Der Performance-Standard "Gips" soll Investoren Transparenz und Vergleichbarkeit von Produkten und Leistungen sowie Asset Managern Chancengleichheit verschaffen. Noch werden aber nicht alle potenziellen Vorteile genutzt. Schwierigkeiten bei der Umsetzung entstehen bei der Bildung von Composites, den Vergleichskörben.
Die Gips gibt's in Deutschland in zunehmendem Maße. Waren es gemäß einer im Januar 2009 veröffentlichten BVI-Umfrage 16 BVI-Mitglieder, die sich zur Einhaltung der Global Investment Performance Standards verpflichtet und sich verifiziert haben, sind es derzeit nach Kenntnis von Martin Schliemann von Frankfurt Finance Audit bereits 25 bis 30 Asset Manager und Vermögensverwalter. Unter den KAGen sind es 90 Prozent.
Die Gips wollen weltweit einheitliche Standards zur Messung und Darstellung der Wertentwicklung von Investments schaffen. Der Bedarf wurde in den 80er Jahren offensichtlich, als manipulierte Performance-Ergebnisse präsentiert wurden. Den entscheidenden Anstoß, Vergleichsstandards zu entwickeln, gab die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC. Asset Managern, die sich an dem Standard orientieren, ist es zum Beispiel auch nicht mehr möglich, nur noch mit dem am besten gelaufenen Fonds oder Mandat für sich zu werben und dabei die vergleichbaren Underperformer des Hauses unter den Tisch fallen zu lassen.
Inzwischen befolgen 32 Länder die ethischen Richtlinien und Empfehlungen der weiterentwickelten Gips. Zu diesem Kreis zählen nicht nur die europäischen Staaten und die USA, sondern auch Länder wie Mikronesien, Sri Lanka oder Kasachstan. Zu Beginn war die globale Akzeptanz das vorrangige Ziel. Heute ist es die Entwicklung der Inhalte, was sich auch in der kürzlich erfolgten Überarbeitung widerspiegelt. Hauptänderungen sind die verpflichtende Angabe des Value-at-Risk und die Bewertung von Assets nach der Fair-Value-Methode, falls kein Marktpreis vorliegen sollte (siehe portfolio institutionell März 2010, Seite 10). Wünschenswert wäre aber ein noch höherer Durchdringungsgrad. Gerade bei Managern von Immobilien, Hedgefonds und Private Equity, aber auch bei Boutiquen, gibt man sich gegenüber den Gips zurückhaltend. Weiterentwicklungsbedarf liegt auch noch darin, alternative Asset-Klassen mit ihren Besonderheiten in den Vergleichsstandard aufzunehmen. Der Hauptgrund für die Zurückhaltung ist, dass die eigentlichen Nutznießer der Gips, die Investoren, nicht konsequenter auf Gips-Compliance oder gar -Verifikation pochen. Mangels erkennbaren Mehrwerts machen manche Asset Manager darum einen Bogen um die Gips oder begnügen sich damit, sich selbst eine Gips-Compliance zu bestätigen. 2008 monierte die US-Aufsicht SEC als einen verbreiteten Mangel, dass Advisor mehrheitlich angaben, ihre Performance Gips-gemäß anzugeben. Dies entsprach aber nicht den Tatsachen. Dabei hatten die meisten dieser Asset Manager ihre Vorgehensweise verifizieren lassen. Aus Europa und Asien sind diese Probleme bislang nicht bekannt.
Neben der fehlenden Kundenanforderung zählen zu den Gründen, weshalb für Gesellschaften eine Verifizierung nicht attraktiv ist, die Kosten, dass die Zahl der Sondervermögen und Mandate zu gering ist und dass sich keine sinnvollen Composites generieren lassen. "Bei der ersten Verifizierung belaufen sich die externen Kosten für einen mittelgroßen Asset Manager auf etwa 40.000 bis 50.000 Euro. In den Folgejahren ist die Verifizierung dann deutlich billiger", sagt Martin Schliemann von Frankfurt Finance Audit, der die Verifizierung als eine "prüferische Tätigkeit mit stark beratendem Charakter mit ergänzenden Stichproben" beschreibt. Besteht ein Composite nur aus einem Portfolio, wie es zum Beispiel bei einem Hedgefonds der Fall sein kann, kommen die erstmaligen Kosten mit 10.000 bis 15.000 Euro auf einen deutlich geringeren Betrag.
_Grüppchenbildung
Abhängig sind die Kosten natürlich auch von den Vorarbeiten des Managers beziehungsweise ob dieser bereits zumindest Gips-compliant ist. Der Standard schreibt zum Ausweis einer Gips-konformen Performance-Historie einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren vor. Liegt eine Historie von mindestens fünf Gips-konformen Jahren vor, muss in den darauffolgenden Jahren der jährliche Performance-Wert hinzugefügt werden. Ob sich die Ausgabe rentiert, hängt davon ab, ob die Gesellschaft aufgrund der Verifikation mehr Umsatz erwartet. Ein Mandat würde in der Regel schon reichen, um die Ausgaben für die Verifizierung zu decken. Möglicherweise sehen manche Häuser mit einer großen Konzernmutter solche Marketingkosten auch als unnütz an. Auch kleine Nischen-spezialisten dürfte die Kosten für die Gips mit besonders spitzem Bleistift rechnen.
