Jahreskonferenz
19. Juni 2018

JAHRESKONFERENZ 2018 – Per Definition nicht zu definieren

Wer nach einer Definition des Schlagworts „Multi Asset“ sucht, findet sie nicht. Bei der Jahreskonferenz kamen Investoren und Anbieter darin überein, dass es um die effiziente Selektion und Allokation von Risikoprämien geht, um ein gewisses Ertragsprofil zu erreichen. Wer welches Profil hat, können Sie hier nachlesen.

Das Programm der Jahreskonferenz hielt für die Gäste ein Spektrum hoch relevanter Fragestellungen bereit; einen Schwerpunkt bildete das Thema „Multi Asset“. Das Niedrigzinsumfeld hat das Interesse der Anleger daran geradezu befeuert, auch wenn es an einer einheitlichen Definition mangelt. Erschwerend hinzu kommt, dass die Multi-Asset-Strategien der Anbieterseite vielfältig sind. Traditionelle und alternative Faktorprämien von Asset-Klassen und Marktsegmenten werden darin zu einem individuellen Anlageteppich verwoben. Dabei allokieren Asset Manager die von ihnen bevorzugten Assets dynamisch, mitunter kommen Short-Positionen zum Einsatz. In Multi-Asset-Strategien ist alles möglich und zumeist auch intelligent kombiniert. Aber kaum eine Multi-Asset-Strategie gleicht der anderen. Deshalb gilt es, den Durchblick nicht zu verlieren.
Diese Gemengelage bildete den Ausgangspunkt einer Gesprächsrunde, bei der Investoren, Asset Manager und Consultants ihre Meinungen austauschten. Die Moderation der Session „Multi Asset: Einer für alles?“ übernahm Jürgen Huth, Geschäftsführer von Faros Consulting. Ihm zur Seite standen in Berlin Robert Koch (Fondsmanager im Multi-Asset-Team bei Fisch Asset Management), Yoram Lustig (Head of Multi-Asset Solutions beim US-amerikanischen Asset Manager T. Rowe Price) sowie Charlie Thomas (Fondsmanager bei Jupiter Asset Management in London) und Christian Kempe (Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Do Investment AG). Mit von der Partie war auch Stephan Mayer. Er ist im Treasury der Stadtsparkasse München für die Umsetzung der strategischen Asset Allocation zuständig. Multi Asset sei für die Süddeutschen eine Anlageklasse innerhalb der strategischen Asset Allocation, wie Sparkassenmann Mayer in der Vorstellungsrunde anschnitt.
Institutionelle Investoren haben ihre Kapitalanlage seit geraumer Zeit mit Hilfe ausgefeilter Masterfondsstruktur immer breiter und diversifizierter aufgestellt. Wie Moderator Jürgen Huth zu Beginn der Diskussion aus eigener Erfahrung berichtete, hat indessen die Nachfrage nach Multi-Asset-Konzepten in den vergangenen drei Jahren zugenommen. Für Robert Koch und Fisch Asset Management, eine Investmentboutique, die sich zu 100 Prozent in Mitarbeiterhand befindet, sei die Motivation, Multi-Asset-Strategien anzubieten, reiner Selbstzweck. „Wir legen unsere eigenen Pensionskassengelder und unsere liquide Mittel in unseren eigenen Multi-Asset-Fonds an.“ Damit signalisiere Fisch Vertrauen in Multi Asset als Konzept zur diversifizierten Kapitalanlage. Yoram Lustig wies darauf hin, dass T. Rowe Price mit einem verwalteten Vermögen von rund 300 Milliarden US-Dollar – allein im Bereich Multi-Asset-Strategien – zu den größten Multi-Asset-Managern weltweit zählt. Die Produkte seien auf die Erfordernisse der Kunden individuell zugeschnitten. Insgesamt verwalten die US-Amerikaner rund 1.000 Milliarden US-Dollar.
