Portfolio Magazin

portfolio institutionell

Ausgabe 12/2017

Die Titelgeschichte dreht sich um Aktien

mehr...



Anzeige

Anzeige

Verlagsprodukte

Anzeige


Traditionelle Anlagen
03.01.2018

Aktien-Exposure auf dem direkten Weg

Dax-Werte liegen überwiegend in ausländischen Händen. Noch mehr gilt dies für Nebenwerte. Nur wenige deutsche Investoren profitieren von Direktinvestments in den deutschen Mittelstand. Interessant sind insbesondere Immobilien- und Beteiligungsaktien aber auch Anteilsscheine von Asset Managern.

Kennen Sie den im Schärenmeer zwischen Schweden und Finnland gelegenen Archipel Åland? Wahrscheinlich nicht. Falls doch, arbeiten Sie wahrscheinlich in Herzogenaurach in der Investor-Relations-Abteilung der Schaeffler AG. Die Bank of Åland hält nämlich exakt ­eine Million Aktien oder 0,6 Prozent des Automobil- und Industriezulieferers und gehört damit zu dessen größten Aktionären. Dies zeigt einmal, dass der Ruf des deutschen Mittelstands auch an fernen Gestaden noch einen guten Klang hat. Dies zeigt aber auch, dass für viele ausländische Investoren der direkte Weg in Aktien, also ohne Asset Manager, der effizienteste ist.

Die Bank aus Åland ist nicht der einzige ausländische Investor, der in den Nebenwerten-Indizes im Kreis der größten 20 Aktionäre auftaucht. Laut Daten von Bloomberg sind es Ende November insgesamt im M-Dax 164, im Tec-Dax 80 und im S-Dax 122 ausländische Banken, Lebensversicherungen und Pensionsfonds/Staatsfonds, die namentlich unter den größten 20 Aktionären aufgeführt sind. Die drei ­Indizes enthalten zusammen 130 Werte. Insgesamt summieren sich die Banken und die großen angelsächsischen Lebensversicherungen, von denen nur Institute ohne größere, für Dritte tätige Asset-Management-Einheiten gezählt wurden, auf 50 beziehungsweise auf 98. Bei den Pensions- und Staatsfonds sind es 218, die direkt in den gelisteten deutschen Mittelstand investiert sind. Der norwegische Ölfonds ist, wie der Asset Manager Blackrock, bei fast jedem M-Dax-Unternehmen und bei den meisten Tec- und S-Dax-Unternehmen im Aktionariat vertreten und hält meist ein bis drei Prozent der Anteilsscheine.

Bei Brenntag sind die Norweger mit sechs Prozent sogar der größte Aktionär. Short-Positionen sind in dieser Aufstellung nicht enthalten. Leerverkäufe werden aber nicht nur von Hedgefonds getätigt, sondern auch von amerikanischen Pensionsfonds. Ende 2015 haben sich in den drei Indizes 28 Hedgefonds 52-mal short positioniert. Unter den Finanzinvestoren shortete beispielsweise der Canadian Pension Plan eine größere Portion der Anteilsscheine des Tec-Dax-Unternehmens Wirecard und des M-Dax-Werts Südzucker. Bei diesem Pen­sionsfonds sticht auch ins Auge, dass er seine Aktienquote seit dem Jahr 2000 von fünf auf nun 55 Prozent erhöhte. 

Ausländische Direktinvestitionen

Weitere im Aktionariat vertretene europäische Pensionsfonds stammen ebenfalls aus Skandinavien: Alecta Pensionsförsäkring aus Schweden hält im M-Dax je drei Prozent an Dürr und Gea, was ­zusammen ein Investment von etwa 350 Millionen Euro ergibt. Die Assets under Management von Alecta belaufen sich auf umgerechnet 78 Milliarden Euro. Die Anlagestrategie des Pensionsfonds beinhaltet, alle Assets aktiv und direkt zu managen. Research wird intern vorgehalten. Alecta betont aber auch generell, dass man „kostenbewusst wie nur wenige andere sei“. Auch AMF hat das Ziel Pensionslösungen anzubieten, die hohe Returns bei niedrigen Kosten bieten. Darum hat auch dieser kostenbewusste schwedische Pensionsfonds ein direktes Exposure zu Metro und Ceconomy im M-Dax sowie zu SAF Holland im S-Dax im Wert von insgesamt etwa 80 Millionen Euro aufgebaut. AMFs Assets under Management: umgerechnet 60 Milliarden Euro. 

Belgische Investoren hat mit einem staatlichen Pensionsfonds und der Federale Assurance im S-Dax der Gewerbeimmobilienspezialist Hamborner Reit, deren Aktionäre eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent genießen. Niederländische Rentner halten über das Engagement des Pensionsfondsdienstleisters APG je etwa drei Prozent an Symrise und Dt. Wohnen sowie fünf Prozent an Gerresheimer. Insgesamt beträgt dieses Exposure knapp 800 Millionen Euro. APG ­managt insgesamt 440 Milliarden Euro. Eine finnische Sparkasse zählt mit Säästöpankki RIB Software zu ihren Eignern. Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich Finanzinvestoren im Tec-Dax eher rar ­machen.

In diesem Segment liegen oft immer noch große Portionen bei den Unternehmensgründern. Weiterer Exot ist der Alaska ­Permanent Fund. Neben SAP und Bayer ist der Fonds, der wie der norwegische Staatsfonds die Erträge aus der Ölförderung für die ­Bürger anlegt, direkt in Delivery Hero und Südzucker investiert. Nach eigenen Angaben ist der Fonds sogar noch in viele weitere deutsche Unternehmen investiert, die zu klein für den S-Dax sind. Der Performance tat dies keinen Abbruch – im Gegenteil. Die weniger als 50 Mitarbeiter erwirtschafteten über die vergangenen fünf Jahre im Schnitt neun Prozent. Die Hälfte der 62 Milliarden Dollar des Fonds sind in Aktien investiert. 50 Angestellte in Juneau/Alaska kommen eben günstiger, als 31 Milliarden Dollar in den mit einer Total Expense Ratio von 20 Basispunkten pro Jahr nicht besonders teuren I-Shares Core MSCI World Ucits ETF zu investieren. Hinzu kommen beim Permanent Fund fast acht Milliarden Dollar in Private Equity.

Sein Risiko reduziert hat dagegen der Ontario Teachers´ Pension Plan. Ende 2015 tauchten die Kanadier mehr als 15-mal in den drei ­Indizes, davon siebenmal im S-Dax, auf – nun kein einziges Mal. Dies zeigt zumindest, dass es auch in Nebenwerten für große Investoren ausreichend Liquidität gibt. Im S-Dax liegen die ­Marktkapitalisierungen zwischen 6,7 Milliarden Euro bei Delivery Hero und 400 Millionen Euro bei Gerry Weber.

Die Lehrer fahren drei Aktienprogramme. Einmal per renditestarke Asset Manager mit lokaler Expertise. Zweitens direkt mittels einer Bottom-up-Analyse ermittelten Aktien. Drittens mit einem Ansatz, bei dem der Lehrerpensionsfonds zwischen einem Aktionär und einem Limited Partner zu verorten ist: Beim Relationship Investing beteiligt sich der Pensionsfonds strategisch mit zwischen zwei und 30 Prozent an Unternehmen weltweit und arbeitet mit diesen gemeinsam daran, Werte aufzubauen. Allein für das Relationship Investing beschäftigt der Fonds 15 Mitarbeiter. 

 
Anzeige
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder