Versicherungen
6. Dezember 2016

Lebensversicherer im Übergang

Der Rechnungszins im Bestand sinkt nur sehr langsam. Kein Wunder, dass in diesen Tagen diverse Versicherungen weitere „Anpassungen“ bekannt geben. Die Bundesbank sieht eine steigende Verwundbarkeit des Gesamtsystems.

Im Jahr 2015 fiel bei deutschen Lebensversicherern die laufende Durchschnittsverzinsung um 25 Basispunkte auf 3,65 Prozent. Zum Problem wird die Zinssituation dadurch, dass der durchschnittliche Rechnungszins im Bestand 2015 weiter nur sehr langsam auf 2,97 Prozent zurückging. Dies notiert die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2016. Somit überrascht es wenig, dass die Versicherungen in diesen Tagen weitere „Anpassungen“ bekannt geben. So senkt der Branchenprimus Allianz Leben die laufende Verzinsung bei den klassischen Verträgen von 3,1 auf 2,8 Prozent im Jahr 2017. Die Axa Lebensversicherung bietet im nächsten Jahr eine laufende Verzinsung von 2,9 nach 3,1 Prozent (2016). Die Ergo senkt die Gesamtverzinsung um 0,45 Punkte auf 2,6 Prozent. Unisono verweisen die Versicherer auf die andauernde Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten, die Ergo zudem auf die Bundesbank: „Das Produkt Lebensversicherung ist auf sichere und langfristige Zinsanlagen angewiesen. Daher sind Lebensversicherungen von der Kapitalmarktlage besonders betroffen. Die Bundesbank empfiehlt in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2016 aufgrund der hohen Unsicherheit über die künftige Entwicklung eine Absicherung der Garantien durch weitere Risikopuffer.“
In dem Bericht analysiert die Zentralbank, dass es zu einer Umschichtung der Kapitalanlagen der Lebensversicherer weg von deutschen Banken hin zu ausländischen Nichtbanken kommt – ohne dass dabei im Schnitt höhere Risiken eingegangen werden. 64 Prozent des Rentenportfolios seien weiter in AAA- und AA-Ratings investiert. Mehr Sorgen macht der Bundesbank, dass durch die regulatorische Besserstellung von Forderungen gegen Staaten keine Eigenmittel zu unterlegen sind und sich somit „eine größere Anfälligkeit gegenüber makroökonomischen Risiken“ ergeben kann. 
Kritisch sieht die Bundesbank auch die Durationslücke und die Solvenzquote. Laut Eiopa haben deutsche Lebensversicherer im europäischen Vergleich die höchste Durationslücke. Bei fallenden Zinsen könne das Ziel der Assekuranz, eine bestehende Durationslücke zu reduzieren, zu weiterem Abwärtsdruck bei den langfristigen Zinsen führen. „Letztlich“, so die Bundesbank, „stiege damit die Verwundbarkeit des Gesamtsystems“. Andererseits kann ein Zinsanstieg dazu führen, dass es für die Versicherungsnehmer rational ist, ihre Verträge zu kündigen. Bezüglich der Solvenzquote machte die Bafin einen mit dem seit Jahresbeginn 2016 gefallenen Zinsniveau einhergehenden Rückgang aus. Zudem können die Solvenzquoten im neuen Regelwerk stark schwanken. Zwei Versicherer erfüllten im zweiten Quartal 2016 die Kapitalanforderungen nicht. Reaktionen der Versicherer sind die Anwendung von Übergangsmaßnahmen und die Abkehr von festen Garantien. Über 70 Prozent der deutschen Lebensversicherer wenden Übergangsmaßnahmen an. Zudem stellten mehrere Unternehmen ihr traditionelles Garantiegeschäft oder gar ihr Neugeschäft insgesamt ein und befinden sich nun im Run-Off, womit sich Vertriebskosten einsparen lassen.
portfolio institutionell newsflash 06.12.2016/Patrick Eisele
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