Alternative Anlagen
11. Februar 2019

Lachs an Land

Angetrieben durch den weltweit wachsenden Appetit auf Fisch konnten die Aktien konventioneller Lachszüchter 2018 teilweise um 40 Prozent zulegen. Die konventionelle Zucht im Meer hat aber Downsides, sowohl für Fisch und Konsumenten als auch für Investoren. Der Volkswohl Bund in Dortmund gehört zu den ersten, die sich an einem Projekt zur Land-Lachszucht beteiligt haben. Im Interview erklärt Vorstand Axel-Rainer Hoffmann, was er sich davon verspricht.

Herr Hoffmann, warum investiert der Volkswohl Bund in Lachs?

Wie Sie wissen, haben sich strategische Asset-Allokationen in den vergangenen 15 Jahren stark geändert. Wir alle suchen alternative Investments. Das Investment in landbasierte Lachsaufzucht hilft uns, die Rendite unseres Portfolios zu stabilisieren und unsere Kapital­anlage weiter zu diversifizieren. Investiert haben wir einen mittleren zweistelligen ­Millionenbetrag. Wie bei unseren ­Investments in Erneuerbare Energien oder bei Immobilien­finanzierungen suchen wir auch bei diesem Thema den First Mover Advantage. Derzeit ist das Interesse an Alternatives sehr groß. Es ist anspruchsvoller geworden, attraktive Risk-Return-Profile zu finden.

Investiert wird über einen PE-Fonds. Lachs ist aber eher ein alternatives Alternative?

Heute ist es ein alternatives Alternative. Ich gehe aber stark davon aus, dass Lachszucht in ein paar Jahren Teil des klassischen alternativen Lagers sein wird. Dann könnte aber das Risk-Return-Profil für eine Versicherung schon wieder unattraktiv sein.

Erlaubt das Risk-Return-Profil eine ­Eigenkapital-Unterlegung von 49 Prozent?

Unsere Zielrendite liegt im zweistelligen ­Prozentbereich. Die Cashflows sind aber ­attraktiver als bei klassischem Private Equity. Während es bei Private Equity fünf bis sechs Jahre dauern kann, bis die J-Curve durchlaufen ist, braucht Lachs vom Ei bis zum Supermarkt nur etwa zwei Jahre. Wir können uns auch vorstellen, dass der Konsument und der Händler bereit sind, für höhere Qualität und  längere Frische mehr zu zahlen.

Wie kommt man in Dortmund auf die Idee, an Land Lachse zu züchten?

Die Idee kam aus unserem Netzwerk. Dann haben wir eine erste Due Diligence durch­geführt und Business Case, Neuer ­Produkte Prozess, Risikomanagement und Solvency II abgeklopft. Wir sind sehr risikobewusst. Von der Idee bis zum Investment hat es einige Monate gedauert.

Ist Lachszucht auch ein Instrument für die Personalentwicklung?

Absolut. Traditionell hatte man früher ein Team für Fixed Income, eines für ­Immobilien und eines für Aktien. Dann kamen neue ­Asset-Klassen ins Portfolio, die Schnittmengen mit den bestehenden Assets aufweisen, weshalb die Teams besser verzahnt werden müssen. Dadurch wächst Fachwissen, auf dessen Basis neue, interessante Assets angegangen werden können. Das Salmon Project lief durch unser Private-Equity-Team. Der Business Case ist auch nicht besonders ­komplex und bei dem Recirculating Aquaculture System handelt sich um eine bewährte Technologie. Somit können wir dieses ­Thema intern ohne zusätzliche Mitarbeiter zusammen mit dem Single-Fondsmanager 8F ab­decken. Glücklicherweise ist mein Team an neuen Anlagethemen interessiert.

Wäre trotzdem der Kauf von norwegischen „Lachsaktien“ nicht effizienter gewesen?

Bis jetzt erzielen diese gelisteten Lachszüchter sehr schöne Returns. Wir glauben aber, dass die Zucht in Netzen im Meer mehr Risiken als die Zucht auf Land enthält. Bei Antibiotika, Mikroplastik und Quecksilber im ­Essen sowie großen Carbon Footprints droht, dass die öffentliche Meinung gegenüber Zuchtlachs aus dem Meer kippt. Vielleicht sind wir an einem Wendepunkt, an dem der Konsument sich der Risiken von meerbasierter Lachszucht bewusst wird. Für den Handel ist es sehr attraktiv, einen Lachs länger anbieten zu können und nicht schon in Bälde wegen des nahenden Verfallsdatums aussortieren zu müssen.

Ist Land-Lachszucht für Sie auch aus nach­haltigen Gründen attraktiv?

Man kann es als Impact Investment definieren – auch wenn wir kein klassischer Impact-Investor sind. Primär ist für uns das Risk-­Return-Profil und der Fit zu den Verbindlichkeiten. Der Nachhaltigkeitsaspekt macht ­dieses Investment allerdings zweifellos noch ­ein Stück attraktiver.

Wichtigste Frage: Wie schmeckt der Lachs?

Sehr gut! Es lagen uns auch Geschmacksnachweise und Kundenrezensionen von Einkäufern und Sushi-Restaurantbetreibern vor, die durchweg äußerst positiv ausfielen.


Acht von 17 SGDs

Onshore-Lachs mitsamt seinem Recirculating Aquaculture System ist nicht zuletzt aus nachhaltigen ­Gesichtspunkten attraktiv. 8F wirbt mit gleich acht der 17 SDGs für seine Unternehmung: „Leben unter Wasser“, „Maßnahmen zum Klimaschutz“, „Gesundheit und Wohlergehen“, „Kein Hunger“, „Nachhaltige(r) Konsum und Produktion“, „Sauberes Wasser und ­Sanitäreinrichtungen“, „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ und „Menschenwürde, Arbeit und Wirtschaftswachstum“. Letzteres ist dadurch gegeben, dass eine 10.000-Tonnen-Anlage etwa 130 Arbeitsplätze für Biologen, Ingenieure und Ungelernte bietet. Nachhaltig ist auch, dass 8F mit Solarpanels auf dem Flachdach seinen eigenen Strom produzieren kann. Außerdem können die Fischexkremente als Dünger verkauft werden.

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