Schwarzer Schwan der Woche
06.04.2018

Blaue Bank und Blaublüter

Etwas Dekadenz geht immer – auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Managed Accounts sind keine Erfindung aus der jüngeren Vergangenheit. Bereits 1908 wurde in Berlin der sogenannte Fürstentrust aufgelegt. Vorbehalten war dieser mit Angehörigen des deutschen Hochadels einer geschlossenen Anlegergruppe mit homogenen Anlegerinteressen, denen der Fürstentrust exklusive Investitionsmöglichkeiten in der Elektro-, der Chemie- und der Montanindustrie offerierte. Wie einigen heutigen Family Offices der Neuzeit war es dabei den blaublütigen Investoren vor über 100 Jahren interessanterweise auch ein wichtiges Anliegen, ohne die Großbanken zu investieren.

In seinem Buch „Der Fürstentrust“ beschreibt Autor Christian Bommarius allerdings, dass die Expertise der Fürsten mehr in der Jagd lag, und diese zwar das Geld liebten, diese Liebe aber unerwidert blieb. Darum kamen die Fürsten nicht umhin, sich doch der Deutschen Bank zu öffnen. Dies führte zwar nicht zu besseren Renditen, aber erwartungsgemäß zu Reibereien. Bevor die Deutsche Bank wieder auscashen konnte, wolle sie natürlich ihre Kredite zurückhaben – auch von ihrem kaltblütigsten Schuldner, dem eine hartnäckige Zahlungsunwilligkeit zu Eigen war: Max Egon II. Fürst zu Fürstenberg.

Seine Majestät ermahnt ihre Durchlaucht

Damals wendete man sich mit solchen pekuniären Anliegen offenbar noch nicht an Rechtsanwälte, Schufa oder Handlanger aus Russland oder Kalabrien, sondern an den Kaiser persönlich. Seine Majestät Wilhelm II. reagierte tatsächlich und ließ seiner Durchlaucht und seinem Jagdkameraden Max Egon bestellen, dass er seinen verschwenderischen Lebensstil drastisch einschränken müsse. Laut Autor Bommarius telegraphierte Kaiser Wilhelm, dass eine Million Mark jährlich unbedingt zum Zahlen seiner Schuldenzinsen an die Deutsche Bank nötig seien. „Daher muss er seinen Lebensverbrauch auf zwei Millionen Mark pro Jahr zusammenstreichen. Statt fünf Hofhaltungen, Prag, Wien, Heiligenberg, Lana, Donaueschingen muss er auf z.B. Wien, Lana, Donaueschingen sich beschränken, seine Jagden in Galizien aufgeben.“

Ferner bestellte Kaiser Wilhelm Fürst Max Egon, dass, „ein Mann, der in der Handelswelt als mit solchen Schulden belastet bekannt ist, ohne sie zu verzinsen, in dulci jubilo dahinlebt, nicht auf Dauer als solide gelten kann.“ Die über die Reputation seines Jagdkameraden anscheinend ernsthaft besorgte Majestät riet dem Fürsten zudem, falls die Zeitungen Falsches berichten sollten, „gegen die Schweinehunde“ in der Presse vorzugehen. Irgendwer muss ja auch an dem finanziellen Debakel schuld sein.

In der guten alten Zeit hat die Deutsche Bank also noch Verschwender verfolgt. Heute holt sie Verschwender in ihren Aufsichtsrat – mit dem feinen Unterschied, dass diese nicht mehr ihr eigenes Geld verprassen. John Thain machte sich einen Namen in der Finanzkrise – und imponierte damit wohl der Deutschen Bank –, als er sich als damaliger Chef von Merrill Lynch sein Büro standesgemäß für 1,2 Millionen Dollar mit ansprechendem Mobiliar ausstatten ließ und trotz milliardenschwerer Verluste auf seine millionenschweren Boni bestand. Merrill Lynch musste sich in die Arme der Bank of America retten. Dass Thain noch einmal einen bedeutenden Bank-Job bekommt, hätte er wohl selbst nicht gedacht.

Kulturwandel bei der Deutschen Bank

Ausscheiden werden aus dem Aufsichtsrat dagegen die früheren Chefs von SAP, Henning Kagermann, und Eon, Johannes Teyssen – und damit die letzten Vertreter der deutschen Wirtschaft. „Sie ergänzen die vielfältige Expertise in unserem Aufsichtsrat hervorragend“, lobte der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner die Neuzugänge im Aufsichtsrat und sich selbst. Wie damals die Fürsten, sind dann Banker im Aufsichtsrat nahezu unter sich. Ob dies der Rendite genauso abträglich ist?

 
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