Die Entscheidung über den Award "Industry Achievement international" fiel in diesem Jahr denkbar knapp aus. Letztendlich setzte sich mit Professor Benoît Mandelbrot ein von Nassim Taleb geschätzter Kollege durch, dessen populärste Entdeckung die fraktale, nach ihm benannte Mandelbrot-Menge ist.
Da sich an diesen Award keine objektiven Kriterien anlegen lassen, wurde der Gewinner in dieser Kategorie wie bereits in den Jahren zuvor durch ein Voting-Verfahren sämtlicher Jurymitglieder, die in ihrer Arbeit von einem akademischen Beirat unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Heidorn unterstützt wurden, ermittelt. Zur Begründung hieß es unter anderem: Mandelbrot ist seit langem ein Kritiker der Normalverteilung. Diese ist seiner Ansicht nach in ungewöhnlichen Marktphasen und Extremsituationen, die häufiger auftreten als gängige Modelle suggerieren, unbrauchbar. Als einer der wenigen wies der emeritierte Professor der Yale University rechtzeitig darauf hin, dass das wahre Risiko systematisch unterschätzt wird. Weiter hieß es in den Begründungen der Jurymitglieder, dass Mandelbrot herausragende Arbeiten zur Betrachtung von Risiken und wegweisende Forschungsergebnisse im Bereich der fraktalen Geometrie, der Chaostheorie und fraktalen mathematischen Strukturen an den Finanzmärkten geleistet hat.
Seinen Award, den er von Oliver Kilian von Unicredit überreicht bekommen sollte, konnte Professor Mandelbrot leider nicht persönlich entgegennehmen. Schriftlich zeigte er sich aber hocherfreut über den Gewinn dieses Preises: "Dass der portfolio institutionell Award meiner Arbeit gewidmet wurde, war eine große Überraschung und eine echte Freude. Fast 50 Jahre sind vergangen, seit mir durch einen puren Zufall bewusst wurde, dass die Darstellung von Marktpreisänderungen eine große wissenschaftliche Herausforderung darstellt. Als 1952 der Computer zur Verfügung stand, konnte ein Jahrhundert altes Meisterwerk von Louis Bachelier neu ausgewertet werden. Bachelier setzte voraus, dass sich Preise wie eine skalare Brownsche Bewegung verhalten. Für mich entspricht das nicht einmal annäherungsweise der Realität. Gelegentliche Preissprünge sind genauso signifikant wie die Masse von kleineren Änderungen. Regellosigkeiten sind schwer zu definieren, dürfen aber nicht vernachlässigt bleiben." Mandelbrot fügt hinzu, dass es immer noch besser ist, spät als nie ausgezeichnet zu werden. Auf jeden Fall sei er auch weiterhin sehr mit der fraktalen Geometrie beschäftigt.
Benoît Mandelbrot ist emeritierter Sterling Professor am Mathematics Department der Yale University und wissenschaftlicher Mitarbeiter sowohl am Thomas J. Watson Research Center als auch am Pacific Northwest National Laboratory. Der heute 85-Jährige lebt in den Vereinigten Staaten. Er leistete wegweisende Arbeiten zur fraktalen Geometrie und Chaosforschung. Für seine Arbeiten hat Mandelbrot viele Ehrungen erhalten.
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19.05.2010
Auszeichnung für den Vater der fraktalen Geometrie
Die Entscheidung über den Award "Industry Achievement international" fiel in diesem Jahr denkbar knapp aus.
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