Strategien
30. Oktober 2018

Liquiditätsanforderungen steigen, Marktliquidität sinkt

Berenberg: „Epidemie Schwarzer Schwäne“. Änderungen bei Anlegerverhalten und Marktliquidität führt zu Flash Crashes.

Eine „Epidemie Schwarzer Schwäne“ hat der Vermögensverwalter Berenberg mit Blick auf die gestiegene Anzahl überraschend starker Marktbewegungen konstatiert. Auf einer Presseveranstaltung präsentierte Dr. Bernd Meyer, Chefstratege Wealth und Asset Management sowie Leiter Multi Asset, eine entsprechende Grafik. Gemäß dieser ist die Anzahl von Tagesbewegungen mindestens viermal größer als die Standardabweichung der Tagesbewegungen der vergangenen 100 Tage.

Änderungen bei Anlegerverhalten und Marktliquidität
Meyer sieht die Ursache dieser heftigen Marktbewegungen – vulgo Flash Crashs – in Veränderungen der Marktstruktur. Dies betrifft das Anlegerverhalten und die Marktliquidität. Zum veränderten Anlegerverhalten zählt, dass die Renditejagd Anleger mehr und mehr in weniger liquide Asset-Klassen geführt hat. Als weiteren Punkt nannte Meyer, dass Multi-Asset-Fonds weniger diversifiziert als früher sind, da der einzige echte „Diversifizierer“, Staatsanleihen, durch renditeträchtigere aber auch illiquidere Corporate Bonds substituiert wurden. Gestiegen sind die Liquiditätsanforderungen aber auch durch Short-Volatility-Strategien sowie Zielvolatilitäts- und Risikoparitätsansätze, die alle trendverstärkend agieren.

Als Aspekte, die zu einer deutlich verschlechterten Marktliquidität beitragen, nannte Bernd Meyer: Aufkäufe der Zentralbanken, der Rückzug der klassischen Händler, der Aufstieg elektronischer Handelsplattformen, High Frequency Trader und der Vormarsch börsengehandelter Indexprodukte. Bezüglich letzterem sprach Meyer von einer „Liquiditätsillusion“, wenn weniger liquide Produkte in ETFs gepackt werden. Elektronische Handelsplattformen wiederum seien nur in einem normalen Marktumfeld ein guter Intermediär.

Folge der auf Grund des veränderten Anlegerverhaltens gestiegenen Liquiditätsanforderungen und der verschlechterten Marktliquidität seien Flash Crashes. „Die Liquidität verfällt, wenn die Volatilität steigt“, so Bernd Meyer.

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