Versorgungswerke
13.07.2017

Investoreninterview: Aufbau West

Nico Appelt (Bild: Sächsische Ärzteversorgung)

Der Geschäftsführer der Sächsischen Ärzteversorgung, Nico Appelt, meldet sich im Investoreninterview zu Wort. Das Kapitalanlagevolumen des Versorgungswerks beträgt rund 3,6 Milliarden Euro. In Dresden hat man insbesondere bei Immobilieninvestments innovative Ideen.

In Dresden hat man insbesondere bei Immobilieninvestments viele innovative Ideen. ­Diese werden auch im äußersten Westen Europas umgesetzt. Als Basis für die Realisierung ­unentbehrlich: Ressourcen in Form von IT, Mitarbeitern und einer Immobilien-Master-KVG.

Herr Appelt, Sie sind seit knapp 20 Jahren bei der Sächsischen Ärzteversorgung (SÄV). ­Welche großen Entwicklungen gab es in der Kapitalanlage?

Begonnen habe ich als Hausjurist. Die Kapitalanlage bestand zu dieser Zeit aus einer Person. Denn obwohl wir damals noch einen Rechnungszins von vier Prozent hatten, war Kapitalanlage relativ einfach. Von den Banken kamen Listen mit Anlageangeboten, aus denen wir passende Papiere für den Rentendirektbestand auswählten. Zudem haben wir damals den Banken noch gerne Geld ­geliehen. Weiterhin hatten wir eine überschaubare ­Anzahl von Mandaten an verschiedene Asset Manager für Aktien und Anleihen vergeben. Die damalige Diversifikation war bei weitem nicht so breit wie heute.

Ein erster Schritt zur weiteren Professionalisierung war die Einführung eines Wert­papier-Masterfonds. Drei Jahre später, 2009, habe ich die Verantwortung für den Bereich Kapitalanlagen übernommen. In enger Abstimmung mit dem Verwaltungsausschuss wurde die Richtungsentscheidung getroffen, künftig verstärkt auf hauseigenes Know-how zu setzen. Dieser Strategie entsprechend konnten wir über die Jahre die personellen Ressourcen deutlich ausbauen. So sind mittlerweile sieben Kollegen in der Kapitalanlage tätig: je drei Mitarbeiter für Investments in Wertpapiere und Immobilien sowie eine ­Juristin für Kapitalmarktrecht und inter­nationales Steuerrecht.

Spricht auch das betriebswirtschaftliche ­Kalkül für Insourcing?
Unsere Entscheidung war weniger von den Kosteneinsparungen motiviert. Vielmehr ­haben wir die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, jederzeit nachvollziehen zu können, was mit unserem Geld passiert, und mit anderen Kapitalmarktakteuren auf Augen­höhe zu agieren. In der Vergangenheit mussten wir feststellen, dass die beauftragten ­Manager unsere Anlageziele nicht immer konsequent genug verfolgt haben.
Aber natürlich können wir nicht alles auf ­unseren Schreibtisch ziehen.

Wir nutzen weiterhin externe Kompetenz für spezielle Anlagethemen, die wir zum Beispiel über den Wertpapier-Masterfonds abbilden. Hier beschränken wir uns auf die strategische ­Aufstellung und überlassen die tägliche taktische Arbeit den jeweiligen Managern. Die Mandate werden von uns aber laufend überwacht und gegebenenfalls adjustiert. So ­haben wir kürzlich die Benchmark in ­unserem High-Yield-Mandat zugunsten von Bank Loans verschoben.

Teile der Kapitalanlage liegen vollständig in unserer Verantwortung. Das ist ­beispielsweise beim Rentendirektbestand der Fall. Darin ­dominierten bis 2010 ­Schuldverschreibungen deutscher Banken. Heute ist der Renten­direktbestand deutlich breiter diversifiziert. Neben Banktiteln sind Covered Bonds und Anleihen von Unternehmen und Staaten prominent vertreten. Solange Papiere auf Euro lauten und ein Investment-Grade-Rating ­haben, trauen wir es uns zu, sie selbst zu ­managen. Damit haben wir bislang auch ziemlich gute Erfahrungen gemacht. Bei ­unserem Anlagevolumen sind die so gesparten externen ­Managergebühren gerade in der Niedrigzinsphase ein positiver Nebeneffekt.

Finden Sie denn noch Anlagen für den ­Rentendirektbestand?
Im klassischen Anlagespektrum ist es natürlich schwierig geworden. Dem Trend, den Rentendirektbestand abschmelzen zu lassen, wollen wir dennoch nicht folgen. Wir sehen den Direktbestand nach wie vor als stabilen Ertragsbringer.

Bislang haben wir immer noch Möglichkeiten gefunden, dem Rentendirektbestand ­Assets mit auskömmlichen Renditen zuzuführen: in der Finanzkrise waren es Covered Bonds aus der Peripherie, später der ganze Bereich der Unternehmensanleihen und ­aktuell verstärkt grundpfandrechtlich besicherte Darlehen. Die Stellschraube Laufzeitenverlängerungen oder Abstriche bei den Bonitäten haben wir natürlich auch genutzt. Auch wenn nicht mit jeder Anlage der Rechnungszins erreicht werden kann, ziehen wir es vor, die Verantwortung nicht einfach an ­einen externen Manager zu delegieren, der vor derselben Problematik steht.

 
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