Pension Management
16.04.2018

Blackrock-Studie nimmt Pensionseinrichtungen unter die Lupe

Pensionseinrichtungen mit festen Leistungszusagen steuern weltweit in zwei unterschiedliche Richtungen. Welche Fortschritte sie dabei machen, zeigt eine Studie von Blackrock.

Die neue Studie „Common challenges, diverging paths“ beruht auf einer Umfrage unter 300 Senior-Führungskräften bei Pensionsplänen von Unternehmen und anderen Einrichtungen als auch unter Chief Investment Officern. Die Economist Intelligence Unit (EIU) hat die Umfrage im Auftrag von Blackrock im Oktober 2017 durchgeführt. 

Anlagepolitik wird weiterentwickelt 

Blackrock weist in einer Zusammenfassung auf die wichtigsten Studienergebnisse hin. Demnach zeigt die Untersuchung, dass Pensionseinrichtungen als Antwort auf die wirtschaftlichen, finanziellen und demographischen Herausforderungen einen Schwerpunkt darauf legen, ihre Governance und Anlagepolitik weiterzuentwickeln. Gleichzeitig beleuchtet das Research unterschiedliche Prioritäten, die zum Vorschein kommen. So stehen bei den Pensionseinrichtungen der Unternehmen eine geringere Risikotoleranz, mögliche Szenarien für die Auslaufphasen und – im Falle multinationaler Konzerne – grenzübergreifende Kooperationen ganz oben auf der Agenda. Bei den Pensionseinrichtungen, die nicht zu Unternehmen gehören, liegt ein Hauptfokus darauf, stärker in ungelistete Vermögenswerte investieren zu können.

Pensionseinrichtungen von Unternehmen und anderen Organisationen haben ihr Augenmerk in den vergangenen drei Jahren vermehrt auf Governance-Aspekte und die Anlagepolitik gerichtet. Dabei standen Bedenken bezüglich des Risikomanagements und hinsichtlich der Kompensation von Risiken für viele im Vordergrund. Fast drei Viertel (74 Prozent) der Befragten sagen, dass sie ihre Risikotoleranz in dieser Zeit erstmals in sogenannten Risk-Appetite-Statements schriftlich fixiert beziehungsweise die entsprechenden Richtlinien überarbeitet haben. 72 Prozent gaben an, dass sie ihre Anlagephilosophien erstmals in Form von Investment-Belief-Statements festgehalten oder diese überarbeitet haben. Rund 70 Prozent haben ihre Risikoanalyse erweitert, und 69 Prozent achten seitdem stärker auf die Anlagekosten. 

Risiko wird reduziert

Die Umfrage zeigt, dass fast drei Viertel (73 Prozent) der Pensionspläne von Unternehmen mit festen Leistungszusagen Strategien hin zu weniger Risiko fahren. In den USA liegt der entsprechende Anteil sogar bei vier von fünf und in Großbritannien bei neun von zehn Einrichtungen. Bei den größten Pensionsplänen (mit mehr als 25 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen) sind Strategien hin zu weniger Risiko mehr als doppelt so wahrscheinlich wie bei den kleinsten (mit weniger als zehn Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen). 

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass 78 Prozent der Pensionspläne von Unternehmen bereits Schritte unternommen haben, um Pläne mit festen Leistungszusagen grenzübergreifend zu koordinieren. Von diesen haben zwei von fünf (39 Prozent) gemeinsame Anlagestrategien oder -manager an Bord geholt, während weitere 26 Prozent gemeinsame strategische Vermögensaufteilungen für einige oder alle Pläne erstellt haben. Nur etwa ein Zehntel (elf Prozent) der Teilnehmer sagen, dass sie ihre Vermögenswerte konsolidiert haben. Und ein Fünftel (22 Prozent) der Pläne von Unternehmen erwarten keine grenzübergreifende Koordination. 

Indexstrategien und Faktor-Ansätze 

Pensionspläne nutzen Indexstrategien in großem Umfang. Die Mehrheit der Befragten sagt, dass sie 40 Prozent oder mehr ihrer Aktienbestände über Indexfonds managen. Gleichzeitig verwaltet mehr als ein Viertel ihre Anleihenbestände über Indexmandate. Und fast drei Fünftel der Teilnehmer gehen davon aus, ihre indexbasierten Aktien- beziehungsweise Anleihenvermögen auszubauen. Fast drei Viertel (74 Prozent) der Befragten nutzen faktorbasierte Anlagestrategien.

Schließlich hebt die Blackrock-Umfrage auch die wachsende Rolle ungelisteter Vermögenswerte in den Portfolios von Pensionsplänen hervor. Dabei nutzen die Pläne ihre langfristigen Anlagehorizonte. Der Trend der vergangenen fünf Jahre hin zu stärkeren Engagements in Private Equity und am Kreditmarkt, in Immobilien und Infrastruktur hält an. Denn die Fonds streben eine noch stärkere Diversifikation sowie potenzielle Illiquiditäts- und Komplexitätsrisikoprämien an. Die Umfrage zeigt, dass viele der Pensionspläne, die nicht zu Unternehmen gehören, Schritte in Richtung entsprechender Investitionen unternommen haben. So haben 70 Prozent ihre Anlagerichtlinien angepasst, um neue Anlageklassen vom Privatmarkt zuzulassen. Und 65 Prozent haben weitere Anlageexperten mit Schwerpunkt auf ungelisteten Vermögenswerten eingestellt. 

Heterogenes Teilnehmerumfeld

Die Gruppe der Befragten setzt sich folgendermaßen zusammen: 50 Prozent sind Pensionsfonds von Unternehmen mit festen Leistungszusagen (Defined Benefits), 34 Prozent öffentliche Pensionsfonds mit festen Leistungszusagen (Defined Benefits), wie zum Beispiel Einrichtungen von Regierungen, Staaten oder Gemeinden, sowie acht Prozent Pensionsfonds von berufsständischen Versorgungseinrichtungen / oder Branchenverbänden mit festen Leistungszusagen (Defined Benefits). Geografisch betrachtet, hatten die befragten Pensionseinrichtungen ihren Sitz in Amerika (52 Prozent) und in Europa (38 Prozent), während zehn Prozent in der Region Asien-Pazifik beheimatet sind. 

portfolio institutionell 16.04.2018/Tobias Bürger

 
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