Ein besonderes Kapitel ist die Bildung von Composites. Unter einem Composite wird die Zusammenfassung von einem oder von mehreren Portfolios zu einer eigenständigen Gruppe verstanden, die ein bestimmtes Anlageziel oder eine bestimmte Anlagestrategie repräsentiert. Die Bildung inhaltlich sinnvoll volumengewichteter Composites, so die Standardsetzer, ist entscheidend für eine korrekte Darstellung, Konsistenz und Vergleichbarkeit von Ergebnissen im Zeitablauf und zwischen Gips-Einheiten. Dabei müssen alle tatsächlichen, gebührenpflichtigen diskretionären Portfolios mindestens einem Composite zugeordnet werden. Meist führt eine gemeinsame Benchmark zu einer eigenständigen Gruppe. Je breiter ein Haus aufgestellt ist, desto größer die Composite-Anzahl.
Probleme bei der Zuordnung entstehen mangels Track Record bei Seed-Money-Portfolios. Auch bei der Einordnung von Publikumsfonds sehen Experten Probleme. Verzerrungen drohen, wenn ein Asset Manager in einem Composite eine dominierende Größe aufweist und besonders gut oder schlecht ist. Ein Ausweg kann die Aufteilung des Composites in ein Composite für große und eines für kleine Volumina sein.
So viel zur technischen Bildung von Composites. In der Praxis stellen sich andere Fragen. "Die Composite-Bildung bestimmt letzten Endes das Produktportfolio der Asset- Management-Firma, sie ist damit ein Teil der Unternehmensstrategie und sollte Aufgabe der Geschäftsführung sein", sagt Dr. Peter König, DVFA-Geschäftsführer und derzeitiger Sekretär des German Asset Management Standards Committee (GAMSC). Die deutsche Gips-Organisation besteht aus den drei Verbänden BVI, DVFA und die German CFA Society. Welche Kundenmandate und Publikumsfonds zu wie vielen Composites zusammengefasst werden, entscheiden aber laut der erwähnten Umfrage des BVI folgende Abteilungen in dieser Reihenfolge: Performance-Analyse, Portfoliomanagement, Marketing/Vertrieb und die Produktentwicklung. Eine Hauptrolle dürfte bei der Composite-Bildung aber auch der Kundennachfrage zukommen.
siehe Infokasten
_Gips für das Controlling
Für Investoren sollen die Gips mehr Visibilität über das Leistungsvermögen eines Asset Managers schaffen, um die Managerselektion beziehungsweise die Bewertung von Managementleistungen zu erleichtern. Das heterogene Investitionsverhalten deutscher institutioneller Investoren erschwert allerdings die gewünschte Vergleichbarkeit und damit vermutlich auch deren Wunsch, die Gips-Standards verstärkt aktiv nachzufragen beziehungsweise anzuwenden. "Die Gips haben den Performance-Ausweis-Standard mittlerweile deutlich verbessert und damit auch die Transparenz weiter erhöht. Dennoch ist der Nutzen der Gips für die Asset Manager selber noch höher als für die Investoren, da die Auslegung der Composites den Asset- Management-Häusern vorbehalten bleibt und diese für Investoren nicht immer nachvollziehbar sein werden. Die Eigenheit deutscher Investoren, aktiv in die Fondsverwaltung einzugreifen, erschwert darüber hinaus die Zuordnung zu einem Composite beziehungsweise dessen Interpretation erheblich", erklärt Jochen Menßen von der Münchener Verein Versicherungsgruppe. In Kenntnis dieser Vorgehensweise erscheint die noch unbefriedigende Nachfrage der Composites beziehungsweise der Gips seitens der Investoren sogar verständlich.
Für besonderen Diskussionsstoff sorgt derzeit auch noch die Einordnung der deutschen Besonderheit der Master-KAG.
Die Gips nur als Marketinginstrument zu sehen, wäre jedoch falsch. "Zielführender ist, Marketing und internes Controlling miteinander zu verknüpfen. Die Gips müssen auch nach innen wirken", sagt Michaela Krahwinkel, Leiterin der Performance-Analyse bei Union Asset Management. "Dann entsteht ein Einklang von internen und externen Zielen." In der täglichen Arbeit helfen die Composites einem Controller, sich einen schnellen Überblick über Hunderte von Portfolios zu verschaffen. Für Michaela Krahwinkel schlummern hier noch einige Potenziale, die Effizienz zu erhöhen. In der BVI-Umfrage scheint dieses Potenzial aber zumindest nicht unbekannt zu sein. Befragt, ob die Gips außer zu Vertriebszwecken auch noch anderweitig genutzt werden, antworteten die Teilnehmer, dass der Standard bei fast allen Gesellschaften auch für das interne Controlling eingesetzt wird. Vereinzelt wurden die Gips auch für Risikomanagement, interne Statistiken, Portfoliomanagement und das Monitoring des Investmentprozesses genutzt.
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portfolio-institutionell.de
19.05.2010
Ab ins Körbchen!
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