Investoren
7. Januar 2019

Milliardenklage von Gläubigern gegen HSH

Im Streit um die Bewertung der Tier-1-Anleihen fordern Investoren nun eine Milliarde Euro von der HSH-Nordbank. Zahlreiche Vertragsbestimmungen seien verletzt worden.

18 Anleihegläubiger mit Sitz in USA, Deutschland und weiteren europäischen Ländern, die börsennotierte Tier-1-Anleihen der HSH Nordbank AG im Volumen von rund einer Milliarde Euro halten, haben am 28. Dezember 2018 eine Klage gegen die HSH Nordbank AG beim Landgericht Kiel eingereicht. Das teilte die Investorengruppe am Montag mit. Die Anleihegläubiger fordern die Hochschreibung der Tier-1-Anleihen auf ihren Nennwert sowie Schadensersatz für „unrechtmäßig entgangene Zinszahlungen“. Die Gesamthöhe der Forderungen gegen die HSH beträgt eine Milliarde Euro. Hilfsweise haben die Anleihegläubiger die gleichen Forderungen über den Emittenten der indirekt begebenen SPHERE- und SPARC-Anleihen zugunsten aller Inhaber von SPHERE- und SPARC-Anleihen geltend gemacht, wodurch sich die Gesamtforderung gegen die HSH auf 1,4 Milliarden Euro erhöhe.

Die HSH habe über viele Jahre hinweg Handlungen vorgenommen, deren alleiniger Zweck darin bestanden habe, die Anleihen unzulässig herunterzuschreiben, so die Vorwürfe der Investoren. Die HSH habe unter anderem in unzulässiger Weise Rücklagen nach § 340g HGB gebildet. Außerdem habe sie zahlreiche Vertragsbestimmungen ihrer Tier-1-Anleihen verletzt und versucht, die Tier-1-Anleihen rechtswidrig zu kündigen.

Diese Handlungen hätten alle Inhaber von Tier-1-Anleihen der HSH, zu denen zahlreiche deutsche und internationale institutionelle Investoren und viele Privatanleger zählen, erheblich geschädigt. Gestattete man der HSH die Umsetzung ihres am 30. November 2018 angekündigten Vorhabens, die börsennotierten Tier-1-Anleihen zu 15 Prozent ihres Nennwerts zurückzukaufen, bedeutete dies einen Profit in Höhe von 1,6 Milliarden Euro auf Kosten der Inhaber von Tier-1-Anleihen der HSH. Dieser Vorteil würde ausschließlich den neuen Eigentümern zugutekommen. Sie hätten die Bank dann faktisch umsonst erworben, so die Vorwürfe.

Anfang November 2018 hatte die Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, LLP, angekündigt, dass Anleihegläubiger  bei einer geplanten Klage gegen die HSH in Deutschland Schadenersatz in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro verlangen werden.

In Vorbereitung der Klage gegen die HSH in Deutschland haben die Anleihegläubiger in den USA einen sogenannten Discovery-Antrag gemäß Titel 28 U.S.C., § 1782 gestellt. Dabei handelt es sich um ein Rechtshilfeersuchen gegen die mit den neuen Eigentümern der HSH verbundenen Unternehmen Cerberus Capital Management, L.P., J.C. Flowers & Co. LLC und GoldenTree Asset Management L.P. Am 17. Dezember 2018 habe das Gericht des Southern District of New York dem Antrag der Anleihegläubiger in großen Teilen stattgegeben.

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