MÜNCHEN - Der Schweizer Investmentberater Complementa hat ein weiteres deutliches Indiz dafür geliefert, dass deutsche Institutionelle nach der Finanzkrise mehr in risikoreiche Anlagen investieren werden.
Laut einer Studie, die Complementa mit dem Bayerischen Finanzzentrum durchgeführt hat, wollen die Investoren über die nächsten zwölf Monate ihre Anleihenbestände reduzieren. "Vom Abbau werden in Zukunft insbesondere Anlagen in Schwellenländern, wie Renten Emerging Markets, Renten High Yield und Aktien Emerging Markets sowie Immobilien profitieren", heißt es. Auch alternative Anlagen wie Private Equity, Hedgefonds und Rohstoffe würden stärker nachgefragt.
Jeannette Leuch, ab Januar 2011 von Complementa in Deutschland (siehe Meldung), bezeichnete die Reallokation zugunsten von Anlagen in Schwellenländern sowie Alternative Anlagenist minimal, aber als Trend erkennbar.
"Abhängig vom Investor sprechen wir über ein, zwei oder höchstens sechs Prozent des Anlagevermögens. Zur Diversifizierung im Rentenbereich trennen sich die Investoren nicht von soliden Papieren wie Bundesanleihen, sondern eher von Staatsanleihen, deren Emittenten wegen hoher Verschuldung in Schwierigkeiten gekommen sind", sagte Leuch zu portfolio institutionell. Etwas ausgeprägter zeige sich der Trend zu Immobilien. Hier werde bis zu zehn Prozent investiert, so Leuch weiter.
In Bezug auf das Risikomanagement hat Complementa festgestellt, dass sich Vorstände und Geschäftsführer zunehmend für das Thema interessieren. "Früher wurde die Risikoanalyse oder der Performance-Bericht an den Verantwortlichen für die Kapitalanlage adressiert. Seit der Finanzkrise wird ein Bericht erstellt, der Interpretationen und Bewertungen enthält, vermutlich auch, weil er nun an die Geschäftsführung geht", sagte Leuch.
Weitere wichtige Erkenntnisse der Studie: Insgesamt hätten 94 Prozent der Institutionen eine strategische Asset-Allokation erarbeitet - teilweise auf Basis einer Asset-Liability-Studie. Ein Overlay werde von 76 Prozent als Instrument zur Absicherung von Marktrisiken eingesetzt. Aber: In der Hälfte der Fälle, in denen ein Overlay eingesetzt wird, sei das Vorgehen im Falle eines Aufbrauchens des Risikobudgets nicht festgelegt. Dies ist nach Meinung der Complementa ein deutliches Alarmsignal.
Für die Studie interviewten Complementa und das Bayersiche Finanzzentrum 49 Institutionelle, darunter viele Versicherungen und Pensionskassen, die zusammen ein Vermögen von rund 40 Milliarden Euro verwalten. Die verwalteten Vermögen der einzelnen Investoren reichten von weniger als 100 Millionen Euro bis rund zwei Milliarden Euro.
Bereits Ende Oktober hatte eine Studie der SEB Asset Management ergeben, dass die Investoren ihre Quoten für Aktien und alternative Anlagen um 6,8 bzw. 4,4 Prozentpunkte erhöhen wollen (siehe Meldung).
In der Schweiz gelten Complementa und PPC Metrics als die größten Anbieter im Bereich Investment Controlling (IC). Diese Dienstleistung umfasst die strategische Asset-Allokation, die Asset-Manager-Selektion, das Performance-Monitoring und das Risikomanagement. Im Rahmen eines IC-Mandats engagiert der Investor den Berater für zwei bis drei Jahre. In Deutschland wird IC beispielsweise von Feri Institutional Advisors (FIA) und RMC angeboten.
portfolio institutionell newsflash 10.11.2010/jan/rko
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10.11.2010
Auch Complementa sieht einen Trend zu risikoreichen Anlagen
Wertpapiere aus den Schwellenländern profitieren insbesondere vom Trend.
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