Mit Multi Asset taktieren
Nach den Beweggründen befragt, in die Asset-Klasse einzusteigen, spannte Stephan Mayer von der Stadtsparkasse München den Bogen zunächst zum eigenen Verständnis der Kapitalanlage: „Wir wollen strategisch und damit langfristig in verschiedenen Asset-Klassen mit verschiedenen Zielquoten investiert sein. Gleichzeitig möchten wir einen taktisch getriebenen Baustein in unserer Allokation haben.“ Das sei die Anlageklasse Multi Asset. „Wir haben unsere ersten Investments 2013 getätigt.“ Schon damals habe man es mit dem bis heute andauernden Niedrigzinsumfeld zu tun gehabt, rief Mayer in Erinnerung und wies darauf hin, dass das Niedrigzinsumfeld für viele ein Auslöser gewesen sei, sich Multi-Asset-Strategien zuzuwenden. Nach seiner Erwartungshaltung gefragt und danach, was externe Manager mitbringen sollten, um mit ihrer gemischten Asset-Struktur den Nerv der Anleger zu treffen – wobei sie die einzelnen Anlageklassen doch auch einzeln adressieren könnten – entgegnete Mayer: „Wir sind ein Anleger, wie Herr Lustig das beschrieben hat. Wir möchten kein fertiges Produkt kaufen.“
Bei der Stadtsparkasse München macht man sich im Vorfeld der Selektion Gedanken, wie ein in die eigene Kapitalanlage passendes Produkt aussehen muss. Dazu gehört die Frage nach den integrierten Anlageklassen und nach den Rahmenbedingungen, die dem Asset Manager eingeräumt werden sollen. Anschließend suche man das Gespräch mit mehreren Managern und werfe die Frage auf, ob sie mit diesen Rahmenbedingungen leben könnten und ob diese in ihren Asset-Management-Prozess passten. Schlussendlich werde der Manager mandatiert, bei dem man das Gefühl habe, dass er die Erwartungen am besten umsetzt. Teil eines solchen Ansatzes ist es, dem Asset Manager ein möglichst breites Anlageuniversum zu geben, andernfalls funktioniere Multi Asset nicht wirklich, führte Mayer aus. Bestandteil des Universums, das auf einem fest fixierten Risikobudget aufsetzt, seien Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und aus dem High-Yield-Bereich. Aufgrund aufsichtsrechtlicher Restriktionen könne man dem mandatierten Asset Manager aber auch kein zu breites Anlageuniversum einräumen, betonte Mayer.
Gefragt sei ein Kompromiss, der dem Asset Manager einerseits die Möglichkeit gibt, möglichst viele Marktphasen so zu bespielen, dass positive Renditen erzielt werden können. Andererseits und mit Blick auf das Eigenkapital der Stadtsparkasse München und deren Risiko-Controlling dürfe das Konzept nicht zu komplex werden. Mayer wies darauf hin, dass die am Markt anzutreffenden Multi-Asset-Konzepte unterschiedlich funktionieren; zu finden seien fundamental getriebene aber auch quantitativ-technische Ansätze, mancher Anbieter wiederum nähert sich dem Thema über die Risikoseite, wie Mayer berichtete. Vor diesem Hintergrund sei die Idee entstanden, Multi-Asset-Konzepte mehrerer Anbieter mit verschiedenen Ansätzen zu mandatieren. Diese erreichte Managerdiversifikation soll dem Multi-Asset-Portfolio zusätzliche Stabilität verleihen.
Auf den Punkt gebracht, geht Multi Asset für die Stadtsparkasse München mit der Erwartungshaltung einer Anlage einher, die in möglichst vielen Marktphasen positive Erträge erzielen kann; dabei sei es den Managern auch gestattet, eine negative Duration einzugehen. Mit Blick auf die sich andeutende Zinswende sei damit die Hoffnung verbunden, über die negative Duration selbst von steigenden Zinsen zu profitieren.
Aktien im Blumenstrauß
Christian Kempe, der für den Vermögensverwalter Do Investment und das Family Office der Dorniers arbeitet, zog im Hinblick auf die Definition von „Multi Asset“ Parallelen zur Flora: Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn habe er vor 20 Jahren bei der Deutschen Bank gelernt, dass man mit den drei zur Verfügung stehenden Anlagen Aktien, Renten und Cash einen dreifarbigen Blumenstrauß binden könne. Bei Multi Asset sei der Blumenstrauß nun aber deutlich bunter: versehen mit Rohstoffen, Währungen, Private Equity und börsennotierten Infrastrukturanlagen böten sich diverse Möglichkeiten. „Wenn ein Manager nur Aktien und Renten im Portfolio hat, ist das für mich streng genommen kein Multi Asset“, so Kempe.
