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17.06.2010

Aktienfonds hinterlassen deutliche CO2-Spuren

Anleger sind Umweltverschmutzer. Das ist jetzt amtlich. Das Berliner Beratungsunternehmen Adelphi Consult hat im Auftrag des Bundesumwelt-ministeriums untersucht, welche Folgen Geldanlagen in Deutschland für das Klima haben.

Anleger sind Umweltverschmutzer. Das ist jetzt amtlich. Das Berliner Beratungsunternehmen Adelphi Consult hat im Auftrag des Bundesumwelt-ministeriums untersucht, welche Folgen Geldanlagen in Deutschland für das Klima haben. Dafür wurde der ökologische Fußabdruck der Produkte und Investoren ermittelt. Das Ergebnis der Studie: fünf Tonnen Treibhausgas pro investierten 10.000 Euro. Das klingt nicht nach viel. In der Summe macht das für Gesamtdeutschland aber 200 Millionen Tonnen Treibhausgas. Das sind 20 Prozent der Emissionen Deutschlands.
Laut Geschäftsführer Walter Kahlenborn sind Spareinlagen sauberer als Aktienfonds. Während es bei der herkömmlichen Spareinlage im Durchschnitt 199 Gramm je Euro sind, kommt der Anleger bei einem konventionellen Aktienfonds im Durchschnitt auf 1.111 Gramm, wobei die Spanne zwischen klimafreundlichstem und klimaschädlichstem Produkt groß sei. "Insgesamt zeigen sich Abweichungen der Treibhausgasintensitäten einzelner Aktienfonds von bis zu 400 Prozent", erläutert Kahlenborn. Dabei spielen Klimaaspekte mittlerweile für viele Fondsmanager eine wichtige Rolle. "Es geht bei Anlageentscheidungen um die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens, dazu gehören auch Klimakriterien, schließlich müssen wir sparsam mit unseren Ressourcen umgehen", hat Andreas Fink, Sprecher des Investment-Verbands BVI, beobachtet. Bei einigen Fonds sind diese laut Adelphi aber eher Nebensache. Einzelne Fonds hielten in hohem Maße Unternehmen aus sehr emissionsintensiven Branchen wie Rohstoffe, Luftfahrt und Rüstung, Baustoffe und Energie.
Das war auch bei einigen Nachhaltigkeitsfonds und Klimafonds der Fall. Erklären kann Kahlenborn das mit den unterschiedlichen Strategien: "Ein Best-in-Class-Ansatz, der nicht die absoluten Treib­hausgas-Intensitäten zum Maßstab nimmt, sondern in der Regel die relativen Treibhausgas-Intensitäten in einzelnen Branchen, kann eine hohe Treibhausgas-Intensität aufweisen, wenn beispielsweise in vorbildliche Unternehmen der Chemie-Industrie oder Energieversorger investiert wird." Im Schnitt erzeugen Nachhaltigkeitsfonds aber 46 Prozent weniger Emissionen als die konventionelle Konkurrenz. Bei Klimafonds sind es im Schnitt 30 Prozent. "Trotz vergleichbarer Anlagestrategien nehmen einige der analysierten Klimafonds stark Treib­hausgas intensive Werte auf, die zwar in bestimmten Konzernteilen ­einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, insgesamt aber auf einem Treibhausgas intensiven Geschäftsmodell beruhen", sagte Kahlenborn. Offiziell streben viele Finanzdienstleister Klimaneutralität an. "Wenn Finanzdienstleister einen wirklichen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen, müssten sie ihre verursachten Emissionen unter Einbezug des Anlage- und Kreditgeschäftes reduzieren. Dies ist allerdings derzeit nicht der Fall", so Kahlenborn.

 
jtb
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