „Durch die Anlageverordnung werden wir gezwungen, 35 ­Prozent in meist negativ verzinste Staatsanleihen zu investieren. Es braucht eine Änderung des rechtlichen Rahmens.“

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