Bei der aus dem Family Office der Familie Dornier stammenden Do Investment AG sei man vor drei Jahren zu der Erkenntnis gelangt, dass die Zinsen nun ihr Tief erreicht haben sollten. Von daher suche man stärker denn je nach Anleihen-Managern, die sich von klassischen Renten-Benchmarks abkoppeln. Der Anteil der mandatierten Manager, die unverändert direktionale Strategien fahren, sei von Quartal zu Quartal gesunken. Der Großteil der Gelder sei heute in nicht-direktionalen Rentenstrategien allokiert, führte Kempe aus. Damit meint er Konzepte, die sich von der Benchmark abkoppeln und versuchen Mehrwert zu generieren, indem sie beispielsweise flexibel auf der Durationsseite sind. Auf der Aktienseite habe man diese Art von Strategie etwas später ebenfalls initiiert. Im Zentrum steht der MSCI World, dessen Performance man sich sichert. Neben diesem Kern kommen Satelliten zum Einsatz: mandatierte Manager, die eine Überrendite nach Kosten erwirtschaften sollen und sich durch eine negative Korrelation zum MSCI World auszeichnen, die Werte von bis zu minus eins aufweisen würden. Solche Manager, die ein Portfolio abrunden können, gebe es, man müsse nur lange genug nach ihnen suchen. Das eigene Risikomanagement wiederum bezeichnete Kempe als Anti-Risikomanagement, da man von vornherein erwartet, dass das Schlimmste passiert. Teil dieses Ansatzes ist, ein Cash-Polster bereitzuhalten, um Opportunitäten zu nutzen. „Die besten Gewinne sind für mich die nicht gemachten Verluste“, so Kempe, der es für charmanter hält, nicht immer voll investiert zu sein.
Stabiles Einkommen
Yoram Lustig wies darauf hin, dass insbesondere die institutionellen Kunden in Deutschland und Italien großen Wert auf stabiles, regelmäßiges Einkommen mit ihren Anlagen legen; das betrifft typischerweise Pensionspläne in der Leistungsphase. Vor diesem Hintergrund entwickelte T. Rowe Price einen Multi-Asset-Income-Ansatz: Der Cashflow-Strom setzt sich zusammen aus Dividenden, Zinsen aus Staatsanleihen und Emerging Market Debt, während Real Estate Investment Trusts (Reits) Mieteinkünfte beisteuern. So ließe sich eine Rendite von 4,5 Prozent erzielen. Es gehe mehr denn je darum, eine Reihe von Einkünften gebündelt zu managen. Lustig macht die Definition von Multi Asset am Ergebnis fest: Es sei ein ergebnisorientierter Weg, Geld zu verwalten. Es gehe eben nicht darum, besser abzuschneiden als ein Aktienindex. Auch bei Charlie Thomas von Jupiter Asset Management steht „laufendes Einkommen“ im Zentrum der Kundenanforderungen. „Wir sind bestrebt, das Einkommen zu optimieren, aber das tun wir innerhalb der Leitlinien unserer Risikoparamter.“ Dazu gehört, sich keine harten Zielvorgaben zu setzen, sondern flexibel zu bleiben. Harte Ziele führten nur dazu, dass man als Fondsmanager mitunter in eine sehr schwierige Lage gebracht werde. Jupiter selbst nimmt einen holistischen Blick ein, und Charlie Thomas skizzierte den hauseigenen Ansatz: Statt kurzerhand Aktien- und Rentenfonds zu kombinieren, hole man Aktien- und Rentenmanager an einen Tisch, um gemeinsam zu erörtern, wo der größte Wert entlang der Kapitalstruktur eines bestimmten Unternehmens zu finden sei. Sind es die Anleihen, die Wandelanleihen oder die Aktien, die am vielversprechendsten sind? Jupiter verspricht sich von diesem integrierten Ansatz einen gewissen Schutz für das zur Verfügung stehende Risikobudget des Investors. Eine zentrale Rolle spielen bei dem fundamental geprägten Multi-Asset-Ansatz auch ESG-Kriterien.
Viele Wege führen nach Rom
Mit Blick auf die Komplexität von Multi-Asset-Lösungen zog Robert Koch von Fisch Asset Management am Ende der kurzweiligen Gesprächsrunde das Fazit, dass jeder auf der Anbieterseite einen eigenen Ansatz habe, wie er dem Nullzinsumfeld mit neuen Lösungen begegnet. „Viele Wege führen nach Rom“, so Koch mit Blick auf die Vielfalt der Konzepte und der zum Einsatz kommenden Anlageklassen. Das Interessante aus Kundensicht sei, dass man mit Multi-Asset-Lösungen zwar nicht Gefahr laufe, das Marktrisiko gegen das Managerrisiko einzutauschen, auch wenn dem Kunden die Allokationsentscheidung abgenommen werde. Der Kunde müsse mehr denn je die Risiken hinterfragen und für sich selbst die Frage beantworten, ob der jeweilige Manager zu ihm passe. Mit Multi Asset könne man aber eine Vielzahl von Risikoprofilen darstellen.
portfolio institutionell, Ausgabe 5/2018
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