Administration
23. April 2018

Neue Trends in der Verwaltung großer Anlagesummen

Auf institutionelle Anleger kommen immer komplexere Aufgaben zu. Aus Gründen der Effizienz delegieren nicht nur die kleinen Kapitalsammelstellen immer mehr nach außen.

Fiduciary Management setzt sich in Europa immer mehr durch, um die Verwaltung umfangreicher Anlageportfolios besser zu organisieren. Der Fiduciary Manager überwacht eine dezentrale Gruppe externer Vermögensverwalter und bündelt die Verantwortlichkeit in einer Person oder Organisation. Lyxor verzeichnet mit Blick auf seine Fiduciary-Management-Dienstleistungen weltweit eine steigende Nachfrage.
Investoren und Asset Manager suchten nach neuen Möglichkeiten, um den Herausforderungen in einem schwierigen Marktumfeld zu begegnen und die anspruchsvollen regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, heißt es zur Begründung. Ein Sektor mit hohem Wachstum sei die europäische Versicherungsbranche, die nach Lösungen suche, um Renditen zu steigern und Risiken zu steuern. Auch Finanzinstitute lagern vermehrt Asset-Management-Dienstleistungen aus, um sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. 
Der Finanzchef wird ausgelagert
Einen Trend in diese Richtung beschreibt nun das in Stamford (US-Bundesstaat Connecticut) angesiedelte Beratungshaus Greenwich Associates: den ausgelagerten Finanzchef (Outsourced CIO, kurz: OCIO). Diese Entwicklung geht auf die zunehmende Komplexität im Tagesgeschäft institutioneller Investoren zurück. Sie sind, so berichtet Greenwich, mit einer wachsenden Liste strategischer Aufgaben konfrontiert.
Um der Komplexität zu begegnen, gehen immer mehr Investoren dazu über, Aufgaben rund um den Kapitalanlageprozess an externe Dienstleister auszulagern, um Zugang zu Investment-Expertise zu erhalten und sich „bessere Anlageergebnisse“ zu sichern. Die Mandatierung eines OCIO hat laut Greenwich erhebliche Implikationen für die Asset-Management-Branche und für institutionelle Investoren, heißt es in der neuen Untersuchung „Winning in the New World of Outsourced CIO“. 
Der Begriff des OCIO ist nicht neu. Vielmehr wurde der Ansatz der Auslagerung bestimmter Investmentaktivitäten in der Vergangenheit vor allem von kleinen und mittelgroßen Investoren aufgegriffen, die sich aufgrund ihrer eingeschränkten Größe  und mangelnder Expertise nicht im Stande sahen, ihre Kapitalanlagen effizient zu verwalten.
Greenwich Associates bemerkt, dass nun auch größere institutionelle Investoren sich für die Mandatierung eines OCIO öffnen. Treibende Kräfte, sich dem OCIO zuzuwenden, seien insbesondere die Regulierung und die Suche nach Einsparungen bei den Verwaltungskosten der Kapitalanlagen, so die Einschätzung von Christopher Dunn, Vice President bei Greenwich Associates und Autor des neuen Berichts. 
Outsourcing verändert Kapitalanlagestruktur 
In der Untersuchung analysiert Greenwich Associates zusätzlich die Evolution des Marktes für den ausgelagerten Finanzchef. Dabei werden drei Typen von OCIO-Anbietern identifiziert: unabhängige Anbieter dieser Dienstleistung, Investment Consultants und Asset Manager. Interessanterweise können mit der Mandatierung eines OCIO signifikante Veränderungen in der Zusammensetzung der Portfolien der Investoren einhergehen.
Greenwich hat diesen Effekt bei Investoren mit Anlagevolumina von unter 500 Millionen US-Dollar aufgedeckt. Liquide ­Anlageklassen, wie zum Beispiel Aktien der USA, verlieren dabei an Bedeutung, während illiquideren Assets mehr Gewicht im Portfolio eingeräumt wird. Gleichzeitig werden vermehrt Anlagen eingegangen, die auf dem Risiko-Rendite-Spektrum höher angesiedelt sind. Inwieweit der Investor bei der Mandatierung eines OCIO weiterhin am Ruder sitzt, um die strategische Asset-Allokation zu steuern, wie das beim Fiduciary Management offiziell die Regel ist, muss hinterfragt werden. 
portfolio institutionell 23.04.2018/Tobias Bürger
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