Traditionelle Anlagen
23. April 2018

Klimarisiken, Klimachancen

Die Dekarbonisierung hat weitreichende Auswirkungen auf alle Industriesektoren und die Portfolien institutioneller Anleger. Erneuerbare Energien eröffnen Anlagespielräume.

Auf unter zwei Grad Celsius soll der Temperaturanstieg begrenzt bleiben. Darauf einigten sich Staaten auf der Klimakonferenz in Paris. Dazu sollen und wollen auch institutionelle Investoren einen Beitrag leisten, indem sie ihre Portfolios entsprechend dekarbonisieren. Dies geschieht auch zum eigenen Nutzen, um klimabezogene Finanzrisiken zu reduzieren.
Hermes Investment Management sieht hier zwei Hauptrisiken: Risiken, die mit dem Übergang in kohlenstoffarme Investments verbunden sind, wie Preise oder Regulierung. Beispielsweise sind europäische Ölfirmen sehr günstig bewertet, und die Erzeugung von Energie wird von Subventionen beeinflusst. Das zweite Risiko sieht der Asset Manager Hermes, dessen neuer Mehrheitseigner Federated und nicht mehr British Telecom ist, dass Assets direkt unter dem Klimawandel leiden. 
Hermes verweist auf PRI-Studien, dass die Mehrheit der Investoren zwar im Klimawandel ein wichtiges Investmentthema sehen, aber nur 17 Prozent diese beiden Risiken in ihrer Allokation berücksichtigen. Ein Grund ist die in der Hermes-Publikation zitierten „Tragedy of Horizon“ des Klimawandels, dass nämlich die Auswirkungen des Klimawandels vor allem künftige und weniger aktuell handelnde Generationen betreffen.
Mehr und mehr reift aber in der Wissenschaft die Erkenntnis, dass Klimaprognosen von der Realität überholt werden. „Tatsächlich motiviert die Klimaforschung derzeit mit ihren Datenanalysen so etwas wie eine `neue Radikalität´im ökologischen Denken“, zitiert die FAZ António Guterres. Der UN-Generalsekretär sagte jüngst, dass zwar die Schlagzeilen von Spannungen und Konflikten dominiert werden, „die Wahrheit aber ist, dass der Klimawandel die größte systemische Bedrohung für die Menschheit ist“.
Damit, wie eine solche Berücksichtigung Gestalt annehmen kann, beschäftigte sich das Cognitive Finance Institute von Feri in einer Publikation. Darin wurden drei Hauptstrategien vorgestellt: die Beurteilung des Fortschritts in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft bezüglich der globalen Erwärmung und den Klimazielen, die Beobachtung der Exposition zu verschiedenen Technologien als dem wichtigsten Hebel zur Emissionsverringerung und die Beurteilung der Bereitschaft von Unternehmen zum Risikomanagement und zur Nutzung von Geschäftschancen.
Die Umsetzung dieser Strategien fällt allerdings nicht leicht, da es Diskrepanzen zwischen Staaten gibt, verschiedene Gestaltungsvarianten und konkurrierende Technologien bestehen, und weil fossile Brennstoffe auf vielen Märkten subventioniert werden. Deshalb, so Feri, „müssen Investoren bereit sein, Risiken zu vermindern und Chancen zu nutzen“. 
Wie Feri weiter festhält, hat die Dekarbonisierung weitreichende Auswirkungen auf alle Industriesektoren, jedoch mit unterschiedlicher Intensität, Dauer und Bedrohlichkeit. Daher sollten Investoren alle Sektoren beobachten, sich allerdings vornehmlich auf die am stärksten betroffenen konzentrieren. Zu diesen zählen nicht nur Energie und Industrie, sondern laut IPCC („Weltklimarat“) auch zu einem Viertel Land- und Forstwirtschaft sowie sonstige Landnutzungsformen. Dabei stellen die Freisetzung von Methan und Dickstoffoxid durch Viehhaltung, Reisanbau und Düngemittelanwendung Hauptanteile der freigesetzten Emissionen dar.   
Feri warnt vor passiven Investments 
Feri warnt, dass passive Investoren wesentlich solchen Sektoren ausgesetzt sind, die aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft betroffen sein werden. Es ist zudem nicht möglich, die Exposition zu bestimmten Technologien bei der Investition in passive Fonds zu beeinflussen. Gleichzeitig werden laut Feri aber auch klimaorientierte Indizes entwickelt, beispielsweise von Stoxx und Solactive, die die Entwicklung von kohlenstoffarmen passiven Investitionsprodukten ermöglichen, die Klimarisiken weniger ausgesetzt sind. 
ABP will fünf Milliarden in Renewables investieren 
Wie ein aktiver Investor den Übergang managen kann, lässt sich einem die Feri-Studie abschließendem Interview mit Lucian ­Peppelenbos aus dem Nachhaltigkeitsteam des niederländischen ­Pensionsfondsdienstleisters APG entnehmen. „Klimarisiken und -chancen sind auf verschiedenen Ebenen in unserer Organisation ­eingebettet. Aus der Governance-Perspektive stehen die Klimarisiken auf der Agenda unseres Vorstands und Investitionsausschusses“, so Peppelenbos. „Wir haben zudem eine klare und transparente Klimapolitik mit der Absicht definiert, bis zum Jahr 2020 den Emissionsfuß­abdruck in börsennotierten Aktien um 25 Prozent verglichen mit 2015 zu reduzieren.“ Erreicht werden soll das Emissionsziel über Best-in-Class-Ansätze oder Divestments. Bei Infrastruktur und Immobilien werde eine Energieeffizienzmetrik berücksichtigt.
Ferner werden Engagements betrieben. Als Herausforderungen nennt Peppelenbos die Quantifizierung des Klimarisikos, die Notwendigkeit, weitere Standards und neue Metriken zu entwickeln und eine bessere und umfassendere Datenlage herzustellen. „Wir halten auch die Zusammenarbeit innerhalb der Investorengemeinschaft und zwischen den Investoren und der Gesellschaft im weiteren Sinne, einschließlich der Regierung, für entscheidend. Auf allen diesen Gebieten sehen wir ein Potenzial für Verbesserungen.“ 
Eine sehr konkrete Investmentchance sieht APG bei Erneuerbaren Energien. Für den Pensionsfonds ABP will man fünf Milliarden Euro bis 2020 investieren. Weitere Chancen liegen für Peppelenbos in den Themen Energieeffizienz, Transport – Stichwort Elektrofahrzeuge – sowie Land- und Wasserwirtschaft. Bezüglich Energieeffizienz erachte man auch Entwicklungen in IT und Datentechnologien als sehr ­wichtig, da sie neue Lösungen und Ansätze vorantreiben können.
portfolio institutionell 23.04.2018/Patrick Eisele 
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