Schwarzer Schwan
15. Februar 2019

Kulinarischer Konter

87 Flaschen für 110 DFB-Flaschen

Mein lieber Schwan: Im diesjährigen Winter-Trainingslager des FC Bayern München in Doha setzte Linksaußen Fronck Ribery ein sportliches Ausrufezeichen! Erst vertilgte er standesgemäß ein Riesenschnitzel im Blattgold-Mantel für 1.200 Euro – und fraß zum Nachtisch per Twitter gleich noch seine Neider und Kritiker. Zum Knabbern hatte Ribery darum noch an einer hohen „Goldstrafe“ des FC Bayern. Dabei demonstrierte der französische Vorzeigekicker des deutschen Vorzeigeclubs mit seinem Schnitzel à la Fronck eigentlich nur Volksnähe – zumindest zu den katarischen FCB-Fans.

Prost, DFB!
Da wollen natürlich die Sportsfreunde des DFB nicht nachstehen und fuhren mit einer kleinen Weihnachts-Orgie im Frankfurter Tigerpalast einen kulinarischen Konter. Wie der Spiegel berichtet, achtete eine 110-köpfige Delegation des gemeinnützigen Fußballverbands auf nicht nur ausreichende sondern auch allerbeste Liquidität. Schmecken ließ man sich 16 Flaschen Champagner Taittinger Brut für 1.568 Euro, 50 Flaschen Weißburgunder-Chardonnay-Cuvée für 2.100 Euro sowie 21 Flaschen Rotwein Château Grand Village für 924 Euro. Macht 0,8 Flaschen pro Kopf beziehungsweise mitsamt Tickets und Drei-Gang-Menü 20.848,25 Euro – die die Fete finanzierenden Mitglieder hams ja. Die Gemeinnützigkeit des DFB steht mit diesem kleinen Umtrunk außer Frage: Die Fete war gemein für die Mitglieder und nützlich für die DFB-Granden.

Etwas gesitteter geht es dagegen in Zürich zu. Dort wird man am 2. Mai wieder viele ältere Herrschaften zufrieden von der Hauptversammlung der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG abziehen sehen. Denn dort konnten sie einen begehrten Koffer erbeuten. Als Wegzehrung für den Heimweg (ver)pflegt das Unternehmen die Aktionäre nämlich mit fünf Kilogramm Schokolade im Wert von 150 Franken. Die Aktionäre, die oft nur eine Fressaktie halten, bekommen also ein schönes Real Asset als Ausschüttung. Lindt & Sprüngli erzielt dafür eine hohe Präsenz auf der Hauptversammlung. Im Jahr 2017 lag diese bei 86 Prozent des stimmberechtigten Kapitals – und zwar, wie die FAZ berichtet, bis zum Ende aller Abstimmungen. Denn den Koffer gibt es erst, nachdem alle Tagesordnungspunkte in Gänze abgearbeitet sind, und seien diese noch so langweilig. Dafür hat man sich dann auch eine kleine Belohnung verdient.

Allzeit einen guten Appetit wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio – schmatz, schleck, schluck – institutionell!

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