Schwarzer Schwan
8. Februar 2019

Kirchliches Feuchtbiotop

Thrilla in Manila

Reisen Sie auch regelmäßig First Class nach Manila? Dann haben Sie sich vielleicht vor ein paar Jahren über einen geschäftsreisenden Priester und seinen Stellvertreter gewundert. Der Geistliche, Zerstreuung von den Mühen der inneren Einkehrung suchend, hatte sich weltlichen Angelegenheiten und Verwaltung des kirchlichen Vermögens gewidmeten Exerzitien zugewandt. Die beiden – von ihrem Investmentpartner eingeladen – waren unterwegs, um sich ein paar Frachtschiffe einmal vor Ort auf den Philippinen anzuschauen. Denn nur unter den Augen des Herrn werden die Kühe fett.

Bis zu 20.000 Euro sollen allein die Flüge gekostet haben. Die mit einem First-Class-Flug verbundenen Annehmlichkeiten der beiden Pilger haben aber sicher dazu beigetragen, dass sie bei ihrer Anlageentscheidung unbefangen waren. Trotz der Vor-Ort-Besichtigung hat sich die Frachtschiffe-Kompetenz in Oberbayern aber anscheinend nicht entscheidend erhöht. Das Bistum Eichstätt musste das Investment über fünf Millionen Euro komplett als Lehrgeld abschreiben. Womöglich hat sich das Finanzdirektorium des Bistums bei der Due Diligence des Schiff-Investments zu stark auf das Buch der Könige gestützt. Dort heißt es: „Denn die Meerschiffe des Königs, die auf dem Meer mit den Schiffen Hirams fuhren, kamen in drei Jahren einmal und brachten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen.“ Realistischer wäre die Geschichte von Jona, der vom Walfisch geschluckt wird, gewesen.

Schon wieder Geld mit Frachtschiffen versenkt, …
… mag man sich denken. Aber tatsächlich spielen diese in dieser Geschichte nur eine Nebenrolle. Schließlich sind sie nicht mehr als eine Anekdote, welche in einem diese Woche veröffentlichten Prüfbericht einer Münchner Anwaltskanzlei zur „Abrundung angemerkt“ wurde, um zu belegen, dass der Priester und damalige Finanzdirektor des Bistums Eichstätt als weiterer Hauptverantwortlicher für den Finanzskandal anzusehen ist, welcher das Bistum seit einem Jahr erschüttert. Die damaligen Finanzverantwortlichen hatten – sich zweifelsohne den Limburger Bischof Tebartz-van Elst zum Vorbild nehmend – einen entspannten Umgang mit Kirchenfinanzen und eine Unbeirrbarkeit gegenüber Erkenntnissen des modernen Risikomanagements an den Tag gelegt. Rund 60 Millionen Euro flossen an nur vom Segen des heiligen Vaters besicherte Immobilienkredite in den USA, von denen bisher lediglich sechs Millionen Euro zurückgeflossen sind. Bischof Gregor Maria Hanke – besorgt um seine Finanzen und beflügelt von einer Transparenzoffensive der katholischen Kirche unter Papst Franziskus – geht in einem Fall den weltlichen Weg, um zumindest einen Teil des Geldes juristisch zu retten.

Den Rechtsweg geht die Staatsanwaltschaft bereits auch im Falle des Stellvertreters und seines Geschäftspartners. Nach dem Dafürhalten der Münchner Kanzlei dürfte auch der damalige Finanzdirektor mit einer Anklage rechnen. Schließlich sei die bisherige Verteidigungsstrategie, sich mit enttäuschtem Vertrauen auf die fachliche höhere Kompetenz des Stellvertreters herauszureden, nicht schlagkräftig. Auch ein Finanzprofi spielender, sich mit klerikalen Machtstrukturen gegen die Erkenntnisfortschritte des Portfoliomanagements abschirmender Priester hätte – so in etwa der Bericht – mit einfachen Fragen erkennen können, dass solche Kredite vielleicht keine besonders gute Idee seien. Im „System Eichstätt“, in dem „ein enger Zirkel hochrangiger Kleriker (…) sämtliche zentralen Macht- und Schaltstellen innerhalb der operativen Verwaltung“ besetzte und „gleichzeitig die Funktion der Kontroll- beziehungsweise Beratungsgremien“ wahrnahm, mag dies anders gewesen sein. Zusammenfassend konstatierte der Prüfbericht in den kirchlichen Strukturen ein „Feuchtbiotop für Straftäter“.

Zwei Tage nach der Vorstellung des Berichts ist in der Pressestelle des Bistums derweil wieder Ruhe eingekehrt. „Wie funktioniert eine Pfeifenorgel?“, dieser Frage wird einer Meldung zufolge in einem Workshop für Kinder beim Amt für Kirchenmusik nachgegangen.

Ein besinnliches Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell!

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